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Ketogene Diät bei Epilepsie – Informationen, Keto Lebensmittel, Studien & Rezepte

Zusammenfassung

  • Eine ketogene Diät kann vor allem bei Kindern zur Behandlung von Epilepsie eingesetzt werden, wenn Medikamente nicht ausreichend wirken (medikamentenresistente Epilepsie). Bei einigen Formen der Epilepsie ist sie besonders wirksam. Ketogene Diäten werden aber zunehmend auch im Erwachsenenalter erfolgreich eingesetzt.
  • Die ketogene Diät ist sehr fettreich und extrem arm an Kohlenhydraten. Dadurch wird die Energie für das Gehirn vorwiegend durch aus dem Fettabbau stammende Ketone statt durch Glukose bereitgestellt. Dies führt zum Zustand der sog. Ketose.
  • Die Ernährung besteht üblicherweise aus 90% Fett sowie 10% Eiweiß und Kohlenhydrate. Der Eiweißanteil variiert entsprechend des Alters des Kindes oder des erwachsenen Patienten. Daraus resultiert ein Nährstoffverhältnis von vier Teilen Fett zu einem Teil Kohlenhydrate inklusive Eiweiß (sogenanntes ketogenes Verhältnis).
  • Neben der klassischen ketogenen Diät (KD), mit einem Verhältnis von Fett zu Kohlenhydraten plus Proteinen von 4:1, gibt es abgewandelte Formen, wie die modifizierte Atkins Diät (MAD), eine Diät mit mittelkettigen Fettsäuren (MCT-Diät) und die niedrig-glykämische Index-Therapie (LGIT). Unter dem Begriff Ketogene Ernährungstherapie (KET) werden all diese Formen zusammengefasst.
  • Die ketogene Ernährung bei Epilepsie sollte unter Aufsicht von Ärzten und Ernährungsexperten stattfinden. Die Einstellung erfolgt meist stationär.
  • Erlaubte Lebensmittel sind etwa stärkearme Gemüse, Fleisch, Fisch, Eier, Käse, Nüsse und (vorzugsweise pflanzliche) Fette. Weitgehend verboten sind Getreideprodukte, Kartoffeln, Zucker und süßes Obst.
  • Die ketogene Diät zeigt meist nur wenige Nebenwirkungen wie Verstopfungen und anderweitige Verdauungsprobleme. Die zusätzliche Einnahme von Ballaststoffen, die Erhöhung des MCT-Öl-Anteils im Ernährungsplan oder andere abführende Methoden können hier - nach Absprache mit einem Arzt - Abhilfe schaffen.

Die ketogene Diät zur Behandlung von Epilepsie bei Kindern & Jugendlichen

Die ketogene Diät (KD) wird schon seit 1921 zur Behandlung von bestimmten Formen der Epilepsie bei Kindern eingesetzt.1 Vorher hatte man festgestellt, dass mehrtägiges Fasten die Zahl der epileptischen Anfälle deutlich verringern kann. Da dauerhaftes Fasten nicht möglich ist, wurde eine Ernährungsform entwickelt, die das Fasten für den Körper imitiert: Sie enthält sehr viel Fett, kaum Kohlenhydrate und ausreichend Protein und Ballaststoffe. Inzwischen haben zahlreiche Studien den positiven Effekt der ketogenen Diät bei Epilepsie untermauert.2,3,4,5,6,7

Bei welchen Formen der Epilepsie kommt die ketogene Diät vor allem zum Einsatz?

Es gibt zahlreiche Formen von Epilepsie und auch ganz unterschiedliche Arten von epileptischen Anfällen. Ist die Diagnose klar, wird meist eine medikamentöse Therapie begonnen. Damit können etwa zwei Drittel der Patienten erfolgreich behandelt werden.8

Wenn selbst zwei oder mehr fachgerecht verordnete Medikamente (Antiepileptika) nicht ausreichend wirken, spricht man von einer pharmakoresistenten Epilepsie. Dann wird besonders bei Kindern und Jugendlichen häufig eine Keto-Diät (ketogene Ernährungstherapie, KET) empfohlen. Auch im Erwachsenenalter wird eine ketogene Ernährung zunehmend erfolgreich eingesetzt.9,10

Bei einigen Formen der Epilepsie zeigt die ketogene Diät besonders gute Wirkung.11 Deshalb empfehlen manche Experten, sie in diesen Fällen schon zu einem früheren Zeitpunkt der Behandlung einzusetzen.12 Dabei handelt es sich um:

  • Myoklonisch-astatische Epilepsie (MAE, Doose-Syndrom)
  • Dravet Syndrom (schwere myoklonische Epilepsie des Kindesalters, schwere frühkindliche Grand-mal-Epilepsie)
  • West-Syndrom (BNS-Epilepsie, maligne Säuglingsepilepsie)
  • Bei Patienten mit ESES-Syndrom (CSWS), FIRES Epilepsie (Febrile Infection Related Epilepsy Syndrome) und epileptischen Enzephalopathien zeigen sich teilweise positive Auswirkungen der ketogenen Diät
  • Allgemein eignet sich die KET besonders bei tonischen, atonischen, myoklonischen und tonisch-klonischen Anfällen

Im Schnitt zeigt eine Auswertung verschiedener Studien, dass ca. 2/3 der Epilepsie-Patienten durch die ketogene Diät eine Anfallsreduktion von 50% bis 90% erreichen.15

Bei Menschen mit fokalen Anfällen, Grand-Mal-Anfällen und Absencen scheint die ketogene Diät nicht so gut zu wirken wie bei den o.g. Anfalls- und Epilepsie-Formen. Grundsätzlich kann die ketogene Ernährungstherapie aber bei allen Formen der Epilepsie als nicht-medikamentöse Behandlung in Erwägung gezogen werden. Vor allem dann, wenn es um Personen geht, die unter nicht tolerablen Nebenwirkungen der Antiepileptika leiden, oder bei Personen, die besonders häufig einen Status epilepticus erleiden.

Fett ersetzt Kohlenhydrate – die Wirkung ketogener Ernährung

Bei der ketogenen Ernährung werden Kohlenhydrate weitgehend durch Fett ersetzt. Dadurch kann der Energiebedarf des Gehirns nicht mehr mit Glukose gedeckt werden. Stattdessen wird das Gehirn mit sogenannten Ketonen versorgt, die der Körper in der Leber aus Fett herstellt. Dazu gehören etwa Aceton, Acetoacetat und Beta-Hydroxybuttersäure. Diesen Stoffwechsel-Zustand nennt man Ketose. Die genaue Wirkungsweise der Ketose bei Epilepsie ist noch nicht geklärt. Es wird vermutet, dass die Ketone die Nervenzellen schützen, die Energieversorgung des Gehirns verbessern und die Entzündungsaktivität bremsen.14

Unterschied zwischen klassischer ketogener Diät und modifizierter Atkins Diät

Bei der klassischen ketogenen Diät liegt das Verhältnis von Fett zu Kohlenhydraten und Proteinen bei 4:1 oder 3:1 (diese Form wird meist bei Kindern unter zwei Jahren angewendet).12 Um das zu erreichen, darf man zum Beispiel keinen Zucker, keine Getreideprodukte und nur wenige Obstsorten essen, aber reichlich Gemüse, fette Milchprodukte, Nüsse, Fleisch und Eier. Damit das Verhältnis immer eingehalten wird und die Kalorienzufuhr stimmt, muss ein genauer Ernährungsplan erstellt werden.

Daneben gibt es neue Diätformen wie die modifizierte Atkins Diät (MAD) und die niedrig-glykämische Index-Therapie (LGIT), die etwas weniger eingeschränkt, schmackhafter und dadurch leichter durchführbar sind. Allerdings ist die erreichte Ketose auch niedriger. Diese Formen werden vor allem als Option für Jugendliche und Erwachsene gesehen.12 Auch eine Ergänzung der ketogenen Diät mit mittelkettigen Fettsäuren (MCT-Diät), die besonders viele Ketone bilden, wird teilweise eingesetzt.

Worauf sollte man bei einer ketogenen Diät für Kinder achten?

Eine ketogene Ernährung kann bei Kindern nicht in Eigenregie durchgeführt werden, sondern muss immer unter (kinder)ärztlicher Aufsicht und in Zusammenarbeit mit speziell ausgebildeten Ernährungsfachleuten stattfinden. Bevor die Diät begonnen wird, ist eine eindeutige Indikation zu stellen, und eventuelle Gegenanzeigen müssen ausgeschlossen werden.

Meistens wird die Diät stationär, also in einer Klinik eingeleitet. Dort können mögliche Komplikationen sofort erkannt werden. Außerdem werden der Patient und seine Angehörigen intensiv geschult, damit die Diät in der täglichen Routine umsetzbar ist. Es ist sehr wichtig, dass die ketogene Diät bei Epilepsie sehr streng über einen definierten Zeitraum eingehalten wird und die vorgegebenen Nährstoffverhältnisse möglichst bei jeder Mahlzeit stimmen. Außerdem müssen bestimmte Mikronährstoffe ergänzt werden, weil die Versorgung sonst nicht gesichert ist.12 Schummeln oder sogenannte „Cheat Days“ sind nicht erlaubt, denn dann endet die Ketose, und der Effekt ist erst einmal dahin.

Damit Ärzte und Ernährungsberater die Wirksamkeit der KET richtig beurteilen und den Diätplan richtig kalkulieren können, ist eine ordentliche und möglichst lückenlose Dokumentation der epileptischen Anfälle im Vorfeld erforderlich. Nur so ist die Ausgangssituation klar. Stets dokumentiert werden sollten Häufigkeit und Dauer der Anfälle, der genaue Ablauf und die betroffenen Körperregionen, eine tageszeitliche Bindung und weitere Beeinträchtigungen durch die Anfälle. Ein Anfallskalender kann dabei helfen.

Eine ketogene Diät bei Epilepsie vorbereiten & einleiten:

  • Zunächst erfolgt ein Vorgespräch mit dem behandelnden Arzt und einem Ernährungsberater.
  • Im weiteren Verlauf ist es wichtig, dass zeitnah Kontakt zu allen Beteiligten hergestellt werden kann, damit die Kommunikation erleichtert wird. Dies kann z. B. über den Austausch von E-Mail-Adressen und/oder Telefonnummern erfolgen.
  • Bevor es losgeht, erfolgen verschiedene medizinische Voruntersuchungen (EKG, Sonographie, Untersuchung des Blutbilds und Urinanalyse)
  • Damit die ketogene Diät bei Kindern erfolgreich angewendet werden kann, ist es ratsam das gesamte Umfeld einzubinden (Kita, Schule, Sportverein, Betreuung, ggf. auch Freunde).
  • Passende Rezepte und Lebensmittel sollten immer vorrätig sein. Es sollte damit gerechnet werden, dass die allgemeinen Kosten für Lebensmittel im Rahmen einer ketogenen Diät um bis zu ein Drittel steigen können.
  • Wird nach den Vorgesprächen und den Untersuchungen entschieden, dass die ketogene Diät angewendet werden kann, dann sollten bereits einige Tage vor Diätbeginn der Kohlenhydrate-Anteil in der Nahrung reduziert werden.
  • Die Einleitung der Diät erfolgt meist während eines stationären Aufenthaltes.
  • Bereiten Sie sich darauf vor, dass Sie und/oder Ihr Kind lernen müssen, eigenständige Kontrollen im Rahmen der ketogenen Diät vorzunehmen, z. B. mittels Ketonteststreifen aus der Apotheke, mit denen sich die Ketonkörperkonzentration im Urin kontrollieren lässt. Außerdem müssen die Ergebnisse eigenständig bewertet werden können. Auch das eigene Befinden sollte beobachtet und Auffälligkeiten sollten immer protokolliert und besprochen werden.
  • Die ketogene Diät erfordert Disziplin: Bereiten Sie sich darauf vor, dass es keine Cheat-Days geben wird.
  • Suppen, Eintöpfe und Frappés erleichtern den Einstieg während der ersten Tage der ketogenen Diät. Jede Menge Rezepte und passende Produkte finden Sie z.B. in unserer KET Broschüre mit Diät-Leitfaden & Rezepten für die ketogenen Verhältnisse 2:1, 3:1 und 4:1
  • Zu Beginn der Diät kann mit einem ketogenen Verhältnis von 1:1 begonnen werden, um Verdauung und Stoffwechsel langsam an die ketogene Ernährung zu gewöhnen. Anschließend wird der Fettanteil schrittweise von 2:1, auf 3:1 und bis auf 4:1 erhöht. Das ist aber nicht immer der Fall. Ob langsame Steigerung, oder ein direkter Einstieg mit einer KET 3:1 oder 4:1 entscheiden letztendlich alle Beteiligten, in Abstimmung mit Arzt und Ernährungstherapeut gemeinsam

Nach dem Einleiten der ketogenen Ernährungstherapie beginnt eine Zeit des Übergangs, bis die Ketose stabil bleibt, also bis die anhaltende Umstellung des Stoffwechsels zur Energiebereitstellung aus Ketonkörpern eintritt. Während dieses Übergangs ist eine besonders engmaschige Überwachung notwendig. Vor allem die Blutwerte müssen regelmäßig geprüft werden, Blutzucker, Ketone, Blutgasanalyse. Wenige Tropfen Blut reichen dazu bereits aus. Üblich ist zum Beispiel ein kleiner Piks in den Finger. Sind zum Beispiel die Ketonwerte zu hoch und/oder der Blutzucker zu niedrig, kann die Einnahme von Glukose veranlasst werden (z. B. als Fruchtsaft). So lässt sich ein rasches Absinken der Ketonwerte bewirken. Sind sie zu niedrig, muss der Diätplan ggf. modifiziert werden.

Wenn die Diät greift und die stabile Ketose eintritt, sind auch die Ketonwerte im Blut stabil. Die Überwachung der Blutwerte kann nun reduziert werden. Kommt es aber zu Veränderungen im Alltag, oder zu einer zwingend notwendigen Umstellung der Essgewohnheiten, muss die häufigere Kontrolle wieder aufgenommen werden. Dies gilt auch, wenn der Schlafrhythmus sich ändert, oder es häufiger zu epileptischen Anfällen kommt.

Was muss im Rahmen der ketogenen Diät im Alltag beachtet werden?

  • Mahlzeiten sollten immer zu festen Uhrzeiten und drei- bis viermal täglich eingenommen werden
  • Eine strikte Einhaltung des mit Arzt und Ernährungsberater entwickelten Diät-Plans ist unabdingbar. Die notwendige Energiezufuhr und der Nährstoff-Mix wurden exakt berechnet.
  • Snacks zwischendurch müssen in der Planung berücksichtigt werden. Darüber hinausgehende Heißhunger-Attacken sind im Diätplan nicht erlaubt.
  • Es muss pro Tag mehr getrunken werden als für das jeweilige Alter üblich. Wenn Sie ohnehin dazu neigen, zu wenig zu trinken, bereiten Sie sich darauf vor und haben Sie immer Wasser dabei.
  • Die Einnahme von jeglichen Nahrungsergänzungsmitteln darf nicht selbstständig erfolgen, sondern muss eingeplant werden.
  • Wenn Veränderungen des Alltags oder des Körpers es zwingend notwendig machen, dass das Essverhalten oder die Uhrzeiten für die Mahlzeiten geändert werden müssen, muss der Diät-Plan ausgewertet und neu errechnet werden. Nur so kann einer Mangelernährung vorgebeugt, und eine ausreichende Versorgung mit Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen sichergestellt werden.
  • Auch im normalen Verlauf der Diät sollten die Untersuchungen und Erfolge immer wieder ausgewertet und der Diätplan ggf. angepasst werden.
  • Sehr wichtig: Zucker ist nicht nur in Lebensmitteln enthalten, sondern auch in Medikamenten oder Zahnpasta. Diese Mengen müssen bei der Aufstellung des Diätplans ebenfalls berücksichtigt werden. Eventuell müssen Medikamente oder Zahnpasta ausgetauscht werden. All das natürlich nur in stetigem Austausch mit dem behandelnden Arzt.
  • Durch die ketogene Diät verändert sich – je nach bisheriger Essgewohnheit – die Lebensmittelauswahl erheblich. Durch die Umstellung kann es zu Nebenwirkungen wie Verstopfungen kommen. In diesem Fall sollte die Aufnahme von Ballaststoffen erhöht werden, z.B. durch einen größeren Anteil an Tomaten, Gurken oder Schwarzbrot in der Ernährung. Auch abführende Maßnahmen oder der vermehrte Einsatz von MCT-Ölen kann in einigen Fällen zum Einsatz kommen. Sowohl die zusätzliche Einnahme von Ballaststoffen als auch der Einsatz von Abführmitteln muss mit allen Beteiligten abgesprochen und der Diätplan entsprechend modifiziert werden.
  • Bei erfolgreicher Umstellung auf Ketose kann die klassische ketogene Diät mit einem Verhältnis von 4:1 später auf 3:1 und in einem weiteren Schritt auf 2:1 reduziert werden.

Muss die ketogene Diät ein Leben lang durchgeführt werden?

In der Regel wird die ketogene Diät zunächst für maximal zwei Jahre durchgeführt. Auch Antiepileptika werden häufig für maximal zwei Jahre verabreicht, bevor sie dann testweise abgesetzt werden. Auch in dieser Hinsicht ist die KET also wie ein Medikament einzustufen. Bei Erwachsenen erfolgt dieses Absetzen zurückhaltender als bei Kindern. Die positiven Effekte, die durch die Therapie erreicht wurden, halten häufig auch nach dem Absetzen an. Zudem verändern sich Epilepsien, gerade bei sich noch entwickelnden Gehirnen, was das regelmäßige Absetzen oder Nachjustieren der Behandlung ebenfalls erforderlich macht. Lassen die positiven Effekte nach dem Absetzen der Diät nach, dann wird die Behandlung - sofern sie gut vertragen wurde - wieder aufgenommen, oder eine andere Behandlung wird eingeleitet.

Welche Lebensmittel sind für die ketogene Ernährung geeignet?

LebensmittelkategorieErlaubtNicht erlaubt
Diätetische LebensmittelFertigpräparate für die ketogene Ernährung 
GetränkeWasser, Tee, Kaffee, Gemüsebrühe, Mandelmilch (ungesüßt)Zuckerhaltige Limonaden, Säfte, Kakao, gezuckerter Tee oder Kaffee
GemüseStärkearme Sorten wie Kohl, Blattgemüse, Gurke, Tomaten, Avocado, Artischocke, Broccoli, Lauch, Zucchini, Salat, Spargel, OlivenStärkereiche Sorten wie Kartoffeln und Hülsenfrüchte, Wurzelgemüse sowie verarbeitetes Gemüse mit Zuckerzusatz
ObstDunkle Beerenfrüchte in kleinen Mengen, z.B. Brombeeren, Himbeeren, JohannisbeerenAlle süßen Obstsorten, auch als Kompott, Marmelade etc.
Fleisch, Fisch und EierFleisch und Fleischerzeugnisse, fettreicher Meeresfisch (z. B. Lachs, Makrele, Hering, Thunfisch), in moderaten Mengen: fettarmer Fisch, Meeresfrüchte, EierVerarbeitete Wurst- und Fischprodukte mit Zuckerzusatz in größeren Mengen
Milch und MilchprodukteUngezuckerte, fettreiche Milchprodukte wie Butter, Käse, Frischkäse, Crème fraîche, Sahne, Sahnequark, fettreicher JoghurtMilch und fettarme Milchprodukte (Magerquark, Hüttenkäse etc.)
Getreide und ReisWeizenkeimePraktisch alle Getreideprodukte, also Brot, Mehl, Nudeln, Gebäck, Pizza und Reis in größeren Mengen
Knabbereien und NaschenNüsse und Samen wie Macadamia-, Pekan-, Wal- und Cashewnüsse, Mandeln, dunkle Schokolade (> 70 % Kakao) in kleinen MengenAlle zuckerhaltigen Süßigkeiten, Zucker in jeder Form, auch Sirup, Fruchtzucker, Karamell, Trockenfrüchte etc.
FetteGrundsätzlich erlaubt, es wird empfohlen, auf einen hohen Anteil pflanzlicher Fette zu achten, etwa
Distel-, Walnuss-, Sonnenblumenöl, auch Kokos- und Olivenöl, Pflanzenmargarine
 
Geeignete Lebensmittel für eine ketogene Ernährung12,13,14

Mögliche Nebenwirkungen der ketogenen Ernährung bei Epilepsie

Wird eine ketogene Diät nach Plan und richtig durchgeführt, hat sie meist nur geringe Nebenwirkungen, die sich gut in den Griff kriegen lassen. So kann es vor allem zu Beginn zu Unterzuckerungen (Hypoglykämien) kommen, auch Erbrechen, Verstopfung, Durchfall, Hunger und Sodbrennen können auftreten.13 Im Zusammenhang mit Infekten, Fieber und Erbrechen kann auch ein Flüssigkeitsmangel auftreten, der zu einer Übersäuerung des Blutes (Azidose) führt. Deshalb muss auf ausreichendes Trinken geachtet werden.12

Viel Flüssigkeit ist auch wichtig, um die Bildung von Nierensteinen zu vermeiden, die ebenso wie Verstopfung und Fettstoffwechselstörungen zu den möglichen mittel- oder langfristigen Nebenwirkungen gehören. Über Langzeitnebenwirkungen ist bis jetzt nur wenig bekannt. Möglicherweise wird das Wachstum von Kindern leicht beeinträchtigt. Ob sich auch das Risiko für Arteriosklerose (Arterienverkalkung) und andere kardiovaskuläre Risiken durch die sehr fettreiche Ernährung erhöht, ist noch nicht ausreichend untersucht.13

Für wen ist eine ketogene Ernährungstherapie nicht geeignet?

  • Für Menschen mit bestimmten Stoffwechselstörungen (insbesondere des Energie- oder Fett-Stoffwechsels)
  • Für Menschen mit spezifischen Krankheiten des Herzens oder der Niere
  • Für Menschen mit Störungen der Leber- oder Bauchspeicheldrüsenfunktion
  • Achtung: Bei einer ketogenen Diät und gleichzeitiger Einnahme von Barbituraten, Valproat, Topiramat, Sultiam oder Zonisamid ist besondere Vorsicht geboten. Aufgrund von Interaktionen kann eine Kontrolle der Serumspiegelkonzentrationen der jeweiligen Antiepileptika empfehlenswert sein.

Welche Studien gibt es zur Wirkung der ketogenen Diät bei Epilepsie?

Der amerikanische Arzt Dr. Russell M. Wilder hat die ketogene Diät entwickelt und ihr auch den Namen gegeben.1 1921 führte er in der Mayo Clinic in Minnesota zum ersten Mal eine Studie dazu an Kindern und Jugendlichen durch. Sie führte zu einer Reduktion von Anfällen und etablierte sich als reguläre Behandlungsmethode. Seither hat es zahlreiche weitere Studien zu ketogenen Ernährungsweisen gegeben. So fanden etwa Schwartz und Eaton 19892 heraus, dass sowohl eine klassische ketogene Diät als auch mit MCT-Ölen ergänzte Formen die epileptischen Anfälle bei Kindern deutlich reduzierten. Auch Neal (2008)3 und Lambrechts (2017)4 konnten die positive Wirkung von ketogenen Diäten auf die Anfallshäufigkeit bei Kindern bestätigen. Mady (2003)5 und Kossoff (2008)6 zeigten auch Erfolge bei Jugendlichen und Erwachsenen. Übersichtsstudien des internationalen Forschungsnetzwerks Cochrane (letztes Update Martin-McGill et al. 2020) 7 kamen zu dem Ergebnis, dass die ketogene Diät eine valide Option bei pharmakoresistenter Epilepsie ist, und noch weiter untersucht werden sollte.

Weitere Ernährungstipps bei Epilepsie

Eine typische Nebenwirkung von Medikamenten gegen Epilepsie (Antiepileptika) ist Verstopfung. Betroffene sollten mit ihrem Arzt darüber sprechen. Bei der Unterstützung der Verdauung können auch folgende Tipps helfen:

  • Viele Ballaststoffe verzehren. Ballaststoffreich und gleichzeitig kohlenhydratarm sind etwa Leinsamen, Chiasamen, Kohl, Artischocken, Beeren und Pistazien.
  • Viel trinken – mindestens 1,5 bis 2 Liter Flüssigkeit am Tag.
  • Mehrere kleine Mahlzeiten am Tag in Ruhe verzehren.
  • Für ausreichend Bewegung sorgen.


1 Wilder RM. The effect of ketonemia on the course of epilepsy. Mayo Clin Bulletin 1921;2:307–308.
2 Schwartz RH, Eaton J, Bower BD, Aynsley-Green A, Ketogenic diets in the treatment of epilepsy: short-term clinical effects, Dev Med Child Neurol 1989 Apr;31(2):145-51. doi: 10.1111/j.1469-8749.1989.tb03972.x.
3 Neal EG, Chaffe HM, Schwartz RH, et al. The ketogenic diet in the treatment of epilepsy in children: a randomised, controlled trial. Lancet Neurol 2008;7:500–506.
4 Lambrechts DA, de Kinderen RJ, Vles JS, et al. A randomized controlled trial of the ketogenic diet in refractory childhood epilepsy.Acta Neurol Scand 2017;135:231–239.
5 Mady, M.A., Kossoff, E.H., McGregor, A.L., Wheless, J.W., Pyzik, P.L. and Freeman, J.M. (2003), The Ketogenic Diet: Adolescents Can Do It, Too. Epilepsia, 44: 847-851. https://doi.org/10.1046/j.1528-1157.2003.57002.x
6 Kossoff EH, Rowley H, Sinha SR, Vining EP. A prospective study of the modified Atkins diet for intractable epilepsy in adults. Epilepsia. 2008 Feb;49(2):316-9. doi: 10.1111/j.1528-1167.2007.01256.x. Epub 2007 Oct 5. PMID: 17919301.
7 Martin-McGill KJ, Bresnahan R, Levy RG, Cooper PN. Ketogenic diets for drug-resistant epilepsy. Cochrane Database Syst Rev. 2020 Jun 24;6(6):CD001903. doi: 10.1002/14651858.CD001903.pub5. PMID: 32588435; PMCID: PMC7387249.
8 https://www.desitin.de/therapiegebiete/epilepsie/?bereich=patientenbereich
9 AWMF. Ketogene Diäten. Leitlinien der Gesellschaft für Neuroädiatrie. Online verfügbar unter: https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/022-021l_S1_Ketogene_Di%C3%A4ten_2014-04_abgelaufen.pdf. Zugriff am 29.6.2021
10 Liu H. et al. Ketogenic diet for treatment of intractable epilepsy in adults: A meta-analysis of observational studies. Epilepsia Open 2018. 19;3(1):9-17.
11 Della Marina A et al., Einsatz der ketogenen Diäten bei Patienten mit Epilepsie und angeborenen Stoffwechselstörungen in Deutschland, Österreich und der Schweiz, Gesellschaft für Neuropädiatrie, Poster Nr. 295, https://gesellschaft-fuer-neuropaediatrie.org/wp-content/uploads/2019/01/4695c4a30a1682442.04440115.pdf
12 Kossoff EH et al.. Optimal clinical management of children receiving dietary therapies for epilepsy: Updated recommendations of the International Ketogenic Diet Study Group. Epilepsia Open. 2018 May 21;3(2):175-192. doi: 10.1002/epi4.12225. PMID: 29881797; PMCID: PMC5983110.
13 Fachgesellschaft für Ernährungstherapie und Prävention (FETeV): Ketogene Ernährung – Anwendung und Umsetzung https://fet-ev.eu/ketogene-ernaehrung/#Allgemeines
14 https://www.eatbetter.de/ketogene-diaet-top-15-lebensmittel-fuer-ketogene-ernaehrung#:~:text=Das%20ist%20erlaubt%3A%20Mandeln%2C%20Haseln%C3%BCsse,%2DSamen%2C%20Leinsamen%2C%20Hanfsamen.
15 Sondhi V et al. Efficacy of ketogenic diet: 944-951. JAMA Pediatr 174/2020 Oct 1;174(10):944-951. doi: 10.1001/jamapediatrics.2020.2282.