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Parkinson-Symptome

Parkinson hat viele Symptome. Die meisten Menschen verbinden mit der Krankheit vor allem das typische Zittern. Doch nicht alle Betroffenen leiden unter dem sog. Ruhe-Tremor (Parkinson-Tremor). Dieser kann im Verlauf der Krankheit weiter zunehmen und zeigt sich zu Beginn oft nur an den Händen. Zwar sind deutlich sichtbare Störungen der Motorik essentiell für das Krankheitsbild und die Diagnose, doch gerade im Frühstadium zeigt sich Morbus Parkinson oft nur durch subtile erste Anzeichen für gestörte Bewegungsabläufe, etwa in Störungen der Feinmotorik (z.B. wird die Handschrift wackeliger oder das Zuknöpfen eines Hemdes dauert länger). Außerdem müssen nicht alle Frühsymptome die Motorik betreffen. Auch Verhaltensveränderungen oder Depressionen, Tagesmüdigkeit, Verdauungsprobleme, ein gestörer Geruchssinn und bestimmte Schlafstörungen (primär REM-Schlaf-Verhaltensstörungen) sind mögliche Anzeichen einer beginnenden Parkinson-Erkrankung. Die Verhaltensveränderungen können im weiteren Verlauf auch durch die Langzeiteinnahme der Parkinson-Medikamente begünstigt werden.

Wichtige motorische Symptome

Motorische Parkinson-Symptome sind ein wesentliches Merkmal der Parkinson-Erkrankung. Ohne das Vorliegen dieser vier Kardinalsymptome wird die Diagnose „Morbus Parkinson“ nicht gestellt.

Sie alle beschreiben die Störung der Bewegungsabläufe der Betroffenen und unterteilen sich wie folgt:

  • Verlangsamung, Bewegungsarmut und Unbeweglichkeit (Bradykinese, Hypokinese, Akinese)
  • Zittern von Händen, Armen, Füßen und/oder Beinen im Ruhezustand (Ruhe-Tremor / Parkinson-Tremor)
  • Steife Muskeln durch permanete Anspannung (Rigor)
  • Störung der Halte- und Stellreflexe (posturale Instabilität, gebeugte Körperhaltung)

Akinese, Hypokinese & Bradykinese: Bewegungen werden schwieriger, seltener und langsamer

Die Begriffe Hypokinese (Bewegungsarmut / Minderbewegung), Akinese (Bewegungslosigkeit, Blockaden, Hemmung der Bewegungseinleitung) und Bradykinese (allg. Verlangsamung willkürlicher Bewegungsabläufe) werden im Zusammenhang mit Morbus Parkinson häufig vereinfachend unter dem Begriff “Bradykinese” zusammengefasst. Dabei äußern sich ihre Symptome unterschiedlich und beginnen häufig nur auf einer Körperseite. Die Bewegungsverlangsamung ist ein schleichender Prozess und für viele Parkinson-Patienten der Aspekt ihrer Bewegungsstörungen, der sie am meisten einschränkt.

Die Akinese (wörtlich übersetzt “Nichtbewegen”) beschreibt eine vollständige Bewegungslosigkeit oder Blockade von Spontan- und Mitbewegungen der Skelettmuskulatur, die Hypokinese (wörtlich übersetzt “Wenigerbewegen”) hingegen die verminderte Amplitude und verzögerte und erschwerte Einleitung willkürlicher und unwillkürlicher Bewegungen. Bewegungen werden in der Konsequenz also seltener und weniger stark ausgeführt. Bewegungsausmaß und der Bewegungsradius sind deutlich verringert. Als Bradykinese bezeichnet man die allgemeine Verlangsamung der Willkürmotorik (aktiv und willentlich ausgeführte Bewegungen wie Lächeln, Sprechen, Nicken, Aufstehen, Greifen, Drehen, Anziehen, Waschen usw.).

Eines der ersten Parkinson-Symptome im Rahmen der Hypokinese zeigt sich z. B. an einem Arm, der beim Gehen nicht mehr so stark und häufig mitschwingt wie bei einem gesunden Menschen. Häufig nimmt auch die Mimik ab, wodurch im fortgeschrittenen Stadium der Eindruck entsteht als würde der Patient „eine Maske tragen“ (Hypomimie / Amimie). Die Gesichtsmuskeln verlieren ihre Beweglichkeit. Die Augenlider schließen sich seltener, die Mundwinkel bleiben starr. Auch die Augenbewegung verringert sich. Angehörigen fällt es mit der Zeit immer schwerer, Emotionen im Gesicht abzulesen. Besonders problematisch: Betroffene wirken dadurch abwesend und teilnahmslos, obwohl sie es nicht sind.

Auch willkürliche Massenbewegungen (Grobmotorik), wie beispielsweise Drehen, Gehen oder das Aufstehen vom Stuhl, nehmen im Bewegungsausmaß weniger Raum ein und können von Betroffenen nur noch schwer, und in vielen ungelenken und ruckartigen Zwischenschritten, ausgeführt werden. Einige Symptome der Hypokinese beziehen sich auch auf die Feinmotorik. Besonders bezeichnend ist die Handschrift, die mit der Zeit zittriger und kleiner wird (Mikrographie). Auch andere alltägliche Handlungen, die feine Fingerbewegungen erfordern, wie etwa das Schließen von Knöpfen oder das Öffnen einer Flasche, fallen zunehmend schwerer. Alltägliche Aufgaben wie das Anziehen und Waschen dauern mit der Zeit immer länger. Im Spätstadium wird bereits das bloße Halten eines Stiftes oder das Tippen auf der Tastatur zur Herausforderung. Der Grund: Es handelt sich um eine Störung des extrapyramidialen Systems. Dieses ist zwar nicht direkt für die Feinmotorik zuständig, sondern für grobmotorische Bewegungen im Rumpf und in den Extremitäten. Doch damit schafft es die Grundlage für die feinmotorischen Bewegungsabläufe, welche durch die sog. Pyramidenbahnen initiiert werden. Anders ausgedrückt: Jede feinmotorische Bewegung der Hand erfordert stets auch eine Bewegung im Oberarm, die wiederum durch das extrapyramidiale System erfolgt.

Gleichzeitig wird der individuelle Gang kleinschrittig und unsicher. Das Anheben der Füße fällt Patienten sehr schwer. Die Körperhaltung beim Gehen und Stehen ist gebeugt (Knie und Ellenbogen angewinkelt, der Oberkörper nach vorne gebeugt). Auf die typische gebeugte Haltung hat jedoch vermutlich auch der Rigor Einfluss, also die dauerhafte und schmerzhafte Anspannung der Muskeln. Es sind zudem viele Zwischenschritte erforderlich, um eine Wendebewegung durchzuführen. Denn die gestörten Halte- und Stellreflexe führen dazu, dass spontane Ausgleichsbewegungen zum Ausbalancieren erschwert oder unmöglich werden, wodurch es zu Gleichgewichtsproblemen kommt.

Von der Akinese spricht man, wenn es zu Phasen vollständigen Bewegungslosigkeit bzw. Blockaden in der Skelettmuskulatur kommt. Sowohl unwillkürliche als auch spontane Bewegungsabläufe gehen dadurch zum Teil vollständig verloren. Patienten können nicht mehr aufstehen oder sprechen. Zielgerichtetes Einleiten oder Beenden von Bewegungen fällt enorm schwer. Das führt mitunter auch zum sog. Freezing. Dieses beschreibt Probleme beim Einleiten einer Bewegung, vor allem beim Losgehen, Aufstehen, Drehen und Hinsetzen. Andere Patienten können hingegen Probleme beim spontanen Beenden einer Bewegung haben, um beispielsweise auf ein plötzlich auftretendes Hindernis beim Gehen zu reagieren (motorische Gebundenheit). Die Akinese beschreibt mit Bezug auf Morbus Parkinson sozusagen die schwerere Form der Hypokinese. Symptome sind zum Beispiel ein dauerhaft offenstehender Mund, sowie der Griff nach einer Türklinke oder einem Objekt, der, ruckartig abgebremst, ins Leere geht. Es kann im Endstadium auch zur Komplikationen kommen, nämlich zur sog. akinetischen Krise. Betroffene können sich plötzlich gar nicht mehr bewegen und beginnen außerdem stark zu schwitzen, oder der Blutdruck und die Herzfrequenz steigen an. In diesem Fall müssen Betroffene sofort in einem Krankenhaus behandelt werden.

Hypokinese und Akinese können auch den Verdauungstrakt betreffen, primär die Peristaltik von Darm und Speiseröhre. Das führt im Frühstadium zu hartnäckigen Verstopfungen. Zudem führen im weiteren Verlauf Schluckstörungen zu vermehrtem Speichel und Schwierigkeiten beim Essen. Betroffene verschlucken sich häufig und Speichel kann aus dem Mund austreten. Auch die an der Sprach- und Stimmbildung beteiligten Muskeln können beeinträchtigt werden. Die Stimme wird nicht nur leiser, rauer, zittriger oder höher, sondern nimmt auch eine monotone Färbung an (Dysarthrophonie). Die Sprache wird oftmals undeutlicher. Der verlangsamte und von langen und plötzlichen Pausen geprägte Sprachrythmus, sowie der gestörte Sprachfluss sind hingegen eher Symptome der Bradykinese. Insgesamt können also alle Muskeln, die direkt an das Skelett angrenzen, sowie die Bauchdeckenmuskulatur, Atemmuskulatur und Gesichtsmuskulatur, durch die Akinese und Hypokinese beeinträchtigt werden.

Unter dem Begriff Bradykinese (Minderbewegung, verlangsamte Bewegung) versteht man die allgemeine Verlangsamung willkürlicher Bewegungsabläufe, also letztendlich den schleichenden Prozess und die Konsequenz der Akinese und Hypokinese. Das Gehen verlangsamt sich stark, ebenso wie sämtliche feinmotorische Abläufe. Auch die Gestik verringert sich deutlich und der Sprachrhythmus verändert sich. Doch diese verlangsamten und veränderten Bewegungsabläufe sind zum Teil auf Akinese und Hypokinese zurückzuführen. Willkürliche Bewegungen werden auch durch die Störung unwillkürlicher Spontan- und Mitbewegungen verlangsamt und erschwert.

Rigor: Muskeln versteifen

Die mitunter schmerzhaften Muskelversteifungen werden oft als rheumatische Beschwerden fehlinterpretiert. In den meisten Fällen manifestieren sich diese in der Schulter-Arm- bzw. in der Becken-Oberschenkel-Region. Die Kraft der Muskeln bleibt dabei voll erhalten. Körpernahe Muskeln (Schultern, Arme, Oberschenkel) sind von der Muskelsteifigkeit meistens stärker betroffen als körperferne Muskelgruppen (z.B. Unterschenkel).

Das Zahnradphänomen ermöglicht als typisches Parkinson-Anzeichen eine Methode, um einen Rigor im fortgeschrittenen Stadium zu erkennen. Hierbei versucht der Arzt den Arm des Patienten zu bewegen, zum Beispiel an Ellenbogen oder Handgelenk. Durch den Rigor ist dies nur ruckartig und in kleinen Abständen möglich, als könnte die Bewegung jeweils nur bis zum Einrasten des Gelenks in der nächsten Kerbe eines imaginären Zahnrads ausgeführt werden. Denn die Symptome des Rigors werden stärker, wenn eine zweite Person die Gliedmaßen passiv beugt oder streckt, ohne dass der Patient selbst diese Bewegung initiiert.

Tremor: Zittern von Händen und Füßen

Das langsame rhythmische Zittern ist wohl das bekannteste Parkinson-Syndrom, doch nicht jeder Patient weist es auf. Oft setzt es zunächst nur einseitig und im Ruhezustand ein. Das Muskelzittern betrifft zunächst oft nur die Hände. Sind diese leer, beginnen viele Patienten mit den Fingern zu reiben. Das erinnert an das Zählen von Münzen oder dem Pillendrehen ähnelt (Pillendreher-Phänomen / Pillendreher-Tremor). Später kann sich der Tremor z. B. auch auf den Kopf, Kiefer, Rumpf, die Arme oder die Füße ausdehnen. Er verschwindet meist erst im Schlaf oder im bei Bewegung vollständig.

Störungen der Halte- und Stellreflexe und posturale Instabilität

Diese Reflexe sind sehr wichtig, um aufrecht zu stehen und zu gehen, sowie die Balance zu halten. Bei einem gesunden Menschen sorgen sie dafür, dass er bei Bewegungen seinen Körper ausbalancieren kann (Ausgleichsbewegungen / Drehbewegungen). Durch die Störung ist es Parkinson-Patienten nicht mehr möglich, plötzliche Bewegungen aufzufangen, um so z.B. in dichtem Gedränge schnell auf Rempler oder Hindernisse reagieren zu können. Dies führt wiederum zu einer Gangunsicherheit, Gleichgewichtsstörungen und einer Sturzneigung. Besonders kritisch, da Parkinson-Patienten auch an einem erhöhten Osteoporose-Risiko leiden und die Gefahr von Knochenbrüchen so steigt. Die Haltungsinstabilität (posturale Instabilität) tritt meist erst in späteren Stadien der Erkrankung auf.

Gangunsicherheit & gebeugte Körperhaltung durch Parkinson

Gebeugte Körperhaltung

Schon im Jahre 1817 beschrieb James Parkinson die gebeugte Körperhaltung als ein Kennzeichen des Morbus Parkinson. Für eine stark ausgeprägte Rumpfbeugung wird heute der medizinische Begriff Kamptokormie verwendet (griechisch kamptein = beugen, kormos = Rumpf). Die Beugung des Oberkörpers kann nach vorne, aber auch zu einer Seite hin auftreten – man spricht dann auch vom sogenannten Pisa-Syndrom. Außerdem kann statt einer Beugung des gesamten Oberkörpers auch eine starke Beugung des Nackens auftreten. Diese Form der Beugehaltung wird Anterocollis oder „Dropped head“ genannt. Die Rumpfbeugung erhöht die Sturzgefahr der Betroffenen durch den verschobenen Körperschwerpunkt erheblich. Patienten mit einer starken Beugung des Nackens verlieren beispielsweise beim einfachen Versuch nach vorne zu blicken häufig das Gleichgewicht, und drohen nach hinten zu stürzen.

Was ist typisch für das Problem der extremen Beugehaltung?

  • Starke Beugung im Stand und während des Gehens, in schweren Fällen auch im Sitzen. Dem Patienten ist es nicht möglich, den Oberkörper gegen die Schwerkraft aufzurichten und eine gerade Haltung einzunehmen.
  • Im Liegen dagegen verschwindet die Beugung, der Rücken bzw. der Nacken streckt sich wieder ganz.

Was ist die Ursache für die Beugehaltung?

Zwei Theorien werden diskutiert, die sich gegenseitig nicht ausschließen:

  • Eine Schwäche der Muskulatur mit Veränderung der Rückenmuskeln
  • Eine erhöhte Spannung und Aktivität der Bauchwandmuskulatur bzw. der Hüftbeuger bei der Rumpfbeugung (Kamptokormie)

Welche Behandlungsmöglichkeiten bei Kamptokormie gibt es?

  • Spezialisierte Physiotherapie
  • Des Weiteren kann eine medikamentöse Therapie die Symptomatik in einigen Fällen verbessern. Wichtig ist es, verursachende Medikamente auszuschließen. Bei Schmerzen muss neben der Parkinson-Medikation auch eine ausreichende und geeignete Therapie mit Schmerzmedikamenten erfolgen.
  • Bei der sehr seltenen, durch Entzündungsprozesse entstandenen Beugehaltung können in Einzelfällen bestimmte entzündungshemmende Medikamente eine Verbesserung hervorrufen.
  • Der Nutzen der Tiefen Hirnstimulation und von Botulinumtoxin-Injektionen ist dagegen umstritten.

PDF zum Thema Beugehaltung bei Parkinson
Infos und Übungen bei gebeugter Körperhaltung durch Morbus Parkinson
Autoren: Prof. Dr. med. Andres Ceballos-Baumann und Frauke Schroeteler und Kerstin Ziegler, Physiotherapeutinnen

Gangstörungen und Freezing

Bei Parkinson-Patienten sind im Verlauf der Krankheit häufig Beweglichkeit und Gang zunehmend beeinträchtigt – die Schritte werden kleiner, langsamer und die Füße halten beim Gehen länger Bodenkontakt. Auffällig ist dabei auch das verminderte oder fehlende Mitschwingen der Arme, Drehungen werden verlangsamt und mit dem ganzen Körper ausgeführt – es kommt zum sogenannten „Freezing“ (Einfrieren).

Das Wort „Freezing“ haben ursprünglich englischsprachige Parkinson-Patienten benutzt, um ihre Gangstörung zu beschreiben, bei der sie mitten in einer Bewegung „einfrieren“. Im Deutschen sprechen Betroffene häufig vom „Festkleben am Boden“, vom „Trippeln“ und davon, nicht von der Stelle zu kommen. Diese Umschreibungen fassen das zentrale Problem der Gangstörung bei Morbus Parkinson recht genau zusammen. Freezing bezeichnet eine plötzlich auftretende, vorübergehende Störung des Ganges. Insgesamt 60–80% aller Patienten mit Parkinson leiden unter solchen Gangblockierungen. Diese können während des Tages in Phasen von gutem und schlechtem Ansprechen auf die Dopaminersatztherapie (On- und Off-Freezing) auftreten.

Was ist charakteristisch für Freezing?

Die Gangstörung kann in sehr unterschiedlichen Situationen auftreten: während Wendebewegungen, beim Losgehen (sogenannte Ampelsituation), in räumlicher Enge (wie in einem Türdurchgang) oder nach längerem Sitzen oder Stehen (wenn beispielsweise das Telefon in einiger Entfernung klingelt). Vor dem Einsetzen und nach dem Überwinden der Blockade sind Beweglichkeit und Gang häufig unauffällig – was unter anderem dazu führt, dass das Trippeln der Beine auf der Stelle ohne Vorwärtsbewegung oder das plötzliche Aussetzen der Beinbewegung von den Mitmenschen nicht verstanden wird.

Wie wirkt sich Freezing im Alltag aus?

Freezing beeinträchtigt die Selbstständigkeit der Betroffenen stark, reduziert die Lebensqualität und stellt durch die erhöhte Sturzgefahr eine Bedrohung der körperlichen Gesundheit dar. Denn die meisten Stürze von Patienten mit Parkinson werden durch Freezing verursacht.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es bei Freezing?

Eine medikamentöse (dopaminerge) Therapie kann das Freezing in OFF-Phasen bei Patienten mit idiopathischem Parkinson Syndrom verbessern. Bei sonst guter Beweglichkeit (ON-Freezing) ist die medikamentöse Therapie schwieriger. Der Nutzen der Tiefen Hirnstimulation bei Freezing ist umstritten.

Hilfreich ist ein spezielles physiotherapeutisches Training, um…:

  1. …Gangblockierungen beim Losgehen, Drehen und an Engstellen zu vermeiden
  2. …aufgetretene Gangblockierungen zu überwinden und
  3. …die Sturzgefahr sowie Gangunsicherheit zu vermindern.

PDF zu Gangstörungen und Freezing
Infos zur Physiotherapie und Übungen bei Freezing
Autoren: Prof. Dr. med. Andres Ceballos-Baumann und Frauke Schroeteler und Kerstin Ziegler, Physiotherapeutinnen

Verschiedene Arten der Parkinson-Erkrankung

Die Haupt-Symptome der Parkinson-Erkrankung entwickeln sich langsam und unterschiedlich stark.

Deshalb unterscheidet man anhand ihrer jeweiligen individuellen Ausprägung auch verschiedene Arten der Parkinson-Erkrankung:

  • Akinetisch-rigider Typ: Diese Form der Parkinson-Erkrankung ist besonders durch die Bewegungsverlangsamung (Akinese) und die Muskelsteifigkeit (Rigor) geprägt
  • Tremordominanz: Die wohl bekannteste Form der Parkinson-Erkrankung, bei der vor allem das Zittern im Ruhezustand dominiert. Ein bekanntes Beispiel hierfür ist die Parkinson-Erkrankung des Boxers Muhammad Ali im Spätstadium
  • Äquivalenz-Typ: in diesem Fall sind die vier motorischen Hauptsymptome des Rigors, der Akinese, des Tremors und der Störung der Halte- und Stellreflexe in etwa gleich stark ausgeprägt
  • Monosymptomatischer Ruhetremor: Bei dieser Form der Erkrankung tritt keine Form der Akinese auf, sondern es liegt ausschließlich das Zittern im Ruhezustand vor

Nicht-motorische Symptome treten meistens weit vor der eigentlichen Diagnose auf. Jedoch bedeutet das Auftreten der nachfolgend erläuterten Begleiterscheinungen nicht automatisch, dass die Betroffenen später auch an Parkinson erkranken.

Nicht-motorische Begleitsymptome der Parkinson-Erkrankung

Neben den vier wesentlichen motorischen Symptomen gibt es auch sogenannte Begleitsymptome. Häufig ist eine Beeinträchtigung des Geruchssinns ein Teil der Krankheit oder tritt im weiteren Krankheitsverlauf auf. Schlafstörungen wie z. B. lebhaftes Träumen oder eine REM-Schlaf-Verhaltensstörung sind weitere Anzeichen, die mit der Parkinson-Erkrankung in Verbindung gebracht werden können. Eine erhöhte Verletzungsgefahr besteht bei der REM-Schlaf-Verhaltensstörung, da der Patient im Schlaf Bewegungen aus seinen Träumen ausführt. Ebenso können Parkinsonpatienten am Tage sehr müde sein. Bei vielen Parkinson-Patienten treten eine Verstopfung (Obstipation) und depressive Verstimmungen auf.

Schlafstörungen durch Morbus Parkinson

Schlafstörungen treten in allen Stadien der Parkinson-Erkrankung und bei der Mehrzahl der Betroffenen auf. Da es allerdings verschiedene Ursachen für das Auftreten von Schlafstörungen bei Parkinson gibt, ist eine gezielte Behandlung nur nach sorgfältiger Analyse der Symptome und der Begleitumstände möglich. Im Folgenden werden die wichtigsten Formen der bei Parkinson auftretenden Schlafstörungen vorgestellt.

Vermehrte Tagesmüdigkeit

Dieses Problem kann sowohl durch nächtliche Schlafstörungen als auch durch bestimmte Medikamente hervorgerufen werden. Vermehrte Müdigkeit, die bei einer Ein- und Umstellung der Parkinson-Medikamente eintritt, kann sich nach einigen Tagen bis zu wenigen Wochen unter regelmäßiger Einnahme bessern. Sollte dies nicht der Fall sein, müssen Sie den Arzt informieren. Möglicherweise gibt es hierbei Unterschiede zwischen verschiedenen Dopaminagonisten, so dass bei Tagesmüdigkeit ein Wechsel des Präparates mit dem behandelnden Arzt besprochen werden kann. In jedem Fall ist bei vermehrter Tagesmüdigkeit die Frage der Fähigkeit zum Führen eines Kraftfahrzeugs mit dem Arzt zu besprechen. Bitte beachten Sie entsprechende Hinweise zur Verkehrstüchtigkeit in den Beipackzetteln der Parkinson-Medikamente. Bei guter medikamentöser Einstellung der Parkinson-Krankheit ohne Tagesmüdigkeit ist in Absprache mit Ihrem Arzt das Führen eines Kraftfahrzeuges möglich.

Probleme beim Einschlafen

Hier ist besonders darauf zu achten, dass abends keine stimulierenden Parkinson-Medikamente eingenommen werden. Dies betrifft Präparate, die die Wirkstoffe Selegilin oder Amantadin enthalten. Die letzte Selegilin-Tagesdosis sollte mittags, die letzte Amantadin-Tagesdosis bis 16 Uhr eingenommen werden.

Wird das Einschlafen durch Missempfindungen in den Beinen gestört, die sich erst beim Bewegen oder Laufen bessern, kann ein sogenanntes Restless-Legs-Syndrom vorliegen. Dieses lässt sich oft durch abendliche Einnahme zusätzlicher Parkinson-Medikamente bessern.

Einfache „Hausmittel“ können bei Einschlafstörungen hilfreich sein. Hierzu zählen z. B. warme Fußbäder vor dem Schlafengehen. Auch Entspannungstechniken wie autogenes Training sind einschlaffördernd. Darüber hinaus ist die vorübergehende Einnahme milder Schlafmittel bei der Parkinson-Krankheit möglich. Welche Vorgehensweise die richtige für Sie ist, sollten Sie mit Ihrem Arzt besprechen. Bei allen nächtlichen Ein- und Durchschlafproblemen sollten regelmäßige Zeiten für das Zubettgehen eingehalten und tagsüber Mittagsschlaf und Nickerchen vermieden werden. Nicht selten stehen Schlafstörungen bei Parkinson auch im Zusammenhang mit Depressionen.

Nächtliche Steifigkeit, Unbeweglichkeit und nächtliche Schmerzen

Besonders in der zweiten Nachthälfte kann es durch das Absinken des Medikamentenspiegels zu starker Unbeweglichkeit kommen. Das Drehen im Bett und das Aufstehen fallen dann schwer oder sind unmöglich. Oft ist dieser Zustand auch mit Schmerzen verbunden. Besonders unangenehm sind schmerzhafte Fuß- und Zehenkrämpfe, die vor allem in den frühen Morgenstunden auftreten. Besprechen Sie diese Probleme mit Ihrem Arzt. Meistens kann die Einnahme eines lang wirksamen Parkinson-Medikamentes wie z. B. eines Dopaminagonisten mit langer Wirkdauer vor dem Einschlafen Linderung verschaffen. Manchmal ist es auch notwendig, beim Erwachen in der zweiten Nachthälfte zusätzlich ein Parkinson-Medikament einzunehmen.

Nächtlicher Harndrang

Muss die Blase jede Nacht mehrfach entleert werden, sollte zunächst darauf geachtet werden, ob der Harndrang im Zusammenhang mit Unbeweglichkeit und Steifigkeit steht. In diesem Fall kann dann die abendliche Einnahme lang wirksamer Parkinson-Medikamente die Blase beruhigen. Hilfreich ist es auch, die abendliche Trinkmenge zu reduzieren (dafür aber morgens und mittags mehr trinken!) und auf die regelmäßige Blasenentleerung vor dem Zubettgehen zu achten. Helfen diese Maßnahmen nicht, sollten durch den Arzt andere Ursachen für vermehrten Harndrang (z. B. Blasenentzündung, Herzschwäche) ausgeschlossen werden. Manchmal ist die Einnahme von Medikamenten notwendig, die die Blase beruhigen (sogenannte Anticholinergika). Hier ist aber darauf hinzuweisen, dass die Einnahme in einigen Studien mit der Entstehung einer Demenz assoziiert wird.

Lebhafte Träume, nächtliche Unruhe

Oft ist eine zu starke Medikamentenwirkung die Ursache von lebhaften (Alb-)Träumen und nächtlichen Unruhezuständen. Diese Probleme müssen Sie unbedingt mit dem Arzt besprechen, da meist eine Veränderung der Medikamenteneinstellung notwendig ist. Dabei sollte unbedingt auch Ihr Partner zu den nächtlichen Ereignissen befragt werden. Beachten Sie hierzu auch das Informationsblatt „Medikamenteninduzierte Psychose“. Kommt es im Schlaf zu heftigen Bewegungen bis hin zu um sich schlagen („Gewaltschläfer“), kann eine sogenannte REM-Schlaf-Störung vorliegen, für die es spezifische medikamentöse Behandlungsmöglichkeiten gibt.

Verhaltensveränderungen durch Morbus Parkinson

Erst in den letzten Jahren wurden in zunehmender Häufigkeit Verhaltensauffälligkeiten beobachtet, die sich im Verlauf der Parkinson-Erkrankung einstellen können und deren Auftreten durch die medikamentöse Therapie – insbesondere durch höher dosierte Dopaminagonisten – begünstigt wird.

Diese Wesensveränderungen können durch Parkinson & Medikamente auftreten:

  • krankhaftes Spielen oder Kaufen
  • übertriebenes (exzessives) Essen
  • überschießende Sexualität (Hypersexualität)
  • das sogenannte „Punding“ (stereotypisches Wiederholen von Tätigkeiten)
  • das sogenannte dopaminerge Dysregulationssyndrom (zwanghafte Steigerung der dopaminergen Dosis)

Alle Verhaltensänderungen sind durch eine verminderte Fähigkeit zur Kontrolle innerer Impulse gekennzeichnet (sog. Impulskontrollstörungen).

Die Verhinderung oder Unterdrückung dieser neu aufgetretenen Verhaltensweisen führt wiederum zu negativen Stimmungsschwankungen. Die Ursachen dieser Verhaltensstörungen sind im Einzelnen noch nicht ausreichend bekannt. Da nur einzelne Patienten betroffen sind, geht man von einer zusätzlichen, individuellen Veranlagung aus.

Ein erhöhtes Risiko besteht statistisch bei:

  • jüngeren, männlichen Patienten
  • bereits vor der Parkinsonerkrankung bestehender erhöhter Impulsivität und unkontrollierten Verhaltensweisen
  • bei Einnahme von Dopaminagonisten in hoher Dosierung

Die Verhaltensänderungen können zu schweren Belastungen innerhalb der Familie, der sozialen und beruflichen Umgebung führen und sich nachteilig für den Patienten auswirken. Nicht selten sind es die Angehörigen, die den behandelnden Arzt auf diese veränderten Verhaltensweisen ansprechen, da diese vom Patienten selbst als nicht störend wahrgenommen werden. Da die Verhaltensstörungen grundsätzlich behandelbar sind, ist es wichtig, darauf zu achten und den behandelnden Neurologen anzusprechen, um für den Patienten negative Konsequenzen, etwa im sozialen Umfeld, frühzeitig zu vermeiden. Nachfolgend finden Sie eine Aufstellung über verschiedene Verhaltensänderungen, die im Zusammenhang mit der Parkinson-Erkrankung auftreten können.

Krankhaftes Glücksspiel, krankhaftes Kaufen

Krankhaftes (pathologisches) Spielen beinhaltet alle Arten von Spielsucht und kann sich auf Spielbanken und Spielhallen beziehen, aber zunehmend häufiger auch auf Internet-Spiele. Beim krankhaften Kaufen besteht zunächst ein kaum stillbares Verlangen nach dem Kauf des gewünschten Gegenstandes bis zu dessen Erwerb. Schon kurz nach dem Kauf erlischt meist das Interesse an dem gekauften Gegenstand. Krankhaftes Spielen und auch Kaufen können zu erheblicher Verschuldung und zu sozialem Abstieg führen.

Übertriebenes (exzessives) Essen

Dabei handelt es sich um ein neu auftretendes, oft impulsives, auch nächtliches Verlangen nach Essen oder nach bestimmten Speisen wie Süßem. Es wird oft maßlos und ohne Berücksichtigung eines Sättigungsgefühls gegessen und es kann zum Verzehr ungewöhnlich großer Nahrungsmengen kommen, mit der Folge einer deutlichen Gewichtszunahme.

Überschießende Sexualität (Hypersexualität)

Dabei kommt es zu einem ungewöhnlichen, gesteigerten Verlangen nach sexuellen Kontakten oder auch teilweise abnormen Verhaltensweisen wie Aggressivität, Exhibitionismus, exzessive (Telefon-, Internet-) Pornographie, Fetischismus, Pädophilie etc. Dies kann zu erheblichen Spannungen mit dem Partner führen. Männer sind häufiger betroffen als Frauen.

Punding

Punding (sprich ‚panding’) beschreibt eine Verhaltensstörung, bei der es zu komplexen, immer gleichartigen (stereotypen), sich wiederholenden Tätigkeiten kommt. Die Verhaltensweisen entstehen aus persönlichen Gewohnheiten und Interessen. Typisch sind stundenlanges Sammeln von Gegenständen, Sortieren, Ordnen, Ein- und Ausräumen von Wäsche, Auseinandernehmen und Zusammenbauen technischer Geräte, exzessive Beschäftigung mit dem Computer etc. Diese Tätigkeiten sind nicht zielgerichtet und erfüllen keinen bestimmten Zweck. Sie können sogar zur alles bestimmenden Aktivität werden und zur Vernachlässigung von Mahlzeiten, der Schlafdauer, der Hygiene und sozialer Kontakte führen. Die Aktivitäten werden vom Patienten als entspannend und angenehm empfunden und sind von ihm selbst daher nur schwer zu unterbrechen.

Dopaminerges Dysregulationssyndrom

Das dopaminerge Dysregulationssyndrom ist durch ein Verhaltensmuster des Patienten gekennzeichnet, das zu einer stetigen Zunahme der dopaminergen Dosis führt. Dies geht über das Ausmaß hinaus, welches zur Kontrolle seiner motorischen Symptome wie z.B. dem Zittern oder der Steifigkeit erforderlich ist. Nicht selten kommt es dadurch auch zu einer ungewollten Überbeweglichkeit (Dyskinesie). Die Patienten erleben nicht selten ein unwiderstehliches Verlangen nach dopaminergen Medikamenten (meist L-Dopa). Dosissteigerungen werden häufig eigenmächtig ohne Rücksprache mit dem behandelnden Arzt vorgenommen.

Was können Angehörige tun?

Wichtig ist zunächst das frühzeitige Erkennen der Verhaltensänderungen, bevor es zu nachteiligen Auswirkungen kommt. Besprechen Sie dies als Angehöriger direkt mit dem Betroffenen und gehen Sie gemeinsam zur Besprechung zu Ihrem behandelnden Arzt. Dieser wird dann klären, ob ein Zusammenhang mit der Parkinson-Erkrankung bzw. bestimmten Parkinson-Medikamenten vorliegen könnte.

Was kann der Arzt tun?

Die therapeutischen Maßnahmen bestehen für den Arzt meist in einer Verringerung der Dosis oder gegebenenfalls auch dem Absetzen des Dopaminagonisten. Da es dadurch zu einer Verschlechterung der Beweglichkeit kommen kann, müssen im Gegenzug oft andere Medikamente in deren Dosierung erhöht werden. Im Einzelfall müssen zusätzliche Medikamente (atypische Neuroleptika, Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer) eingesetzt werden, um die Symptome zu beeinflussen. Da es sich dabei oft um komplexe Vorgänge handelt, dürfen diese Veränderungen der Medikation ausschließlich von Ihrem behandelnden Arzt in enger Absprache mit Ihnen durchgeführt werden. Eine eigenmächtige Verringerung der dopaminergen Dosis durch Angehörige oder den Patienten selbst kann zu unvorhergesehenen Komplikationen führen, daher muss davon deutlich abgeraten werden.

Depressionen & Ängste durch Morbus Parkinson

Depressionen

Im Zusammenhang mit der Parkinson-Krankheit kommt es bei vielen Betroffenen zu trauriger und niedergeschlagener Stimmung. Dieser Zustand kann mit einem Verlust von Interesse an der Umgebung, Antriebsmangel und Freudlosigkeit verbunden sein (sogenannte Apathie). Hält ein Stimmungstief über einen Zeitraum von mehreren Wochen an, spricht man von einer Depression. Diese ist ein mögliches frühes Anzeichen für eine beginnende Parkinson-Erkrankung, kann aber auch erst im späteren Verlauf der Krankheit, oder als eine seelische Reaktion auf die Diagnose oder anderweitige Folgen der Krankheit auftreten. Als Parkinson-Symptom entsteht sie als direkte Reaktion auf krankheitsbedingte Veränderungen der Botenstoffe im Gehirn, also die Neurodegeneration. Diese Degeneration führt nämlich nicht nur zu einem Dopaminmangel, sondern auch zu einem Mangel an Serotonin, dem “Glückshormon”.

Diese Veränderungen können schon Jahre vor den ersten deutlich sichtbaren motorischen Symptomen wie der Bradykinese oder dem Tremor auftreten. Depressive Verstimmungen, Reizbarkeit oder Angststörungen, sowie der allgemeine soziale Rückzug gelten deshalb als Frühwarnzeichen von neurodegenerativen Erkrankungen wie Morbus Parkinson. Jedoch sind diese Symptome sehr allgemein und nicht jede Depression ist ein Frühsymptom der Parkinson-Erkrankung. Auffällig wird es zum Beispiel dann, wenn depressive Verstimmungen oder Reizbarkeit zusammen mit anderen Symptomen des Frühstadiums und noch dazu plötzlich auftreten, sowie ohne ersichtlichen Grund (wie z.B. Verlust des Arbeitsplatzes, Verlust eines geliebten Menschen, Stress oder andere einschneidende Erlebnisse). Als Folge von Begleiterscheinungen der Parkinson-Erkrankung treten Depressionen als Reaktion auf den Bewegungsmangel bzw. den Kontrollverlust der Patienten über ihre eigene Motorik auf, sowie die damit einhergehenden Einschränkungen in der Lebensqualität und Selbstständigkeit.

Nicht immer eindeutig zu erkennen

Eine Depression im Rahmen von Morbus Parkinson zu erkennen ist ohnehin nicht ganz leicht.

Denn zum einen ähneln sich die typischen Symptome einer Depression und die Symptome bei Morbus Parkinson sehr stark, z.B. Schlafstörungen, Konzentrationsprobleme, ausdruckslose Mimik und Appetitlosigkeit. Jedoch haben sie völlig unterschiedliche Ursachen. Deshalb ist es wichtig, dass die Depression zusammen mit dem Arzt als eigenständige Krankheit diagnostiziert und behandelt wird.

Zum anderen kann es nach der – für viele Patienten erstmal schockierenden – Diagnose zu sogenannten Anpassungsstörungen kommen, die auch als reaktive Depression bezeichnet werden. Sie entstehen als Reaktion auf die Parkinson-Diagnose. Treten sie im fortgeschrittenen Krankheitsverlauf auf, können sie auch ein Anzeichen für eine nachlassende Wirksamkeit der bisher eingesetzten Medikamente sein. Im Gegensatz zu einer Depression nehmen diese Anpassungsstörungen jedoch nach relativ kurzer Zeit wieder ab, wenn die Medikation angepasst bzw. nach der ersten Diagnose eingeleitet wird. Außerdem sind die typischen Symptome einer Depression bei Anpassungsstörungen deutlich schwächer ausgeprägt und lassen nach, wenn die Patienten im laufe der Behandlung merken, dass die Parkinson-Erkrankung und ihre Symptome zumindest lange Zeit beherrschbar sind und letztere mit der richtigen Medikation und ggf. nicht-medikamentösen Begleittherapien wie Krankengymnastik gelindert werden können. Bewegung und Sport helfen bei Morbus Parkinson nicht nur dabei, Beschwerden zu lindern, sondern auch die Lebensqualität von Betroffenen und Angehörigen zu steigern.

Angststörungen

Angst kann sich bei der Parkinson-Krankheit in Form von Panikattacken äußern. Das sind plötzlich und unvorhersehbar auftretende schwere Angstzustände, die meist wenige Minuten andauern. Sie gehen oft mit körperlichen Beschwerden wie Atemnot, Schwindel und Herzrasen einher. Andere Patienten leiden unter länger andauernden Angstgefühlen, wobei dem Betroffenen manchmal gar nicht verständlich ist, wovor er sich eigentlich ängstigt. An erster Stelle in der Behandlung von Ängsten sollte das Gespräch mit dem Arzt, dem Partner und anderen Vertrauenspersonen stehen. Häufig stehen Angstgefühle im Zusammenhang mit Zuständen verminderter Beweglichkeit (sogenannte OFF-Phasen) und lassen sich dann durch eine Anpassung der Parkinson-Medikamente bessern. Ist dies nicht der Fall, muss eine spezielle Therapie der Angst erfolgen, die Ihr Arzt mit Ihnen festlegen wird.

Wichtige Fragen zur Klärung des Befindens sind unter anderem:

  • Bereiten Ihnen angenehme Aktivitäten oder positive Ereignisse keine Freude mehr?
  • Fühlen Sie sich verzweifelt und hoffnungslos?
  • Haben Sie Ihren Schwung und Ihr Interesse verloren? Trauen Sie sich immer weniger zu und fühlen Sie sich wertlos?
  • Leiden Sie unter Appetitlosigkeit und /oder Schlafstörungen bzw. Früherwachen?

Je mehr dieser Fragen mit „Ja“ beantwortet werden, desto wahrscheinlicher ist das Vorliegen einer Depression.

Depression und ihre Behandlung

Das Erkennen einer Depression bei einem Parkinson-Betroffenen ist nicht immer einfach, weil Mimik, Stimme und Gestik durch die Krankheit nicht mehr so ausdrucksstark sind. Oft fällt es dem Ehepartner, dem Arzt oder anderen Kontaktpersonen schwer, die Stimmung des Patienten richtig einzuschätzen. Außerdem sollte eine Depression nicht mit dem typischen Parkinson-Symptom der Apathie verwechselt werden. Dieses beschreibt eine krankheitsbedingte Antriebslosigkeit. Diese ist jedoch leichter behandelbar als eine handfeste Depression. Gelingt es, eine apathische Person zu einer Aktivität zu motivieren, empfindet sie dieses Erlebnis später als angenehm und bereichernd, auch wenn der Anfang schwer war. Diese Empfndungen sind bei einer depressiven Person nicht möglich. Sie verlieren die Fähigkeit, Freude zu empfinden, was auch als Anhedonie bezeichnet wird. Da diese Beschwerden sich nicht nur auf die Motivation und den Antrieb der Patienten auswirkt, sondern häufig auch auf die Angehörigen bzw. die Partnerschaft, sollten entsprechende Symptome auf jeden Fall mit dem Arzt besprochen werden.

Gemeinsam mit den Angehörigen und dem Arzt sollte zunächst festgestellt werden, ob sich die depressive Stimmung durch unterstützende Gespräche oder Veränderungen der Lebenssituation bessern lässt. In manchen Fällen kann auch eine Psychotherapie hilfreich sein, deren Kosten auf Antrag von der Krankenkasse übernommen werden können. Die Behandlung der Depression bei Morbus Parkinson mit Medikamenten zielt darauf ab, den gestörten Haushalt der Botenstoffe zu normalisieren. Hier können verschiedene Antidepressiva zum Einsatz kommen.

Die gute Nachricht für Patienten und Angehörige: Die Beschwerden sind in den Griff zu bekommen. Es ist jedoch wichtig, dass bei der Auswahl der Antidepressiva die Wechselwirkungen mit den Parkinson Medikamenten berücksichtigt werden. Außerdem muss die genaue Form der Depression diagnostiziert werden. Bei älteren Patienten hat sich zudem eine Kombination aus Psychotherapie und Medikation als besonders wirksam erwiesen, und zwar wirksamer als jede der beiden Therapieoptionen für sich allein genommen.

Damit das richtige Medikament ausgewählt werden kann, sollten folgende Fragen geklärt werden:

  • Bestand die Depression schon vor oder zu Beginn der Parkinson-Krankheit? Manchmal kann hierbei eine Behandlung mit Parkinson-Medikamenten die Depression bessern oder beseitigen.
  • Ist die Stimmungslage abhängig von Wirkungsschwankungen der Parkinson-Medikamente? Hier sollte zunächst versucht werden, durch eine verbesserte Einstellung der Parkinson-Medikamente eine gleichmäßige Wirkung zu erzielen.
  • Besteht eine Müdigkeit am Tag oder liegen Schlafstörungen vor? Möglicherweise wird Ihr Arzt Ihnen ein Medikament gegen Depression, ein Antidepressivum, verschreiben. Unter den Antidepressiva gibt es Präparate, die schlaffördernd wirken, während andere zu vermehrter Wachheit führen. Außerdem kann durch Umstellung der Parkinson-Medikamente unter Umständen eine Besserung erreicht werden.

Wichtig: Leiden Sie als Betroffene/r unter Trugwahrnehmungen, Verwirrtheitszuständen oder Aufmerksamkeits- und Konzentrationsstörungen? Bitte teilen Sie dies dem Arzt mit. Einige Antidepressiva wirken sich hier ungünstig aus. Ihr Arzt wird das für Sie richtige Antidepressivum auswählen. Beachten Sie, dass die volle Wirkung von Antidepressiva meist erst nach mehreren Wochen einsetzt. Es ist wichtig, dass Sie konsequent und regelmäßig das Medikament einnehmen, obwohl Sie anfangs keine Wirkung spüren. Der gestörte Haushalt der Botenstoffe normalisiert sich langsam mit Hilfe des regelmäßig eingenommenen Antidepressivums. Besprechen Sie mit Ihrem Arzt, welche Wirkungen zu erwarten und welche Nebenwirkungen möglich sind.

Übrigens: Zusammen mit Prof. Dr. med Georg Ebersbach von der Parkinson-Fachklinik Beelitz-Heilstätten haben wir spezielle Übungen für Parkinson-Patienten entwickelt, die sowohl die psychische Belastung als auch einige motorische Symptome reduzieren können.

Parkinson-Symptome im Verlauf – Frühstadium, Spätstadium & Endstadium

Zunächst einmal ist festzuhalten, dass Parkinson von Mensch zu Mensch unterschiedlich verläuft. Wann, wo und wie stark ausgeprägt Symptome im Verlauf der Erkrankung auftreten, variiert stark. Dennoch gibt es einige typische motorische Symptome, die aber erst im Spätstadium der Erkrankung deutlich sichtbar werden, vor allem für Außenstehende. Zum Beispiel der schlurfende Gang mit sehr kleinen Schritte, stark verlangsamte Bewegungen und eine gebeugte Körperhaltung, sowie das Zittern der Hände oder anderer Gliedmaßen im Ruhezustand. Früher sprachen Ärzte auch von den sog. Parkinson-Trias: Akinese, Rigor und Tremor. Symptome im Frühstadium sind hingegen eher unspezifisch und deuten erst in ihrer Häufung und Kombination auf einen beginnenden Parkinson hin. Die folgenden Beispiele sollen dabei helfen, die Symptomatik vor allem im Verhältnis zum Krankheitsverlauf von Früh- bis Endstadium besser zu verstehen. Natürlich können in einigen Fällen genannte Symptome auch gar nicht, früher, später oder mehr bzw. weniger stark ausgeprägt auftreten.

Frühsymptome – erste Anzeichen für Morbus Parkinson im Blick haben

Generell kann man festhalten, dass ein Parkinson meistens mit sehr unspezifischen frühen Anzeichen beginnt, die weniger die Motorik betreffen. Typisch sind Störungen des Geruchssinns (Hyposmie / Anosmie), Tagesmüdigkeit, REM-Schlaf-Verhaltensstörungen (Patienten Reden oder Schreien im Schlaf, oder treten und schlagen um sich), hartnäckige Verstopfungen, Sehstörungen, Reizbarkeit, Antriebslosigkeit und Depressivität. Auch Mimik, Stimme und Sprache können sich verändern. Die Stimme wird etwas leiser, höher oder zittrig. Vielleicht sprechen Betroffene auch langsamer, oder im Anfangsstadium auch auffällig beschleunigt. Die Mimik nimmt ab und Gesichtsausdrücke als Reaktion auf Situationen oder Gespräche sind immer schwerer zu erkennen (Hypomimie). Oft leiden Betroffene auch an chronischen Verspannungen im Nackenbereich, oder an unspezifischen Muskel- und Gelenkschmerzen in Armen und Schultern. Die Frühsymptome führen häufig dazu, dass Betroffene sich sozial zurückziehen und zu Depressivität und Apathie neigen, oder auch zu Reizbarkeit.

Motorische Frühsymptome treten zu Beginn der Erkrankung vor allem einseitig und schwach ausgeprägt auf, zum Beispiel schwingt ein Arm beim Gehen nicht mehr richtig mit, oder eine Hand beginnt in Ruhephasen leicht zu zittern. Schritte werden etwas kleiner und Bewegungen allgemein langsamer und ungelenker. Die beeinträchtigte Feinmotorik führt zunächst nur dazu, dass zum Beispiel das Binden der Schnürsenkel etwas länger dauert, oder das Tippen auf einer Tastatur schwerer fällt. Symptome also, die man im Frühstadium eher mit einem Seufzer oder Kopfschütteln abtut, anstatt an eine beginnende Erkrankung zu denken. Deutlich wahrnehmbare motorische Symptome, welche eine eindeutige Diagnose ermöglichen, wie z.B. die gebeugte Körperhaltung oder das langsame Gehen, machen sich meistens erst später im Krankheitsverlauf bemerkbar, wenn die Degeneration der Nervenzellen in der Substantia nigra bereits fortgeschritten ist. Nämlich erst nach dem Absterben mindestens der Hälfte der Dopamin-produzierenden Zellen.

Typische motorische Symptome im Frühstadium:

  • Ein Arm schwingt beim Gehen nicht mehr richtig mit
  • Feinmotorische Aufgaben dauern etwas länger (z.B. Schuhe binden, Hemd zuknöpfen)
  • Leicht schlurfender Gang und kleinere Schritte beim Gehen
  • Häufigeres Stolpern bzw. “wackelige Beine”
  • Ein zittriges Gefühl beim Gehen und Stehen
  • Eine Hand zittert leicht im Ruhezustand (Pillendreher-Tremor)
  • Handschrift wirkt verkrampft und wird zum Ende einer Zeile hin kleiner
  • REM-Schlaf-Verhaltensstörungen (Ausführung geträumter Bewegungen, z.B. Gestikulieren, Sprechen, Schreien oder Lachen)

Typische nicht-motorische Frühsymptome als erste Anzeichen:

  • Vermindertes Geruchsempfinden, das auch vollständig aussetzen kann (Hyposmie / Anosmie)
  • Sehstörungen (gestörte Farbwahrnehmung, verschwommene Sicht, gestörte Tiefenwahrnehmung, Doppelbilder, Lichtempfindlichkeit)
  • Antriebslosigkeit / Motivationsmangel
  • Traurigkeit / Depressivität
  • Tagesmüdigkeit
  • Weitere Schlafstörungen (vor allem Durchschlafprobleme)
  • Unspezifische Muskel- und Gelenkschmerzen, vor allem in Schultern und Armen
  • Chronische Verspannungen in Hals und Nacken
  • Vermehrte Schweißbildung / Temperaturschwankungen
  • Verstopfungen (PDF zu Störungen des Magen-Darm-Bereichs durch Parkinson)
  • Nächtlicher Harndrang (PDF zu urologischen Problemen bei Morbus Parkinson)
  • Das sog. Salbengesicht (Vermehrte Talgproduktion führt zu sehr fettiger und glänzender Haut)
  • Leicht veränderter Sprachrhythmus, längere Pausen / Unterbrechungen
  • Verlangsamtes oder auch auffällig beschleunigtes Sprechen
  • Etwas zittrige, kraftlose, höhere oder raue Stimme

Die Frühsymptome lassen außerdem einen Rückschluss auf den sog. brain first type und body first type zu. Beim brain first type breitet sich die Degeneration der Nervenzellen in bestimmten Hirnregionen aus, bis sie schließlich auf andere Regionen des Gehirns und den Körper übergreift. Hier stehen Frühwarnzeichen wie Depressionen, veränderte Geruchswahrnehmung und Sehstörungen im Fokus. Beim body first type beginnt die Entwicklung im Darm. Hier stehen unspezifische Frühsymptome wie Verstopfungen und später Schlafstörungen im Fokus.

Da Parkinson häufig erst im hohen Alter beginnt, halten sowohl Betroffene als auch Angehörige vor allem die nicht-motorischen Symptome im Frühstadium oft für normale Alterserscheinungen. An Frühwarnzeichen einer Parkinson-Erkrankung denken hier die wenigsten. Die Diagnose erfolgt deshalb auch oft auf Umwegen. Viele Parkinson-Patienten suchen zum Beispiel aufgrund der Verspannungen und Schmerzen einen Orthopäden auf, da die Folgen des beginnenden Rigors für rheumatische Beschwerden gehalten werden.

Wesensveränderungen im weiteren Verlauf der Parkinson-Erkrankung

Wesensveränderungen im späteren Verlauf der Parkinson-Erkrankung können vor allem durch die längere Einnahme der Medikamente entstehen. Doch ebenso können natürlich die zu Anfang der Diagnose empfundene Hilflosigkeit, oder die Veränderungen im Alltag zu Verhaltens- und Persönlichkeitsveränderungen führen.

Mögliche Verhaltensveränderungen bei Parkinson-Patienten:

  • Exzessives Essen
  • Krankhaftes Spielen und Kaufen
  • Punding
  • Mangelnde Impulskontrolle
  • Überschießende Sexualität
  • Gesteigerte Aggressivität
  • Starrsinnigkeit / Sturheit

Mögliche motorische Symptome Spätstadium und Endstadium

Da die Degeneration der Nervenzellen in der Substantia nigra immer weiter fortschreitet, entwickeln sich auch die Symptome weiter und nehmen in der Intensität zu. Motorische Symptome treten nun beidseitig auf. Außerdem kann sich der Tremor nun auch weiter auf Arme, Beine, Füße und/oder Kopf ausbreiten. Dieser ausgeprägte Parkinson-Tremor ist wohl eines der bekanntesten Symptome im Endstadium und lässt nur bei Bewegung und im Schlaf nach. Doch nicht alle Parkinson-Patienten sind davon betroffen. Weitere typische Symptome sind die gebeugte Körperhaltung beim Gehen und Stehen (angewinkelte Ellenbogen und Knie, nach vorn gebeugter Oberkörper oder Nacken) und die sehr kleinen “Trippelschritte”. Es fällt Betroffenen sehr schwer, die Füße anzuheben, oder überhaupt den ersten Schritt zu tun. Gestörte Halte- und Stellreflexe führen zu Gleichgewichtsproblemen und erhöhter Sturzgefahr. Allgemein laufen verschiedenste Bewegungen und Muskelaktivitäten stark verlangsamt und reduziert ab, was zu unterschiedlichsten Symptomen führt. Auch die Feinmotorik leidet immer mehr, zum Beispiel beim Tippen auf der Tastatur, oder schon beim Halten eines Stiftes oder von Besteck.

Verlauf der Parkinson-Symptome im Spät- und Endstadium:

  • Feinmotorische Aufgaben fallen sehr schwer
  • Alltägliche Aufgabe wie Waschen und Anziehen dauern deutlich länger
  • Ruhe-Tremor tritt beidseitig auf und betrifft nun auch Arme, Füße, Kopf oder Beine
  • Zunehmende Schluckstörungen und Darmträgheit / Verstopfungen (siehe hierzu: Ernährung bei Parkinson)
  • Gestörte Halte- und Stellreflexe führen zu erhöhter Sturzgefahr und starken Gleichgewichtsproblemen
  • Der Gang wirkt sehr unsicher und die Schritte werden immer kleiner (“Trippeln”)
  • Die gebeugte Körperhaltung beim Gehen und Stehen wird ausgeprägter
  • Deutliche Verlangsamung der Bewegung, vor allem beim Hinsetzen, Aufstehen, Losgehen und Drehen
  • Blockaden erschweren und verzögern den Beginn einer Bewegung immer stärker (Freezing)
  • Stimme wird leise, zittrig, rau und eintönig
  • Stark veränderter und langsamer Sprachrhythmus, sowie gestörter Sprachfluss
  • Mimik und Gesichtsausdruck kaum noch wahrnehmbar (Maskengesicht / Amimie)
  • Selten ist eine akinetische Krise möglich (vollständige Bewegungsunfähigkeit, Sprechen und Schlucken nicht mehr möglich)
  • Im Spätstadium kann es außerdem zu kognitiven Dysfunktionen, bis hin zur Parkinson-Demenz kommen

Fast alle Symptome der Parkinson-Krankheit können im Verlauf eines Tages in ihrer Intensität wechseln. Dies liegt zum einen an Wirkungsschwankungen der Medikamente im Tagesverlauf, zum anderen aber auch an der Beeinflussung der Beschwerden durch psychische Faktoren wie z. B. Angst, Anspannung und Stress. Nicht selten stellen die Betroffenen fest, dass zusätzliche gesundheitliche Probleme wie z. B. Erkältungen oder Blasenentzündungen zu einer vorübergehenden Zunahme der Parkinson-Symptome führen können.

Gut zu wissen ist, dass die Lebensqualität und Eigenständigkeit der Patienten durch die Behandlung mit Parkinson-Medikamenten (und im Spätstadium ggf. durch Tiefe Hirnstimulation) und übende Begleittherapie, wie Physiotherapie oder Logopädie, meistens größtenteils bis ins hohe Alter erhalten werden kann und der Parkinson selbst keine lebensbedrohliche Krankheit ist. Viele Betroffene benötigen erst im Spät- und Endstadium immer mehr Hilfe im Alltag, zum Beispiel beim Anziehen, Waschen oder Essen. Auch kann es zu Spätkomplikationen wie einer akinetischen Krise oder der Parkinson-Demenz kommen.

Sprechstörungen als mögliches Frühsymptom bei Parkinson

Um zu erklären, wie es beim Parkinson-Syndrom zu Veränderungen des Sprechens kommen kann, ist zunächst ein Grundverständnis für den Sprechvorgang erforderlich: Das Sprechen beginnt mit der Absicht, etwas zu sagen. Dafür wird in bestimmten Bereichen des Großhirns ein regelrechtes Konzept erstellt und die inhaltlich und grammatikalisch richtigen Wörter werden ausgewählt. Dieser – nur im Kopf und somit „stumm“ ablaufende – Vorgang kann durch Faktoren wie Wachheit, Aufmerksamkeit, Motivation und Stimmung beeinflusst werden. Automatisierte Sprechprogramme in den Basalganglien (wichtige Regionen im Gehirn) und im Kleinhirn sorgen dann dafür, dass dem Konzept die Erzeugung von Wörtern folgt. Für die eigentliche Ausführung, also das Sprechen an sich, ist wiederum ein sehr fein abgestimmtes Zusammenspiel verschiedener „Werkzeuge“ des Sprechapparates erforderlich. Zu diesen Werkzeugen gehören Organe und Muskeln, wie beispielsweise der Atmungstrakt, der Kehlkopf sowie die Muskeln von Zunge, Mundraum, Kiefer, weichem Gaumen und Rachen. Nur im perfekten Zusammenspiel entstehen verständliche Wörter und Sätze. Neben diesen eher mechanischen Vorgängen spielt für das verständliche Sprechen auch die Satzmelodie (Prosodie) eine wichtige Rolle. Dabei handelt es sich um die Fähigkeit, die „richtigen“ Silben in einer bestimmten Lautstärke und Tonhöhe zu erzeugen und in regelmäßigem Tempo, Rhythmus und der richtigen Betonung zu sprechen. Der Aspekt der Satzmelodie ist nicht nur von der Funktionstüchtigkeit der Sprechorgane abhängig, sondern bezieht auch vielschichtige Funktionen verschiedener Gehirnbereiche mit ein.

Insgesamt handelt es sich beim natürlichen Sprechakt um einen hochkomplexen Vorgang, der nur im präzisen Zusammenspiel verschiedenster Nervenkreisläufe und mit intakten Sprechorganen möglich ist. Zudem hängt die Art des Sprechens auch von der jeweiligen Situation oder der Art der Sprechaufgabe ab: So werden beispielsweise für freies Sprechen, Ablesen eines Textes, Wiedergeben eines auswendig gelernten Gedichtes, Telefonieren oder Singen jeweils unterschiedliche Nervenzellgebiete im Großhirn und den zugehörigen Gebieten im Hirnstamm aktiviert.

Typische Sprechstörungen bei Morbus Parkinson

Bereits in der Erstbeschreibung des Morbus Parkinson durch James Parkinson im Jahr 1817 wurde erwähnt, dass die Stimme der Patienten schlechter verständlich wird („…er spricht kaum noch verständlich…“) und dass Auffälligkeiten bei Sprechgeschwindigkeit und -rhythmus auftreten („…der Redefluss war von häufigen Unterbrechungen geprägt…“, „vergleichbar mit einem Losplappern, ohne zuvor nachgedacht zu haben…“). Seither wurde eine Vielzahl von Untersuchungen zu Sprechstörungen beim Morbus Parkinson durchgeführt, die eine genaue Beschreibung und Definition von Einzelaspekten und komplexen Auffälligkeiten ermöglichen.

Störungen auf Ebene der Sprechorgane:

  • Verringerung der Sprechlautstärke
  • Gestörte Stimmbildung/Phonation mit leiser, rauer, behauchter oder kraftlos wirkender Stimme und z.T. erhöhter Tonhöhe (besonders bei männlichen Patienten)
  • Zittern der Stimme
  • Einschränkung der Aussprache und Artikulation mit unpräziser Vokal- und Konsonantenbildung

Störungen auf Ebene der „Sprechprogrammierung“ / Störungen der Prosodie

Satzmelodie oder Prosodie = Fähigkeit, „richtige“ Silben in einer bestimmten Lautstärke und Tonhöhe zu erzeugen, in regelmäßigem Tempo, Rhythmus und richtiger Betonung zu sprechen.

  • Auffälligkeiten beim Sprechtempo (Neigung zur Verlangsamung oder Beschleunigung im Verlauf des Sprechens)
  • Seltener auftretende, aber oft längere Sprechpausen, die typischerweise nicht mit Füllwörtern überbrückt werden
  • Eingeschränkte Variation von Tonhöhe und Lautstärke im Verlauf des Sprechens, was zu einem monotonen Sprecheindruck führt
  • Verminderte Betonung
  • Unwillkürliche Silbenwiederholung, die an ein „Stottern“ erinnert

Störungen auf Ebene der Großhirnfunktionen:

  • Eingeschränkte Wortflüssigkeit
  • Einschränkungen, den inneren „Sprechimpuls“ umzusetzen und aufrechtzuhalten
  • Veränderte subjektive Wahrnehmung der Sprechfunktion, insbesondere von Lautstärke, Artikulationsschärfe und Tempo

Die Kombination dieser einzelnen Funktionseinschränkungen kann insgesamt zu einer relevanten Verschlechterung der Sprechverständlichkeit führen. Nicht bei jedem Parkinson-Patienten treten alle genannten Symptome in gleichem Ausmaß auf – allerdings kommt es im Verlauf der Erkrankung oftmals zu einer Zunahme der Sprechstörung, die typischerweise zunächst mit einer eingeschränkten Stimmbildung beginnt. Im weiteren Verlauf können Beeinträchtigungen der Aussprache und des Redeflusses hinzukommen.

Wie für alle anderen Parkinson-Symptome gilt auch hier, dass Verlauf und Ausmaß der Sprechstörung sehr variabel sein können. Die Sprechstörung wird zusätzlich durch den Umstand verstärkt, dass Parkinson-Patienten oftmals eine gestörte Wahrnehmung des eigenen Sprechvorgangs haben.

Dies kann typischerweise zu folgenden beispielhaften Situationen führen:

  • Da der Parkinson-Patient nicht bemerkt, dass er zu leise spricht, vermutet er nach der Aufforderung lauter zu sprechen, eine Schwerhörigkeit bei seinem Gegenüber
  • Die Aufforderung, langsamer oder deutlicher zu sprechen, führt oft nur zu Beginn des Sprechens, wenn der Patient sich sehr darauf konzentriert, zu einer Verbesserung der Verständlichkeit
  • Besondere Sprechsituationen, die eine erhöhte Aufmerksamkeit erfordern (z.B. Gespräch mit dem Arzt, unerwartetes Telefongespräch etc.), führen oft zu einer Verbesserung des Sprechens, wohingegen das vertraute, eher automatisiert ablaufende Gespräch, im Familienkreis beispielsweise, schlechter gelingt.

Fragen an Parkinson-Betroffene und Angehörige:

  • Haben sich einzelne Aspekte des Sprechens (Stimme, Lautstärke etc.) verändert?
  • Hat sich die allgemeine Sprechverständlichkeit verändert/verschlechtert?
    • Dies kann sich durch folgende Phänomene äußern:
      • Ich werde häufig gebeten, lauter zu sprechen oder das Gesagte zu wiederholen
      • Mein Gesprächspartner antwortet nicht präzise auf meine Frage, die Antwort meines Gesprächspartners bleibt vage oder ich bemerke an der Antwort, dass er mich nicht verstanden hat
      • Ich werde in einer Gesprächsrunde weniger einbezogen als früher, werde im Gespräch übergangen
      • Mein Partner neigt dazu, für mich zu antworten
      • Ich verspüre immer weniger Lust, mich an einem Gespräch zu beteiligen, zu telefonieren oder anderen Aktivitäten nachzugehen, die mit „Sprechen“ verbunden sind

PDF zu Sprechstörungen bei Morbus Parkinson
Weitere Informationen zu Ursachen & Behandlungsmöglichkeiten der Sprechstörungen bei Parkinson
Autor: Dr. med. Sabine Skodda


1 ParkinsonFonds Deutschland. Ist Parkinson eine Erbkrankheit? https://www.parkinsonfonds.de/uber-parkinson/arten-von-parkinson/erblicher-parkinson/
2 Deutsches Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen e. V. 2020. Interview mit Prof. Gasser zum Welt-Parkinson-Tag: „Klären Sie so frühzeitig wie möglich die Symptome ab“. https://www.dzne.de/im-fokus/meldungen/2020/interview-mit-prof-gasser-zum-welt-parkinson-tag-klaeren-sie-so-fruehzeitig-wie-moeglich-die-symptome-ab/
3 Deutsche Parkinson Gesellschaft e. V. 2020. Hintergrundinformationen Parkinson-Krankheit https://www.parkinson-gesellschaft.de/die-dpg/morbus-parkinson.html
4 GBD 2016 Parkinson’s Disease Collaborators. Global, regional, and national burden of Parkinson’s disease, 1990-2016: a systematic analysis for the Global Burden of Disease Study 2016. Lancet Neurol. 2018 Oct 1. pii: S1474-4422(18)30295-3. doi: 10.1016/S1474-4422(18)30295-3.
5 Höglinger GU (Hrg.). Parkinson-Syndrome kompakt, Thieme, Stuttgart, 2018.
6 Schweizerische Parkinsonvereinigung. Was ist Parkinson? https://www.parkinson.ch/index.php?id=181
7 Care Companion. Parkinson: Diagnose, Verlauf & Lebenserwartung. https://www.careship.de/senioren-ratgeber/parkinson/
8 Stiftung MyHandicap. Die Lebenserwartung mit Parkinson. https://www.myhandicap.de/gesundheit/koerperliche-behinderung/parkinson/lebenserwartung/
9 Barone, P., Scarzella, L., Marconi, R. et al. Pramipexole versus sertraline in the treatment of depression in Parkinson’s disease. J Neurol 253, 601–607 (2006). https://doi.org/10.1007/s00415-006-0067-5
10 DGN (2016). Deutsche Gesellschaft für Neurologie: Leitlinien fur Diagnostik und Therapie in der Neurologie. Idiopathisches Parkinson-Syndrom. Entwicklungsstufe S3. Stand: 01.01.2016 Kurzfassung. https://www.dgn.org/images/red_leitlinien/LL_2016/PDFs_Download/030010_LL_kurzfassung_ips_2016.pdf (abgerufen am: 30.06.2016).

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