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Epilepsie

Generelle Informationen zu einer Erkrankung, die viele verschiedene Erscheinungsformen hat

Wenn die Diagnose Epilepsie gestellt wird, sind Betroffene oftmals verunsichert und fragen sich: Was kommt jetzt auf mich und meine Angehörigen zu?

Glücklicherweise können Epilepsie-Patienten und -Patientinnen heute mehr denn je auf eine gute medizinische Versorgung zurückgreifen. Die Behandlungsmöglichkeiten, die bei Epilepsie infrage kommen, sind vielseitig und ermöglichen eine individuelle Abstimmung auf das Krankheitsbild. Im Folgenden möchten wir helfen, die Erkrankung zu verstehen, Behandlungsmethoden kennenzulernen und über das Leben mit Epilepsie informieren. Dazu werden wir folgende Fragen näher betrachten:

Anschließend finden Sie weitere Informationen zu:

Das Krankheitsbild Epilepsie

Viele Menschen glauben, ein epileptischer Anfall läuft in etwa so ab: Jemand stößt aus heiterem Himmel einen Schrei aus, verliert das Bewusstsein, wird dann steif und fällt um. Die Person hält den Atem an und wird blau. Die Arme und Beine verkrampfen sich. Die Situation verschlechtert sich, bis der oder die Betroffene vor Erschöpfung in eine Art Tiefschlaf fällt. Diese Beschreibung trifft zwar auf eine bestimmte Form epileptischer Anfälle zu (den sogenannten Grand-mal-Anfall oder generalisierten tonisch-klonischen Anfall), jedoch ist diese Anfallsform nur eine von vielen möglichen Varianten.

Epileptische Anfälle können in Wirklichkeit sehr unterschiedlich aussehen und ganz ohne die oben genannten Symptome ablaufen. Manche wirken so unscheinbar, dass weder die Betroffenen irgendetwas davon mitbekommen, noch anderen Personen etwas auffällt. Einziges Anzeichen eines epileptischen Anfalls kann beispielsweise eine geistige Abwesenheit von fünf bis zehn Sekunden (Absence-Epilepsie) oder das kurze Zucken eines Armes sein (Myoklonischer Anfall).

Durch die große Vielfalt von Erscheinungsformen epileptischer Anfälle ist eine allgemeine Definition der Erkrankung „Epilepsie“ schwierig.

Epileptische Anfälle sind relativ kurz andauernde, plötzliche Änderungen des Bewusstseins, Denkens, Verhaltens, Gedächtnisses, Fühlens, Empfindens oder der Anspannung der Muskulatur. Grund dafür ist eine vorübergehende Funktionsstörung von Nervenzellen im Gehirn in Form vermehrter und einander gegenseitig aufschaukelnder elektrischer Entladungen.

Alle epileptischen Anfälle haben gemeinsam, dass sie von Zeit zu Zeit auftreten, meist ohne erkennbaren Anlass. Es gibt mehr als 30 Formen von Epilepsien. Jede/r Betroffene hat in der Regel nur eine Epilepsieform mit ein bis drei verschiedenen Anfallsformen. Die zeitlichen Abstände zwischen den einzelnen Krampfanfällen können sehr stark schwanken und liegen zwischen wenigen Sekunden und mehreren Jahren.

Die Wahrscheinlichkeit, im Laufe des Lebens an Epilepsie zu erkranken, liegt bei über 5 %. Kinder und ältere Menschen sind häufiger betroffen; etwa 2/3 aller Epilepsien treten bis zum 20. Lebensjahr auf. Ab dem 60. Lebensjahr verdoppelt sich das Risiko, an Epilepsie zu erkranken im Vergleich zum Erwachsenenalter.

Viele Betroffene fragen sich, ob sie ihre Erkrankung geerbt haben oder ob sie diese vererben könnten. Tatsächlich ist das Vererbungsrisiko sehr gering und hängt von der Art der Epilepsie ab. Mittlerweile werden immer mehr Gendefekte identifiziert, die an der Entstehung einer Epilepsie beteiligt sind. Dies heißt jedoch nicht automatisch, dass die Epilepsie auch vererbt werden kann. Nur bei einigen wenigen Epilepsien ist ein gewisses Vererbungsrisiko bekannt, fragen Sie im Zweifel gezielt bei Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt danach.

Ein Beispiel für eine spezielle Epilepsie-Form, bei der ein Gendefekt vorliegt, ist das Dravet-Syndrom. Diese seltene Form der Epilepsie wurde im Jahr 1978 das erste Mal von der französischen Kinderneurologin Charlotte Dravet beschrieben. Das Dravet-Syndrom beginnt in der Regel zwischen dem 3. und 12. Lebensmonat. Im Verlauf kommt es neben verschiedenen Formen von Anfällen auch zu einer Beeinträchtigung der geistigen Entwicklung.

Krampfanfall, Fieberkrampf oder Epilepsie – Die Unterschiede

Der Ausdruck „epileptischer Anfall" ist eine Sammelbezeichnung für unterschiedlichste Krankheitsbilder; dabei ist nicht jeder Anfall auch gleichbedeutend mit einer Epilepsie. Etwa 10 % aller Menschen erleiden in ihrem Leben einen Krampfanfall ohne jemals tatsächlich an Epilepsie zu erkranken. Trotzdem erschrecken viele Eltern oder Angehörige beim Anblick eines Krampfanfalls ihres Kindes oder ihrer Liebsten, denn beispielsweise Fieberkrämpfe können erschreckend aussehen, selbst wenn sie in der Regel medizinisch harmlos sind und keine Langzeitfolgen nach sich ziehen.

Mit den folgenden Erklärungen möchten wir helfen, die Zusammenhänge von Ursachen, Erscheinungsbild, Ablauf und Behandlung eines Krampfanfalls bzw. Fieberkrampfes besser zu verstehen. Zudem zeigen wir auch, was bei einem Anfall zutun ist. Grundsätzlich gilt aber, dass der beste Weg für gezielte Informationen das ausführliche Gespräch mit Kinder- und Jugendärzt*innen bzw. Neurolog*innen ist.

Krampfanfall

Es kann bei jedem Menschen im Rahmen von akuten Erkrankungen des Gehirns (z. B. bei einer begrenzten Entzündung des Gehirns mit Eiterbildung, einem sogenannten Hirnabszess) zu epileptischen Anfällen kommen. Auch schwere Kopfverletzungen, Situationen, in denen das Gehirn nicht genug Sauerstoff bekommt, oder die Einnahme einer Überdosis von Medikamenten, begünstigen solche Anfälle. Hierbei handelt es sich jedoch nicht um eine Epilepsie, sondern um Krampfanfälle, die aufgrund der akuten Erkrankung bzw. der akuten Schädigung des Gehirns auftreten. Solche Krampfanfälle gehören zur Gruppe der sogenannten Gelegenheitsanfälle (auch Akut Symptomatische Anfälle). Es gibt also einen direkt zu identifizierenden Auslöser für den Anfall, wie z. B. Alkoholgenuss, Schlafmangel oder auch Fieber (siehe Absatz Fieberkrampf). Von einer Epilepsie oder einem Anfallsleiden spricht man dagegen erst, wenn die Anfälle spontan, das heißt ohne einen erkennbaren Auslösefaktor auftreten.

Krampfanfall im Überblick:

  • Häufigkeit: ca. 10 % der Menschen erleiden einmal im Leben einen Krampfanfall
  • Mögliche Ursachen: Kopfverletzungen, Sauerstoffmangel, Überdosis eines Medikaments, Alkoholkonsum, Schlafmangel, hohes Fieber
  • Typisches Alter: kann in jedem Alter auftreten
  • Folgen: in der Regel keine langfristigen Folgen durch den Krampfanfall

Fieberkrampf

Ein weiteres und gerade bei Eltern sehr bekanntes Beispiel für einen sogenannten Gelegenheitsanfall ist der Fieberkrampf, dessen Auslöser ein fieberhafter Infekt ist. Wie der Name Fieberkrampf sagt, werden die Anfälle vor allem durch rasch ansteigendes Fieber ausgelöst.

2-5 % aller Kinder erleiden mindestens einmal einen Fieberkrampf. Diese Krampfanfälle haben beim einmaligen Auftreten keine negativen Auswirkungen auf die Entwicklung oder das Gehirn und bilden meist auch kein erhöhtes Risiko, im Lauf des Lebens an einer Epilepsie zu erkranken.

Folgende Erkrankungen können Fieberkrämpfe auslösen:

  • grippale Infekte
  • Darminfektionen
  • Mittelohrentzündungen
  • weitere Erkrankungen, die mit Fieber einhergehen
  • Enzephalitis
  • Meningitis

Nur in seltenen Fällen liegt dem Fieberkrampf eine lebensbedrohliche Erkrankung zugrunde, wie z. B. eine Entzündung des Gehirns (Enzephalitis) oder seiner Hirnhäute (Meningitis). Deshalb gilt als Regel, beim Auftreten eines ersten Fieberkrampfes auf jeden Fall einen Arzt bzw. eine Ärztin hinzuzuziehen.

Ein Fieberkrampf entspricht im Allgemeinen dem Erscheinungsbild eines generalisierten tonisch-klonischen Anfalls, dem sogenannten Grand-mal-Anfall. Manchmal beginnt der Fieberkrampf z. B. mit einem Armzucken oder der Kopfwendung zu einer Seite. Dann spricht man von einem fokalen (von einem bestimmten Ort im Gehirn ausgehenden) Beginn des Anfalls. Fieberkrämpfe dauern in der Regel weniger als fünf Minuten an.

Bei circa 20 % der Fieberkrämpfe beträgt die Dauer des Fieberkrampfes zwischen 5 und 15 Minuten und nur bei 10 % länger als 15 Minuten. Diese Anfälle müssen durch Medikamente beendet werden. Man spricht dann von einem komplizierten Fieberkrampf. Während eines Infektes können sich Fieberkrämpfe auch mehrfach wiederholen. Auch wenn sich das Kind im Anschluss an den Anfall nicht rasch erholt oder in kurzer Folge (bzw. während der folgenden 24 Stunden) weitere Anfälle auftreten, handelt es sich um einen komplizierten Fieberkrampf. Nach einem Anfall ist das Kind müde und bei länger anhaltenden Krämpfen kann das Bewusstsein für Stunden leicht getrübt sein.

Wie sieht ein Fieberkrampf aus?

In den meisten Fällen handelt es sich um einen sogenannten einfachen Fieberkrampf. Zu Beginn des Anfalls wird oft das Verdrehen der Augen beobachtet. Im Verlauf kommt es dann zum Bewusstseinsverlust und zur Anspannung des gesamten Körpers, die in ein Zucken der Arme und Beine übergehen kann. Das Gesicht ist meistens blass, manchmal kommt es auch zu einer Blaufärbung im Bereich der Lippen (sogenannte Zyanose). Mitunter tritt anstelle der Körperverspannung ein gänzlicher Verlust der Körperspannung auf. Der Großteil dieser Anfälle hält nur sehr kurz an (Sekunden bis wenige Minuten) und endet von allein.

So bedrohlich dieses Ereignis auch aussieht, das Kind erholt sich davon anschließend normalerweise rasch und komplett.

Die Wahrscheinlichkeit, dass nach einem ersten Fieberkrampf erneut Krämpfe auftreten, liegt bei ca. 30-40 %. Nur ein kleiner Prozentsatz der Kinder, die Fieberkrämpfe durchgemacht haben, werden eine Epilepsie entwickeln.

Nicht immer handelt es sich allerdings bei einem Anfall in einer fiebrigen Phase um ein harmloses Ereignis; in seltenen Fällen kann ein Krampfanfall bei Fieber auch das Zeichen einer beginnenden Hirnhautentzündung oder einer anderen ernsten Erkrankung sein. Deshalb hat die Regel zu gelten, dass bei jedem ersten Krampfanfall – mit oder ohne Fieber – ein Arzt oder eine Ärztin hinzugezogen werden muss.

Fieberkrampf im Überblick:

  • Häufigkeit: Betrifft etwa 2-5 % aller Kinder.
  • Ursache: (Fieberhafter) Infekt, z. B. Grippe, Mittelohrentzündung, Darminfektion, seltener Hirnhautentzündungen.
  • Typisches Alter: 6 Monate bis 5 Jahre. Bei ca. 30 % der erkrankten Kinder treten mehrere Fieberkrämpfe auf.
  • Folgen in der Regel: Keine negativen Auswirkungen auf die Entwicklung des Kindes, keine Schädigung des Gehirns im Allgemeinen und kein erhöhtes Epilepsierisiko beim einmaligen Auftreten eines Fieberkrampfes.
  • Prognose: Bis zum fünften Lebensjahr lassen die Fieberkrämpfe in 96 % der Fälle von selbst nach.

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Erste Hilfe beim Auftreten eines Fieberkrampfes:

  • Ruhe bewahren, der Anfall endet im Allgemeinen von selbst.
  • Kind gegebenenfalls aus einem Gefahrenbereich bringen und vor Verletzungen schützen, jedoch nicht gewaltsam festhalten.
  • Flache Seitwärtslagerung zur Vermeidung von Aspiration (Eindringen/Einatmen flüssiger oder fester Stoffe in die Atemwege) anwenden.
  • Arzt bzw. Ärztin oder Notarzt bzw. Notärztin rufen.
  • Anfall genau beobachten und Merkmale notieren (Augenverdrehen, Verlust oder Zunahme der Körperspannung, welche Arme und/oder Beine zucken usw.). Es bietet sich auch an, den Anfall kurz z.B. mit dem Mobiltelefon aufzuzeichnen – dies kann später bei der genauen Diagnose helfen.
  • Ibuprofen oder Paracetamol (fiebersenkende Medikamente) nach ärztlicher Anweisung geben.
  • WICHTIG: Maßnahmen wie Mund-zu-Mund-Beatmung oder das Kind mit kaltem Wasser zu bespritzen, sind unwirksam oder sogar gefährlich für die kleinen Patienten.

Wie wird ein Fieberkrampf behandelt?

Nach einem ersten Fieberkrampf wird der Arzt bzw. die Ärztin dem Kind möglicherweise vorsorglich ein Medikament (z. B. flüssiges Diazepam in einer Rektaltube) zur Unterbrechung von Fieberkrämpfen verschreiben. Falls es erneut zu einem Fieberkrampf kommen sollte, verabreichen Sie dem Kind den Inhalt der Rektaltube sofort in den After. Das Medikament unterbricht den Fieberkrampf im Allgemeinen innerhalb weniger Minuten. In diesem Zusammenhang ist es wichtig, sich von der ärztlichen Fachperson über die Handhabung und die zu verabreichende Dosis der Rektaltube aufklären zu lassen sowie die Gebrauchsinformation genau zu lesen. Nur so können Sie im Notfall dieses Arzneimittel ruhig und sicher einsetzen. Ob diese oder weitere Behandlungsmaßnahmen ergriffen werden, entscheidet die ärztliche Fachperson des Kindes ganz individuell. Bei Fragen wenden Sie sich bitte vertrauensvoll an diese.

Kann man Fieberkrämpfe verhindern?

Nein, leider gibt es kein sicheres Mittel, um das erneute Auftreten eines Fieberkrampfes zu verhindern. Selbst die konsequente Fiebersenkung bei fieberhaften Infekten stellt keine sichere Maßnahme dar, mit der ein weiterer Fieberanfall verhindert werden könnte. Wenn die Fiebersenkung auch als plausible Schutzmaßnahme bei einem Fieberkrampf erscheint, so ist doch klar belegt, dass diese nicht zuverlässig weitere Anfälle verhindern kann. Als Eltern brauchen Sie sich daher keine Vorwürfe zu machen oder sich mit Schuldgefühlen zu quälen, wenn bei Ihrem Kind ein erneuter Fieberkrampf auftreten sollte. Es gibt keinen medizinischen Grund, das Fieber „um jeden Preis“ senken zu müssen. Zusammengefasst kann man sagen: Fiebersenkung kann für das Wohlbefinden eines Kindes gut und sinnvoll sein, nicht aber, um das erneute Auftreten eines Fieberkrampfes zu verhindern. Nur in sehr wenigen Einzelfällen kann bei Kindern mit komplizierten (oder sehr vielen, häufigen) Fieberkrämpfen die kurzzeitige, vorbeugende Gabe eines krampflösenden Medikamentes im Rahmen von fieberhaften Infekten sinnvoll sein (z. B. für 48 Stunden ab Beginn des Fiebers).

Weitere Ursachen für Gelegenheitskrämpfe bei Kindern

  • Mangel an wichtigen Mineralstoffen (z. B. Calcium oder Natrium)
  • Unterzuckerung (besonders bei zuckerkranken Kindern)
  • Vergiftungen
  • Kontakt mit elektrischem Strom („Stromschlag“)
  • Hitzestauung („Hitzschlag“)

Nicht selten werden solche Krämpfe von Laien mit der Bezeichnung „Zahnkrämpfe“, „Wachstumsstörungen“, „Fraisen“ oder „Gichter“ abgetan. Diese Verharmlosung kann dazu führen, dass die richtigen Maßnahmen zur Verhinderung weiterer Gelegenheitsanfälle unterbleiben. Der Zahndurchbruch ist – entgegen einer weit verbreiteten Ansicht – bei Kindern nie die Ursache von Krämpfen. Die Aussage darüber, was im Einzelfall zugrunde liegt, kann nur die ärztliche Fachperson treffen.

Epilepsie

Von einer Epilepsie spricht man erst, wenn epileptische Anfälle spontan aufgetreten sind. Die Ursachen für Epilepsie sind dabei zahlreich. Zum Beispiel kann sich eine Epilepsie als Spätfolge einer Schädelverletzung oder einer angeborenen Veränderung des Gehirns erst Jahre nach dem Ereignis entwickeln. Bei anderen Epilepsieformen findet man in den verschiedensten Untersuchungen gar keine auffälligen Veränderungen. Bei diesen Epilepsien bleibt die Ursache oft ein Leben lang unklar.

Ist Epilepsie eine Erbkrankheit?

Zunächst kann man ganz allgemein sagen, dass zum Entstehen der meisten Krankheiten zwei Voraussetzungen gehören:

  • eine (innere) Veranlagung
  • äußere oder erworbene Faktoren (z. B. eine Hirnverletzung in der Vergangenheit)

Bei manchen Krankheiten spielt die Veranlagung eine besonders große Rolle (z. B. juveniler Diabetes = Zuckerkrankheit im jungen Lebensalter). Dazu gehören oft jene, bei denen vor allem äußere (erworbene) Bedingungen auslösend wirken (z. B. Lungenkrebs).

Das Ausmaß der Veranlagung zu einer bestimmten Krankheit ist an das Erbmaterial (die Gene) gebunden und wird weitervererbt; man spricht deshalb auch von einer genetischen oder familiären Disposition (Veranlagung). So gibt es beispielsweise Familien, in denen die Veranlagung zum Diabetes größer ist; dennoch ist die Zuckerkrankheit keine Erbkrankheit. Von einer Erbkrankheit spricht man nur dann, wenn die Krankheit selbst (nicht nur die Veranlagung zu ihr) nach ganz bestimmten Erbgesetzen vererbt wird.

Die Epilepsie ist keine Erbkrankheit, d. h. die Krankheit Epilepsie wird in der Regel nicht von Vater oder Mutter auf das Kind vererbt. Auf sehr seltene Ausnahmen soll hier nicht eingegangen werden. Jedoch kann die Veranlagung zur Epilepsie in verschiedenen Familien unterschiedlich ausgeprägt sein. So ist es verständlich, dass in manchen Familien mehrere Familienmitglieder epileptische Anfälle erleiden oder an einer Epilepsie erkranken können, wobei aber zur bestehenden Veranlagung immer ein auslösender Faktor hinzukommen muss.

Nun gibt es Epilepsien, bei denen die genetische Disposition bei der Krankheitsentstehung die entscheidende Rolle spielt (und nicht die äußeren Auslösefaktoren); solche Epilepsien bezeichnet man als „überwiegend genetisch bedingte Epilepsien“.

Zu ihnen gehören im Kindesalter beispielsweise:

Bei der Entstehung der meisten Epilepsien spielen aber die äußeren (erworbenen) Faktoren eine deutlich größere Rolle als die genetische Disposition. Das weit verbreitete Vorurteil, die Epilepsie sei eine Erbkrankheit, hat schon über manche Familie großes Unglück gebracht. Machen Sie sich also keine Vorwürfe und quälen Sie sich nicht mit der Frage nach einer eventuellen „Schuld“ für die Krankheit Ihres Kindes, sondern wenden Sie Ihr ganzes Interesse der richtigen Behandlung zu.

Epilepsien und ihre Symptome

Die unterschiedlichen Anzeichen und Anfallsformen von Epilepsie erschweren die Diagnose. Das wichtigste Epilepsie-Symptom ist der epileptische Anfall. Allerdings verläuft nicht jeder Anfall gleich; vielmehr variieren die Anfallsformen beträchtlich, wodurch es für den Arzt bzw. die Ärztin schwierig werden kann, eine Epilepsie zu diagnostizieren. Unterstützen kann bei der Diagnose zum Beispiel ein Handy-Video, welches spontan von den Angehörigen aufgenommen wurde.

In der Regel werden mit der Epilepsie Symptome wie Muskelzuckungen, Verkrampfungen und Bewusstseinsverlust verbunden. Das Spektrum ist jedoch viel breiter: Auch Gefühls- und Verhaltensänderungen können Teil eines epileptischen Anfalls sein und als Epilepsie-Symptom verstanden werden. So vielfältig die Anfallsformen sind, treten bei jedem einzelnen Epilepsie-Patienten in der Regel nur ein bis maximal drei verschiedene Formen auf.

Aufgrund der Vielzahl an Anfallsformen gibt es verschiedene Ansätze, epileptische Anfälle zu klassifizieren. Dabei wird heute meist die Definition der Internationalen Liga gegen Epilepsie (International League Against Epilepsy - ILAE) genutzt, an der auch wir uns im Folgenden orientieren.

Fokale Anfälle

Fokale Anfälle werden auch als partielle oder lokalisationsbezogene epileptische Anfälle bezeichnet. Diese Anfälle gehen immer von einem bestimmten Bereich des Gehirns aus und betreffen in der Regel nur eine Gehirnhälfte. Man unterscheidet fokale Anfälle mit Bewusstseinseinschränkung (früher auch komplex-fokal genannt) und fokale Anfälle ohne Bewusstseinseinschränkung (früher einfach fokale Anfälle). Im ersten Fall nimmt der Patient oder die Patientin den epileptischen Anfall nicht bewusst wahr und kann sich später an nichts erinnern. Bei Erwachsenen ist dies die am häufigsten beobachtete Anfallsform. Fokale epileptische Anfälle, vor allem solche mit Bewusstseinsstörung, können in einen sogenannten sekundär generalisierten Anfall (auch bilateral tonisch-klonischer Anfall) übergehen, der dann beide Gehirnhälften betrifft.

Die Symptome fokaler Anfälle richten sich nach dem Ursprungsort im Gehirn. Eine häufige Anfallsform fokalen Ursprungs sind vegetative fokale Anfälle. Symptome können zum Beispiel Herzrasen, Speichelfluss, Gesichtsrötung, Schweißausbrüche oder Übelkeit sein. Auch plötzliche Angst, Wut oder Halluzinationen werden in der Literatur beschrieben. Die Sinneswahrnehmung kann durch einen fokalen Anfall gestört werden. So kann Sehen, Hören, Schmecken, Riechen oder Tasten durch den Anfall so beeinträchtigt sein, dass Betroffene Blitze sehen, Geräusche oder Stimmen hören, einen komischen Geschmack im Mund haben, etwas Merkwürdiges riechen oder Temperatur-Missempfindungen, Kribbeln oder Lähmungserscheinungen spüren. Fokale Anfälle mit Bewusstseinsverlust sind häufig durch sogenannte Automatismen geprägt. Patienten wiederholen im Anfall bestimmte Handlungsmuster, wie z. B. Räuspern, Schmatzen, bestimmte Sätze oder Fragen.

Generalisierte Anfälle

Bei generalisierten Anfällen lässt sich keine bestimmte Hirnregion zuordnen, in der der epileptische Anfall entsteht. Während eines Anfalls kann die Ausbreitung unterschiedlich verlaufen und das gesamte Hirnareal betreffen. Generalisierte epileptische Anfälle treten in verschiedenen Unterformen auf:

Bei Absencen kommt es zu einer plötzlichen Bewusstseinsstörung, sodass der Patient bzw. die Patientin seine oder ihre momentane Tätigkeit für die Dauer des Anfalls unterbricht. Die Betroffenen starren bei dieser Form eines epileptischen Anfalls oft ins Leere. Diese Anfälle können mehrere Sekunden dauern und sich stark gehäuft über den Tag wiederholen. Betroffene können sich an den Anfall nicht erinnern und fahren mit ihrer Tätigkeit nach dem Anfall wieder fort. Obwohl diese Anzeichen typisch für Absencen sind, werden sie von Laien vielfach nicht als Symptome einer Epilepsie erkannt. Absencen sind eine häufige Epilepsie-Form des Kindesalters und werden zunächst meist als Unkonzentriertheit oder Träumerei missinterpretiert. Es kann zu wenigen Anfällen innerhalb eines Jahres bis hin zu mehrenden hundert am Tag kommen. Wie oft epileptische Anfälle dieser Art auftreten, hängt vom individuellen Krankheitsbild ab.

Ein myoklonischer Anfall verursacht keine Bewusstseinsstörungen, sondern äußert sich mit Muskelzuckungen. Diese betreffen häufig Kopf und Arme, es können aber auch die Beine beteiligt sein.

Bei einem klonischen Anfall treten länger anhaltende rhythmische Zuckungen auf.

Tonische Anfälle sind gekennzeichnet durch andauernde Muskelanspannungen, die länger anhalten können.

Der tonisch-klonische Anfall oder auch Grand-mal-Anfall ist die Anfallsform, die am häufigsten mit der Krankheit Epilepsie in Verbindung gebracht wird. Die Symptome dieses Anfalls äußern sich meist in einem initialen Schrei des Betroffenen, gefolgt von einer Anspannung der Körpermuskulatur, die dann in Zuckungen des Körpers über geht (siehe oben). Ferner kommt es zu einem Bewusstseinsverlust, sodass sich der Patient bzw. die Patientin im Nachhinein nicht mehr an den Anfall erinnern kann. Auch die Blaufärbung der Lippen ist typisch. Sie entsteht durch die Verkrampfung der Atemmuskulatur während des Anfalls, sodass der oder die Betroffene keine Luft bekommt. Der Atemstillstand kann bis zu 30 Sekunden andauern, führt aber nicht zum Ersticken. Im Anschluss an einen Grand-mal-Anfall sind die meisten Patienten sehr erschöpft und müssen sich erholen.

Verliert man die Muskelkraft, spricht man von einem atonischen Anfall. Diese epileptischen Anfälle resultieren häufig in Stürzen.

Weitere Informationen zu den Epilepsie-Symptomen:

Epileptische Anfälle haben viele Formen

Es gibt viele verschiedene Anfallsformen und weitere Symptome bei Epilepsie. Hier erfahren Sie mehr über die Unterschiede und Anzeichen.

Ursachen einer Epilepsie: Die Suche nach dem Auslöser

Eines haben alle Epilepsien gemeinsam: Sie haben ihren Ursprung im Gehirn. Als Auslöser kommen jedoch verschiedene Ursachen infrage. Grundsätzlich gilt, dass jedes Ereignis, das einen Schaden im Gehirn verursacht, ein potenzieller Epilepsie-Auslöser sein kann. Die Medizin unterscheidet hier zurzeit strukturelle, infektiöse, metabolische, genetische und immunologische Ursachen. Strukturelle Veränderungen am Gehirn entstehen beispielsweise durch Schlaganfälle oder Tumore. Infektionen des Gehirns können unteranderem durch Borreliose hervorgerufen werden. Metabolische Veränderungen, also solche, die den Stoffwechsel betreffen, stehen z. B. mit seltenen Stoffwechselerkrankungen, wie der Phenylketonurie* in Verbindung. Bei den immunologischen Ursachen handelt es sich um Entzündungsvorgänge im Gehirn, z. B. wenn die eigene Körperabwehr (Immunsystem) das Hirngewebe angreift und es zu einer Hirnhautentzündung kommt.

* Phenylketonurie: Angeborene, erbliche Erkrankung des Eiweißstoffwechsels, die den Abbau der Aminosäure Phenylalanin verhindert. Diese sammelt sich im Körper an und stört beim Kind die Entwicklung des Gehirns. Unbehandelt führt eine Phenylketonurie zu schweren geistigen Behinderungen.

Die häufigsten Ursachen sind die genetischen oder auch idiopathischen Epilepsieursachen. Genetisch bedingt haben manche Menschen eine stärkere Veranlagung zu epileptischen Anfällen als andere. Die Forschung geht heute davon aus, dass bei diesen Patienten ein oder mehrere Gene defekt sind, die als Ursache der Epilepsie anzusehen sind. Häufig sind die betroffenen Gene nicht bekannt, und es müssen bestimmte Gen-Konstellationen vorliegen, damit es zu einer Epilepsie kommt. Daher sind diese Epilepsie-Ursachen meist nicht vererbbar, auch wenn sie neuerdings als genetische Epilepsien bezeichnet werden. Sofern keine strukturelle oder metabolische Epilepsie-Ursache erkennbar ist, ihr jedoch ein bekannter oder vermuteter Gendefekt zu Grunde liegt, ist von einer genetischen (früher: idiopathischen) Epilepsie die Rede.

Bei Kindern treten Erkrankungen mit erkennbarer Epilepsie-Ursache in der Regel ähnlich häufig auf wie Epilepsien ohne erkennbare Ursache. Bei Ersterkrankung im (höheren) Erwachsenenalter verschiebt sich das Bild ein wenig. Je älter der Mensch wird, umso größer wird die Wahrscheinlichkeit für Kopfverletzungen oder metabolische Erkrankungen, die, wie oben beschrieben, als Epilepsie-Ursache ausgemacht werden können. So treten die strukturellen Epilepsien mit steigendem Alter häufiger auf (z. B. nach einem Schlaganfall).

Epilepsie nach Ursachen klassifizieren

  • Genetische Epilepsie: Früher auch als idiopathische Epilepsie bezeichnet. Es wird eine genetische Ursache vermutet. Häufig ist der Gendefekt schon identifiziert. Dennoch ist die Epilepsie nicht unbedingt vererbbar.
  • Strukturelle Epilepsie: Früher auch als symptomatische Epilepsie bezeichnet, ist sie als Folge einer bekannten Ursache wie einem Schlaganfall oder einer Kopfverletzung bzw. Hirnverletzung entstanden.
  • Infektiöse Epilepsie: Auch die infektiösen Epilepsien wurden früher als strukturell bezeichnet. Ihnen liegt eine infektiöse Erkrankung (hervorgerufen durch Viren oder Bakterien) des Gehirns zugrunde, wie z. B. eine Meningitis („Hirnhautentzündung“).
  • Metabolische Epilepsie: Die metabolische Epilepsie wurde ebenfalls lange zu den strukturellen Epilepsien gezählt. Sie gehen aus Veränderungen im Stoffwechsel (Metabolismus) hervor, z. B. beim Glucosetransporterdefekt Typ1.
  • Immunologische Epilepsie: Ebenfalls bis vor Kurzem zu den strukturellen Epilepsien gezählt, unterscheidet man heute die immunologischen Epilepsien dahingehend, dass ihnen eine chronische Entzündung des Gehirns zugrunde liegt. Verursacht wird die Entzündung durch eine Autoimmunkrankheit, also eine Krankheit, bei der das Immunsystem den eigenen Körper angreift. In diesem Falle das Gehirn.
  • Unbekannte Ursache: Früher auch als kryptogen bezeichnet. Nach aktuellem Forschungsstand gibt es für diese Epilepsie keine offensichtliche Ursache.

Diagnose und Behandlung von Epilepsie: Ein Überblick über die Therapiemöglichkeiten

Neben der Ursachen für die Epilepsie werden auch die Anfallsform und weitere medizinische Befunde zur Diagnose herangezogen. Auch das Alter der Betroffenen bei Krankheitsbeginn spielt dabei eine wichtige Rolle. Ist eine Epilepsie diagnostiziert und die Epilepsie-Art genau charakterisiert, kann eine passende Therapie angewandt werden.

Für die Behandlung der Epilepsie stehen heute zahlreiche Therapiemöglichkeiten zur Verfügung. Welche Therapie für den jeweiligen Patienten bzw. die Patientin geeignet ist, hängt vor allem vom individuellen Krankheitsbild, der Anfallsform und den damit verbundenen Besonderheiten ab.

Epilepsie-Behandlung mit Medikamenten

Ist die Diagnose Epilepsie gestellt und ist klar, um welche Form der Epilepsie es sich handelt, wird fast immer mit einer medikamentösen Therapie begonnen. Zur Behandlung stehen eine Vielzahl von Wirkstoffen zur Verfügung, jedoch wirken nicht alle Medikamente bei allen Epilepsieformen. Es gibt Präparate, die nur bei fokalen Anfällen wirksam sind und solche, die insbesondere bei generalisierten Anfällen wirken. Wieder andere wirken bei beiden Anfallsformen oder nur bei ganz bestimmten Epilepsie-Syndromen. Um das Arzneimittel zu finden, welches am wirksamsten und am verträglichsten ist, müssen bei der Wahl des Präparats weitere Faktoren, wie z. B. das Alter der Betroffenen und eventuell weitere eingenommene Arzneimittel, berücksichtigt werden.

Etwa 50 % aller Epilepsie-Patienten und Epilepsie-Patientinnen werden mit dem ersten verabreichten Medikament anfallsfrei. Bei den übrigen 50 % wird meist ein anderes Mittel verschrieben, worunter weitere 20 % anfallsfrei werden. Die Patienten, die weitere Anfälle erleiden, werden häufig mit einer Kombination aus verschiedenen Wirkstoffen behandelt. Bei der medikamentösen Behandlung der Epilepsie ist es besonders wichtig, dass die Tabletten regelmäßig und zu festen Zeiten eingenommen werden. Nur so wird die bestmögliche Wirksamkeit erreicht.

Letztlich können 2/3 aller Betroffenen mit einer medikamentösen Behandlung erfolgreich therapiert werden. Aber auch für diejenigen, die mit Medikamenten nicht anfallsfrei werden, haben sich die Möglichkeiten der Epilepsie-Behandlung in den letzten Jahren erheblich weiterentwickelt.

Wirkweise der Medikamente gegen Epilepsie (sog. Antiepileptika/Antikonvulsiva)

An der Verarbeitung von Informationen im Gehirn sind Botenstoffe (Neurotransmitter) beteiligt. Sie sorgen dafür, dass Informationen von einer Nervenzelle zur anderen weitergegeben werden. Im Gehirn gibt es verschiedene Arten von Neurotransmittern, die sich alle in einem Gleichgewicht zueinander befinden. Wird dieses Gleichgewicht gestört, reagieren die Nervenzellen mit einer gesteigerten Erregbarkeit und es kann (z. B. durch eine Entzündung) zu einem epileptischen Anfall kommen. Fast alle Antiepileptika bewirken die Aufrechterhaltung bzw. Wiederherstellung dieses Gleichgewichts. Dies ist allerdings nur möglich, solange eine bestimmte Menge des Wirkstoffs im Blut vorhanden ist. Sinkt der Medikamentenspiegel im Blut unter eine bestimmte Schwelle, die für jede/n Betroffene/n individuell unterschiedlich ist, wirkt das Präparat nicht. Daher ist es unbedingt notwendig, den Medikamentenspiegel dauerhaft auf einem bestimmten Niveau zu halten. Das kann nur durch eine regelmäßige Einnahme gewährleistet werden (siehe unten).

Regelmäßige Tabletteneinnahme

Bei meist guter Verträglichkeit und jahrelanger Anfallsfreiheit fällt es manchen Betroffenen schwer, jeden Tag an die Einnahme der Tabletten zu denken. Schließlich geht es ihnen ja scheinbar „gut“. Trotzdem ist es notwendig, die Medikamente regelmäßig einzunehmen, um den notwendigen Medikamentenspiegel weiter aufrechtzuerhalten und die Anfallsfreiheit oder eine niedrige Anfallsfrequenz zu sichern.

Nur unter bestimmten Umständen kann es möglich sein, die Medikamente abzusetzen. Dies sollte immer gemeinsam mit dem Arzt bzw. der Ärztin besprochen und entschieden werden. In keinem Fall sollte der oder die Patient/in eigenmächtig die Medikamente absetzen. Unabhängig davon ist es auch im Verlauf der Therapie sehr wichtig, im Gespräch mit der behandelnden Fachperson zu bleiben und aufkommende Fragen und Bedenken offen zu besprechen.

PDF zur Therapietreue bei Epilepsie
Wichtige Informationen zur regelmäßigen Medikamenteneinnahme bei Epilepsie
Autor: Desitin Arzneimittel GmbH

Epilepsie-Behandlung mittels Operation

Bestimmte Formen der Epilepsie können operativ behandelt werden. So kann z. B. der Teil im Gehirn, von dem der Anfall ausgeht, entfernt werden, oder man durchtrennt bestimmte Verbindungen im Gehirn, was eine Ausbreitung des epileptischen Anfalls verhindert. Mit speziellen Untersuchungsmethoden kann der Neurologe bzw. die Neurologin feststellen, ob dem Patient oder der Patientin mit einer solchen Operation geholfen werden kann.

Epilepsie-Behandlung mittels Vagusnervstimulation

Eine weitere mögliche Behandlungsmethode ist die sogenannte Neurostimulation. Hier stehen unterschiedliche Verfahren zur Verfügung. Das wohl bekannteste ist die Vagusnervstimulation. Dabei soll die Reizung des Vagusnervs Impulse ins Gehirn weiterleiten und dort bestimmte Hirnbereiche beeinflussen, wodurch Krampfanfälle verhindert werden.

Weitere Informationen zur Behandlung

Epilepsie richtig behandeln

Der Einsatz von Antiepileptika zur Epilepsie-Behandlung ist wichtig. Doch auch die Ernährung und die sog. Vagusnerv-Stimulation spielen eine Rolle. Lesen Sie hier mehr darüber.

Epilepsie ist selten heilbar

Die Medikamente, die zur Epilepsie-Behandlung eingesetzt werden, heißen zwar „Antiepileptika“, haben jedoch keinen Einfluss auf die Erkrankung an sich. Vielmehr blockieren sie Krampfanfälle, indem sie die Schwelle des Gehirns für Anfälle hochsetzen. Es werden also nicht die Ursachen der Epilepsie, sondern die Symptome behandelt. Aus diesem Grund werden Antiepileptika auch häufig Antikonvulsiva (Mittel gegen Krämpfe) genannt.

Damit wird deutlich, dass die Medikamente keine heilende Wirkung auf die Epilepsie haben. Tatsächlich müssen ca. 60 % aller Epilepsie-Betroffenen ihr Leben lang Medikamente einnehmen.

Im Laufe des Lebens verschwinden die Ursachen für die epileptischen Anfälle fast nie. Durch eine OP kann jedoch der Auslöser in manchen Situationen beseitigt werden. Vor allem beim Auftreten von Epilepsien im Kindesalter gibt es für manche Formen gute Prognosen, die ein Absetzen der Medikamente möglich machen, ohne dass erneut Anfälle auftreten. Auch im Erwachsenenalter kann in manchen Fällen erwogen werden, die Medikation abzusetzen. Eine Änderung der Medikamenteneinnahme darf aber in jedem Fall nur nach intensiver ärztlicher Beratung erfolgen, und sollte, selbst bei jahrelanger Anfallsfreiheit, niemals im Alleingang geschehen.

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