Verfasst von: DESITIN Redaktionsteam
Hinweis: Die nachfolgenden Aussagen dienen lediglich Informationszwecken. Für medizinische Beratung oder eine Diagnose wenden Sie sich bitte an einen Arzt oder eine Ärztin.
Harnsteine sind kristalline Ablagerungen in den Harnwegen, in den Nieren oder in der Blase. Umgangssprachlich wird häufig auch von Nierensteinen gesprochen. Der medizinische Fachbegriff für diese Erkrankung heißt „Urolithiasis“. Harnsteine können in allen Harnwegen vorkommen. Je nach Lage sprechen Ärztinnen und Ärzte dann auch von Nieren-, Harnleiter- und/oder Blasensteinen.
Manche Harnsteine sind nur wenige Millimeter groß, andere wachsen zu mehreren Zentimeter großen Steinen heran und können sogar das gesamte Nierenbecken ausfüllen, sogenannte „Ausgusssteine“.

Harnsteine sind eine der häufigsten Erkrankungen im urologischen Bereich und eine echte Volkskrankheit. Weltweit sind zwischen 3 bis 11% der Bevölkerung betroffen, Tendenz steigend.1,25 In Deutschland hat etwa jeder zwanzigste Mensch im Lauf seines Lebens schon einmal einen Harnstein gehabt. Die letzte bundesweite Erhebung ergab für das Jahr 2000 eine Prävalenz von 4,7%.2 Pro Jahr werden rund 120.000 Harnsteinfälle stationär behandelt. Hinzu kommt eine unbekannte Zahl ambulant versorgter Steinabgänge.22 Zwischen 1979 und 2000 kam es hierzulande zu einer Verdreifachung der Neuerkrankungen.2 Etwa jeder zweite „Steinbildner“ muss innerhalb von fünf bis zehn Jahren damit rechnen, dass sich erneut Harnsteine bilden.3,25 Wie hoch dieses Rückfall- oder Rezidivrisiko ist, hängt von der Art des Harnsteins und der zugrunde liegenden Erkrankung ab. Bei bestimmten Steinarten, z. B. bei Cystinsteinen, bekommen sogar mehr als acht von zehn Patienten ohne spezielle Vorbeugung erneut Harnsteine.4,25
Das Tückische an Harnsteinen ist, dass unbehandelte oder immer wiederkehrende Harnsteine auf Dauer die Nieren schädigen und im schlimmsten Fall zu Nierenversagen führen können. Deshalb sind eine gezielte Behandlung und Vorbeugung (Rezidivprophylaxe) sehr wichtig, um erneute Steine zu vermeiden. Ohne Vorbeugung liegt das Rückfallrisiko, abhängig von der Steinbeschaffenheit, bei 50–80%. Durch eine gezielte Prophylaxe kann es auf 10–15% gesenkt werden.6
Zudem haben Harnstein-Patienten im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung ein etwa doppelt so hohes Risiko, eine dauerhafte (und unter Umständen unumkehrbare) Abnahme der Nierenfunktion bis hin zur Notwendigkeit der „Blutwäsche“ (Dialyse) zu entwickeln.5

Unsere Nieren sind lebenswichtige Organe. Sie regulieren den Wasserhaushalt und gehören zu den wichtigsten Reinigungsstationen in unserem Körper. Sie filtern schädliche Substanzen und Abfallstoffe aus dem Blut heraus, die dann über den Urin ausgeschieden werden. Zudem sorgen sie dafür, dass für den Körper wertvolle Stoffe wieder ins Blut aufgenommen werden. Die Nieren sind also wahre Multitalente.
Harnsteine entstehen, wenn sich bestimmte Stoffe im Urin zu kleinen Kristallen zusammenlagern. Diese Kristalle können mit der Zeit wachsen und schließlich einen richtigen „Stein“ bilden. Häufig bestehen Harnsteine aus calciumhaltigen Substanzen, jedoch können auch Harnsäure und andere Mineralien beteiligt sein wie z.B. Cystin oder Xanthin. Harnstein ist also nicht gleich Harnstein. Wenn sie sich bilden, kann das verschiedene Ursachen haben. Dazu zählen beispielsweise:
Was die Steinbildung ebenfalls begünstigen kann, beschreiben die folgenden Absätze zum Ausklappen:
Übergewicht ist häufig die Folge einer ungesunden Ernährung (siehe unten) und kann auf Dauer zum sogenannten metabolischen Syndrom führen. Das bedeutet: Die Patienten und Patientinnen haben (gleichzeitig) erhöhte Blutdruck-, Blutzucker- und Blutfett-Werte. Bei Übergewicht reagieren die Körperzellen dann häufig schlechter auf das Hormon Insulin. Dadurch kann der Blutzucker ansteigen und Diabetes entstehen. Diese sogenannte Insulinresistenz wirkt sich auch auf die Nieren aus: Sie können dann weniger von einem wichtigen Stoff bilden, der überschüssige Säure aus dem Körper entfernt. Dadurch wird der Urin dauerhaft saurer. In diesem sauren Urin kann Harnsäure Kristalle bilden. Daraus können Harnsäuresteine entstehen. Darüber hinaus scheiden Menschen mit Übergewicht häufig mehr Calcium, Oxalat und Harnsäure über den Urin aus. Auch das kann die Bildung von Calcium-Oxalat- und Harnsäure-Steinen begünstigen. Daher gilt ein Body-Mass-Index (BMI) von 25 und darüber als eigenständiger Harnstein-Risikofaktor.6
Ihren Body-Mass-Index können Sie selbst berechnen, indem Sie Ihr Körpergewicht in Kilogramm (kg) durch ihre quadrierte Körpergröße in Metern (m) teilen, also:
BMI = Körpergewicht ÷ (Körpergröße × Körpergröße)
Beispiel: bei 70 kg und 1,75 m: 70 ÷ (1,75 × 1,75) = 22,86
Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) sprechen BMI-Werte unter 18,5 für Untergewicht. Liegen sie zwischen 18,5 und 24,9, sind Menschen normalgewichtig. Mit Übergewicht werden Werte zwischen 25,0 und 29,9 bezeichnet. Aber einem BMI von 30,0 liegt starkes Übergewicht (Adipositas) vor.37
Diese spielt vor allem bei Calcium-Oxalat- und Harnsäure-Steinen eine wichtige Rolle. Mehrere Mechanismen können hier zeitgleich wirken: Zum einen kann viel tierisches Eiweiß (z.B. Fleisch, Wurst) den Körper mit zusätzlicher Säure belasten, die dann über den Urin ausgeschieden werden muss. Der pH-Wert des Urins kann dadurch dauerhaft in Richtung „sauer“ absinken. Fachleute sprechen von „Säurestarre". Die beim Verzehr von tierischen Eiweißen entstehende Harnsäure ist dann schlechter löslich und es bilden sich im Laufe der Zeit Kristalle. Gleichzeitig kann die Säurelast die Citrat-Ausscheidung senken. Citrat hemmt jedoch normalerweise die Steinbildung, weil es Calcium binden kann und so der Bildung von Calciumkristallen entgegen wirkt. Viel Kochsalz kann hier noch verstärkend wirken, weil es die Nieren dazu zwingen kann, mehr Calcium auszuscheiden. Wer dann noch häufig Lebensmittel wie Rhabarber, Spinat oder schwarzen Tee zu sich nimmt, die den Stoff Oxalat enthalten, können diese den zweiten Baustein des häufigsten Steintyps (Calciumoxalat) liefern. Wichtig: Zu wenig Calcium in der Nahrung kann das Harnstein-Risiko erhöhen. Calcium bindet Oxalat nämlich schon im Darm. Fehlt es, gelangt mehr freies Oxalat in den Urin. Eine calciumarme Diät ist also bei vielen Harnsteinen meist der falsche Weg.
Die Nieren scheiden eine mehr oder weniger feste Menge an möglichen, an der Steinbildung beteiligten Substanzen aus, z.B. Calcium, Oxalat und Harnsäure, unabhängig davon, wie viel Wasser dafür zur Verfügung steht. Wer wenig trinkt, löst dieselbe Menge dieser Substanzen in weniger Flüssigkeit. Wie beim Einkochen einer Suppe steigt die Konzentration, bis die Löslichkeitsgrenze überschritten wird und die ersten Kristalle ausfallen. Bei geringer Urinmenge können sie liegen bleiben, sich an die Schleimhäute der Harnwege anheften und dort weiter wachsen. Deshalb gehört die tägliche Trinkmenge zu den wirksamsten Einzelmaßnahmen.6
Hier kommen mehrere Krankheiten infrage:
Eine wichtige Aufgabe der Nieren ist die Rückgewinnung der Aminosäure Cystin. Bei der Zystinurie ist genau der körpereigene „Transporter“ defekt, der Cystin zurückholen soll. Dadurch wird es massenhaft ausgeschieden. Gleichzeitig gehört Cystin aber zu den am schlechtesten löslichen Substanzen im Urin überhaupt (mehr dazu erfahren Sie hier).
Ganz ähnlich funktioniert die primäre Hyperoxalurie: Hier fehlt ein bestimmtes Leberenzym, wodurch der Körper Oxalat im Überschuss produziert. Patientinnen und Patienten können solche „Defekte“ nicht allein durch einen bestimmten Lebensstil kontrollieren, deshalb benötigen sie häufig eine langfristige, individuell abgestimmte Behandlung, zu der auch Medikamente gehören können.
Wenn bestimme Bakterien in die Harnwege gelangen, kann der Urin stark basisch werden. Dadurch können vermehrt Kristalle aus Struvit entstehen, die Fachleute als „Infektsteine“ bezeichnen. Das Tückische: Die Bakterien können sich in den wachsenden Harnsteinen „verstecken“ und auf diese Weise für Antibiotika kaum erreichbar sein. Solche Steine können innerhalb weniger Wochen mehrere Zentimeter groß werden. Dagegen hilft in der Regel nur die vollständige Entfernung mit einer Operation, weil jedes zurückgebliebene Bruchstück diesen ungünstigen Kreislauf neu starten kann.
An einer Verengung oder anderen Veränderungen der Harnwege kann der Urin sich stauen und langsamer fließen. Beispiele sind eine angeborene Verengung am Übergang von Niere zum Harnleiter (Nierenbeckenabgangsstenose), eine sogenannte „Hufeisenniere“, bei der die beiden Nieren von Geburt an miteinander verbunden sind, eine vergrößerte Prostata oder eine vernarbte Harnröhre. Harnsteine bekommen auf diese Weise genau das, was sie zum Wachsen brauchen: Zeit und Ruhe, um sich abzusetzen und zusammenzuballen.
Verstärkend kann hinzukommen, dass langsam fließender oder stehender Urin eine ideale Umgebung für Bakterien ist. Engstellen können daher zu häufig zu wiederkehrenden Infekten führen (siehe Harnwegsinfektionen). Beides zusammen ist besonders ungünstig. Genau deshalb werden vor allem bei Kindern mit Harnsteinen als Erstes die Harnwege überprüft.
Harnsteine verursachen nicht zwingend wahrnehmbare Beschwerden. Manche Menschen merken gar nichts und haben keine Anzeichen. Andere bekommen plötzlich sehr starke Schmerzen. Ob und wie stark die Beschwerden sind, hängt davon ab wie groß der Stein ist, wo er sich im Harntrakt befindet und ob er sich bewegt.

Oft werden Harnsteine zufällig entdeckt, z.B. bei einer Ultraschalluntersuchung oder auf einem Röntgenbild, ohne dass die Betroffenen vorher Schmerzen hatten. Manchmal machen sich Harnsteine auch plötzlich bemerkbar: Wenn ein Stein von einer Niere in den Harnleiter wandert, kann das sehr starke, stechende Schmerzen auslösen. Manche vergleichen ihn mit Geburts- oder sprechen von „Vernichtungsschmerzen“.
Diese Schmerzen nennt man „Nierenkolik“. Sie treten meist auf einer Seite des Rückens oder Bauches auf und kommen „wellenartig“, das heißt, sie werden mal stärker, mal schwächer und können bis zu einer Stunde oder länger anhalten. Oft sind die Schmerzen so stark, dass Betroffene auch Schwitzen oder Übelkeit bekommen. Außerdem kann es passieren, dass das Wasserlassen erschwert ist oder Blut im Urin auftaucht. Bei Fieber und Schüttelfrost liegt vermutlich zudem eine Infektion vor. Das ist ein medizinischer Notfall und sollte sofort ärztlich behandelt werden!
Wählen Sie sofort den Notruf 112 oder lassen Sie sich umgehend von Angehörigen in die Notaufnahme einer Klinik bringen (bitte nicht selbst Auto fahren!), wenn neben den Schmerzen eines der folgenden Warnzeichen auftritt:
Wichtig: Wenn Sie noch nie einen Nierenstein hatten, diagnostizieren Sie sich bitte nicht selbst! Ähnliche Schmerzen können auch ganz andere Ursachen haben. Gehen Sie unbedingt noch am selben Tag zu Ihrer Ärztin oder zu Ihrem Arzt!
Harnsteine bleiben oft lange unbemerkt oder lösen lediglich unklare Beschwerden aus (z.B. ein „Ziehen“ in der Flanke). Gelangen sie jedoch in die Harnwege, verursachen sie plötzliche, sehr starke und sich wiederholende Schmerzen (Koliken) in der Leiste, im Unterbauch und/oder im Bereich der Hoden oder der Schamlippen. Verstärkter Harndrang und Blut im Urin können dazukommen.
Sofern Sie bereits Harnsteine hatten, die Ursachen ärztlich abgeklärt wurden und keines der genannten Warnzeichen vorliegt (siehe Info-Kasten „Wann sofort zum Arzt?“), können zu Hause folgende Maßnahmen helfen:
Wenn die Schmerzen nachlassen:
Zunächst fragt der Arzt oder die Ärztin die Patientin oder den Patienten nach der Krankheits- und auch nach der Familiengeschichte, da für die Bildung von Harnsteinen auch eine weitervererbte Erkrankung zugrunde liegen kann, z.B. eine Zystinurie. Ernährungsgewohnheiten und Lebensumstände können ebenfalls eine Rolle spielen (siehe Ursachen für Harnsteine). Es folgt eine körperliche Untersuchung, bei der ein Druckschmerz an einer Bauchseite auf einen Harnstau hinweisen kann.

Darüber hinaus wird der Urin im Labor untersucht. Dabei finden sich oft rote Blutkörperchen als Hinweis auf eine mögliche Harnsteinerkrankung. Eine genauere Abklärung erfolgt dann meist durch eine schmerz- und strahlungsfreie Ultraschalluntersuchung, die dem Arzt oder der Ärztin Informationen über die Lage und Größe des Harnsteins gibt. Bei Bedarf liefern weitere bildgebende Methoden wie Computertomographie (CT) und Röntgen zusätzliche Informationen.
Ob eine Entfernung von Harnsteinen erforderlich ist, richtet sich nach verschiedenen Faktoren, insbesondere nach der Größe, Lage und Zusammensetzung des Steins sowie nach den individuellen Beschwerden. Nicht jeder Harnstein muss sofort entfernt werden. Folgende Behandlungsmöglichkeiten kommen infrage:1,25
Bei kleinen Steinen (etwa 5 bis 7 mm) warten Ärztinnen und Ärzte meist erst einmal ab, ob sie spontan von selbst abgehen. In dieser Zeit ist es vor allem wichtig, ausreichend zu trinken. Denn eine dadurch gesteigerte Urinmenge und vermehrtes Wasserlassen können die Wahrscheinlichkeit eines „Steinabgangs“ verbessern. Auch körperliche Aktivität (Bewegung, Sport) kann helfen, die Steine im Harnleiter vorzubewegen und ihren Abgang unterstützen.1,7
Diese dient dazu, Schmerzen zu lindern und den Harnleiter zu entkrampfen. Auch können spezielle Medikamente eingesetzt werden, um bestimmte Steine gezielt aufzulösen. Diese Behandlung ist jedoch nicht für alle Steinzusammensetzungen geeignet. Welche Medikamente infrage kommen, entscheidet die Ärztin oder der Arzt individuell.
Wenn Steine Beschwerden machen, zu groß sind oder die Harnwege blockieren, kann eine Steinentfernung nötig sein. Die Wahl des Verfahrens hängt von der Größe, Art und Lage des Steins ab. Folgende Verfahren kommen infrage:
Die Extrakorporale Stoßwellenlithotripsie (kurz ESWL) ist eine Behandlungsmethode, mit der Nieren- oder Harnleitersteine ohne Operation zertrümmert werden. Dabei werden von außen Schallwellen gezielt auf den Stein gerichtet. Diese Wellen zerschlagen den Stein in kleinste Stücke, die dann mit dem Urin ausgeschieden werden können. Die Behandlung erfolgt in der Regel ambulant und ist schmerzarm. Meist ist keine Vollnarkose erforderlich; oft reichen leichte Schmerz- oder Beruhigungsmedikamente. Eine Behandlung dauert etwa 30–60 Minuten. Danach können Sie meist am selben oder am nächsten Tag wieder normal arbeiten.
Ein Vorteil der ESWL ist, dass sie keine Operation erfordert, was das Risiko von Infektionen und anderen möglichen Folgeerkrankungen verringert und eine schnellere Erholung ermöglicht.8 Die ESWL eignet sich vor allem für kleinere und weichere Steine, insbesondere solche, die sich in der Niere oder im oberen Harnleiter befinden. Bei größeren Steinen (über etwa 1,5 cm) wird diese Methode meistens nicht mehr angewendet, da häufig mehrere Behandlungen notwendig wären und die zurückbleibenden Steinbruchstücke beim Abgang über die Harnwege Koliken verursachen können.
Obwohl die ESWL eine bewährte und schonende Behandlungsmethode darstellt, wird sie heutzutage seltener angewendet. Grund dafür ist, dass nicht alle Steinarten (z.B. sehr harte Cystinsteine bei Zystinurie) auf Stoßwellen ansprechen und andere Verfahren (siehe die nachfolgenden Beschreibungen) teilweise gezieltere Therapien bieten.
Dabei handelt es sich um eine Operationsmethode, welche die natürliche Körperöffnung der Harnröhre nutzt. Mit einem sogenannten Endoskop, einem sehr dünnen medizinischen Gerät mit Kamera und Lampe, kann die Harnröhre, die Blase, der Harnleiter und das Nierenbecken untersucht werden. Ist der Harnstein gefunden, kann dieser entfernt oder mit einem Laserstrahl zertrümmert und abgetragen werden. Eine URS erfolgt überwiegend unter Vollnarkose, Sie spüren also nichts davon. Die meisten Patienten können das Krankenhaus am selben oder nächsten Tag wieder verlassen.
Bei diesem Verfahren gelangt die Ärztin oder der Arzt von außen durch die Haut in die betroffene Niere. Dabei wird ein kleiner Hautschnitt gemacht, über den ein röhrenartiger Zugang bis in die Niere geschoben wird. Auch hier kann ein Harnstein mit einem Laser zertrümmert und anschließend geborgen werden.
Die PCNL muss in einer Klinik durchgeführt werden und immer in Vollnarkose. Sie schlafen also während der gesamten Operation und spüren nichts. Danach sind Wund- und Flankenschmerzen normal, sie lassen sich mit Schmerzmitteln (z.B. Ibuprofen) aber gut beherrschen. Leicht blutig gefärbter Urin ist in den ersten Tagen nach einer PCNL üblich und kein Grund zur Sorge. Essen und Trinken dürfen Sie in der Regel schon am Abend des Operationstages. Insgesamt müssen Sie für den Eingriff 2–5 Tage in der Klinik bleiben. Nach der Entlassung gilt für die ersten zwei Wochen: kein Sport, nichts Schweres heben. Bei einer überwiegend sitzenden Tätigkeit sind viele Menschen nach etwa einer Woche wieder einsatzfähig, bei körperlich anstrengender Arbeit sollten Sie eher zwei bis drei Wochen einplanen. Die vollständige Erholung dauert etwa zwei bis vier Wochen.
Eine sogenannte „Bauchspiegelung“, also eine Operation mit kleinen Schnitten im Bauch, durch die eine kleine Kamera und chirurgische Instrumente eingeführt werden, oder eine offene Operation am Bauch kommt nur in besonderen Ausnahmefällen zum Einsatz.
Dabei handelt es sich um einen dünnen, weichen Kunststoffschlauch, der von der Blase bis in das Nierenbecken geschoben wird. An beiden Enden rollt er sich zu einer Schlaufe ein, daher der Name „Doppel-J". Diese Kringel verhindern das Verrutschen. Die Aufgabe einer solchen Schiene ist einfach und wichtig: Sie hält den Weg für den Urin offen. Nach einer Steinentfernung kann die Harnleiterwand anschwellen, durch den Harnstein selbst, die OP-Instrumente oder durch Bruchstücke des Harnsteins. Ohne DJ-Schiene könnte sich der Urin zurückstauen, was heftige Koliken, im ungünstigsten Fall eine Infektion oder eine Schädigung der Niere nach sich ziehen kann. Die Schiene ist also eine Absicherung dafür, dass das OP-Gebiet in Ruhe abheilen kann.
Die Harnleiterschiene wird meist während der Operation eingelegt, in der auch der Stein entfernt wurde, über die Harnröhre, mit einem Endoskop, ohne zusätzlichen Schnitt. Von außen ist nichts zu sehen. Manchmal kann die Schiene auch schon vor der Steinentfernung eingesetzt werden. Der wichtigste Fall ist der Notfall: Blockiert ein Stein den Harnleiter und kommt eine Infektion oder ein Nierenversagen hinzu, kann zunächst nur der Urinstau entlastet werden – per Schiene. Der Stein selbst bleibt vorerst liegen und wird erst entfernt, wenn die Infektion vollständig ausgeheilt ist. Das klingt nach Verzögerung, ist aber eine bewusste Sicherheitsentscheidung: Eine Steinoperation im infizierten Harntrakt wäre deutlich riskanter.25
Daneben kann eine DJ-Schiene zur Vorbereitung einer Operation eingelegt werden. Das kann die Chance erhöhen, den Stein in nur einer Operation vollständig zu entfernen, weil sie den Harnleiter sanft aufdehnt. Routine ist das aber nicht. Die aktuelle Leitlinie hält den Einsatz einer DJ-Schiene zur Vorbereitung einer Steinentfernung nicht unbedingt für jede Patientin oder für jeden Patienten für erforderlich und weist darauf hin, dass sich das Infektionsrisiko erhöhen kann, je länger die Schiene in den Harnwegen eingesetzt bleibt. Auch deshalb entscheidet der Arzt oder die Ärztin individuell, ob und wie lange eine DJ-Schiene verwendet wird.25
Abschließend nennt die Leitlinie noch den Fall, dass der Arzt oder die Ärztin das Endoskop nicht durch den Harnleiter schieben kann, weil es dort z. B. an einer Stelle zu eng wird. Auch dann kann eine DJ-Schiene eingelegt und die OP ein bis zwei Wochen später erneut versucht werden.25
Untersuchungen mit Fragebögen zeigen allerdings, dass sich wegen der Schiene bei vielen Patientinnen und Patienten Beschwerden entwickeln können, welche die Lebensqualität beeinträchtigen können.26,27,28 Typisch sind:
Besonders der Flankenschmerz beim Wasserlassen ist harmlos. Es fühlt sich unangenehm an, richtet aber keinen Schaden an. Zudem lassen sich die Beschwerden mit Medikamenten lindern. Fragen Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt ausdrücklich danach, wenn Ihnen die DJ-Schiene Unannehmlichkeiten bereitet. Sie ist keine Zumutung, die Sie aushalten müssen. Ausreichend trinken kann ebenfalls helfen. Schweres Heben kann die Beschwerden dagegen eher verstärken.
Nach einer Steinentfernung bleibt die DJ-Schiene meist wenige Tage, in manchen Fällen auch 2–4 Wochen liegen. Die genaue Dauer bestimmt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt. Eine Schiene darf nicht unbegrenzt liegen bleiben. Auf ihrer Oberfläche kann sich mit der Zeit ein Belag bilden, der verkrusten und selbst zu Steinmaterial werden kann. Muss eine DJ-Schiene ausnahmsweise länger bleiben, wird sie alle drei bis sechs Monate gewechselt. Notieren Sie sich deshalb den vereinbarten Entfernungstermin und gehen Sie unbedingt hin.
Entfernt wird die DJ-Schiene dann in örtlicher Betäubung, mit einer kurzen Blasenspiegelung. Die Schiene wird mit einer feinen Zange gefasst und herausgezogen. Der Vorgang dauert nur Sekunden, der gesamte Termin wenige Minuten, und Sie können danach sofort nach Hause gehen. Eine Narkose ist dafür nicht nötig. Nach der Entfernung einer Harnleiterschiene kann es noch ein bis zwei Tage brennen oder häufiger drängen. Danach ist der „Spuk“ vorbei.9,10,11
Wenn ein Harnstein entfernt oder auf natürlichem Weg beim Wasserlassen ausgeschieden wurde, ist die Behandlung noch nicht vollständig abgeschlossen. Jetzt geht es darum, die Ursache(n) für den Harnstein zu finden, denn oft liegt einem Harnsteinleiden eine andere Erkrankung oder Stoffwechselstörung zugrunde (siehe Ursachen für Harnsteine). Der Arzt oder die Ärztin sollte daher genau hinschauen.

Um herauszufinden, welche Erkrankung möglicherweise zu den Harnsteinen geführt hat, lässt die Ärztin oder der Arzt den Harnstein (oder kleine Bruchstücke davon) von einem Speziallabor analysieren, um die Steinzusammensetzung genau bestimmen zu lassen. Eine Harnsteinanalyse sollte bei jedem ersten Harnstein durchgeführt werden.1
Sollten sich
erneut Harnsteine bilden, sollte ebenso eine Harnsteinanalyse durchgeführt werden.1,25
Nach einer Stoßwellenbehandlung (ESWL) können Patientinnen und Patienten kleinste Stein-Bruchstücke selbst auffangen, indem sie den Urin durch ein feines Sieb oder einen Filter laufen lassen. Auch winzige Fragmente sind für eine Laboruntersuchung ausreichend und liefern wertvolle Informationen zur Zusammensetzung des Steins. Die Kenntnis über die Art des Harnsteins ist von großer Bedeutung, wenn es um die Vorbeugung einer erneuten Steinbildung geht (mehr dazu in diesem Abschnitt).
Die Harnsteinanalyse ist eine Kassenleistung, denn als Versicherte(r) in der Gesetzlichen Krankenversicherung haben Sie einen Anspruch darauf. Falls nach dem Abgehen oder der Entfernung eines Steins keine Analyse veranlasst wurde, fragen Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt aktiv danach. Nur wenn die Steinzusammensetzung bekannt ist, kann wirksam gegen eine Neubildung vorgebeugt werden. Tipp: Fangen Sie Steine z.B. mit einem Kaffeefilter oder feinen Sieb aus dem Urin auf.
Nierensteine gehören zu den schmerzhaftesten Erlebnissen, die der Körper kennt. Betroffene vergleichen die Schmerzen häufig mit Wehen. Die gute Nachricht: Die meisten Harnsteine lassen sich gut behandeln, und mit der richtigen Vorbeugung lässt sich das Risiko für neue Steine deutlich senken. Nachfolgend eine Übersicht über verschiedene Arten von Harnsteinen, und deren Häufigkeit:12
| Steinzusammensetzung (mineralische Bezeichnung) | Häufigkeit | Mögliche Ursachen |
|---|---|---|
| Calciumoxalat (Whewellit bzw. Weddelit) | ca. 75% | Oxalat-reiche Lebensmittel |
| Harnsäure (Uricit) | ca. 12,5 % | Übergewicht, Gicht, Ernährungsumstellung |
| Magnesium-Ammonium-Phosphat (Struvit) | ca. 6% | „Infektsteine“ Bakterien, die Harnstoff mit dem Enzym Urease, spalten und Ammoniak freisetzen. |
| Calciumphosphat (Brushit, Dahllit) | ca. 6,5% | Renal-tubuläre Azidose (die Nieren können Säure nicht richtig ausscheiden) Überfunktion der Nebenschilddrüsen Harnwegsinfektionen Zu hoch dosierte Medikamente |
| Cystin | ca. 0,5 – 1% | Zystinurie, eine Erbkrankheit |
| Xanthin | extrem selten |

Auf Grundlage der Voruntersuchung des Patienten oder der Patientin (Ultraschall, Krankengeschichte, Untersuchung der Urin- und Blutprobe) und der Ermittlung der genauen Steinart kann der Arzt oder die Ärztin erkennen, ob es sich beim Patienten um einen sogenannten Hoch- oder Niedrigrisikopatienten handelt. Dabei versteht man hier unter Risiko, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass sich Harnsteine neu bilden und sich begleitende Erkrankungen verschlechtern. Liegen keine Risiken vor, gehören die Patientinnen und Patienten in die Niedrigrisikogruppe – etwa drei Viertel aller Harnsteinpatienten. Für diese Patienten sind die bereits beschriebenen Untersuchungen ausreichend. Etwa ein Viertel der Patienten benötigt eine besondere, von der Steinzusammensetzung abhängige Untersuchung, um eine noch gezieltere Vorbeugung von Harnsteinen einzuleiten, denn diese Hochrisikopatienten haben ein erhöhtes Risiko hinsichtlich der Neubildung von Harnsteinen.13
Ein Hochrisiko liegt unter anderem bei frühem Auftreten von Harnsteinen im Kindesalter oder bei Jugendlichen, bei Einzelniere oder bei dauerhaften Darmerkrankungen vor.1 Auch Patienten mit genetisch vererbten Steinerkrankungen wie Zystinurie gehören zur Hochrisikogruppe.13

Die zusätzlichen Untersuchungen bei Hochrisikopatienten beinhalten neben einer umfassenden Blutuntersuchung auch die Analyse von zwei sogenannten „24-Stunden-Sammelurinen“. Dabei sammelt die Patientin oder der Patient an zwei verschiedenen Tagen jeweils den gesamten Urin über 24 Stunden. Diese Proben werden anschließend im Labor – abhängig von der Art des Harnsteins – auf die Menge bestimmter Inhaltsstoffe untersucht. Die Ergebnisse geben Hinweise darauf, welche Stoffwechselvorgänge zur Steinbildung beitragen könnten, und dienen als wichtige Grundlage für die zukünftige Behandlung und Vorbeugung. Die Vorbeugung von wiederkehrenden Harnsteinen nennen Experten auch „Rezidivprophylaxe“ oder „Metaphylaxe“.1
Die beschriebene Harnsteinanalyse, die Voruntersuchung des Stoffwechsels sowie die Risikoeinteilung und die weiteren Untersuchungen bei Hochrisikopatienten sind Voraussetzung für eine gezielte Behandlung zur Vorbeugung von Harnsteinen. Je früher, desto besser! Denn nur so gelingt es, die Neubildung von Steinen zu verlangsamen mit dem Ziel, die Nierenfunktion zu erhalten.
Wie bereits erwähnt, ist mit der Steinentfernung die Ursache von Harnsteinen oftmals leider noch nicht behoben und die Behandlung deswegen nicht beendet. Ohne eine geeignete Nachsorge und Vorbeugung von wiederkehrenden Harnsteinen müssen etwa 50% der Patientinnen und Patienten damit rechnen, dass sie innerhalb der nächsten fünf bis zehn Jahre erneut einen Harnstein bilden (ein sogenanntes „Steinrezidiv“). Je nach zugrundeliegender Erkrankung kann das Rezidivrisiko sogar noch höher sein.
Da wiederkehrende Harnsteine auf Dauer die Nieren schädigen können und im schlimmsten Fall zu Nierenversagen führen können, ist eine gezielte Nachsorge und Vorbeugung sehr wichtig, um erneute Steine zu vermeiden. Durch eine gezielte Vorsorge (Rezidivprophylaxe) kann die Wahrscheinlichkeit der Neubildung von Harnsteinen auf etwa 10-15% gesenkt werden.6
Etwa drei Viertel der Steinpatienten gehören zur Niedrigrisiko-Gruppe. Für sie sind allgemeine Maßnahmen zur Vorbeugung ausreichend. Die wichtigste Maßnahme ist, ausreichend viel zu trinken, um die Bildung neuer Harnsteine zu verhindern. Um eine Harnmenge von mindestens 2-2,5 Liter pro Tag zu erreichen, ist auch eine Trinkmenge von mindestens 2,5-3 Liter pro Tag erforderlich.1 Die Flüssigkeit sollte dabei gleichmäßig über 24 Stunden (also auch in der Nacht) eingenommen werden, um zu hohe Mengen steinbildender Substanzen im Urin zu vermeiden.
Ebenso wird Steinbildnern eine ausgewogene Ernährung empfohlen: Sie soll abwechslungsreich mit einem hohen Anteil an pflanzlichen Lebensmitteln wie Obst, Gemüse, Salate und Getreideprodukte sowie eine maßvoller Verzehr von Fleisch, Wurst und Fisch.14

Für Patientinnen und Patienten der Hochrisikogruppe gelten neben den allgemeinen Maßnahmen (ausreichende Trinkmenge, ausgewogene Ernährung und Bewegung) auch zusätzliche gezielte Behandlungsstrategien.
Diese umfassen:
Welche Behandlung im Einzelnen sinnvoll ist, hängt von der Steinart und den Ergebnissen der erweiterten Stoffwechseluntersuchungen ab, die von der Ärztin oder dem Arzt durchgeführt und ausgewertet werden.
Rund drei Viertel aller Steinpatienten haben, wie schon erwähnt, ein niedriges Rückfallrisiko. Für sie genügen allgemeine Vorsorge-Maßnahmen (siehe oben). Etwa ein Viertel gehört jedoch zur Hochrisikogruppe. Ein einziger zutreffender Punkt aus der folgenden Liste reicht aus, um dazuzuzählen.1 Sie können die Unterpunkte jeweils ausklappen, um weitere Details zu erfahren.
Diese Diagnosen sind selten, aber wenn eine davon bei Ihnen gestellt wurde, gehören Sie in jedem Fall zur Hochrisikogruppe:
Harnsteine können auch durch ein Arzneimittel entstehen. Manche Wirkstoffe können auch noch im Urin wirksam sein oder die Steinbildung fördern. Bringen Sie zum Arzttermin eine vollständige Liste aller Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel mit, die Sie einnehmen.
Diese Punkte stehen in den Arzt-Befunden von Ultraschall, CT oder Urogramm. Wenn Sie unsicher sind, fragen Sie gezielt bei Ihrer Ärztin oder Ihrem nach:
Die beiden hier genannten Punkte sind ebenfalls selten und betreffen vor allem bestimmte Berufsgruppen.
In den sozialen Netzwerken, in Online-Foren, aber auch in Ratschlägen, die in der Familie oder im Freundeskreis ausgetauscht werden, sind noch immer einige Halbwahrheiten und Mythen im Umlauf, die sich aber, wenn sie nicht hinterfragt werden, ungünstig auf den weiteren Verlauf eines Harnsteinleidens auswirken können. Deshalb klären wir hier die fünf häufigsten Irrtümer auf und erklären, was wirklich stimmt.
Das ist chemisch schlicht falsch. Die Kohlensäure im Sprudelwasser zerfällt im Körper rasch zu Wasser und Kohlendioxid, das Sie ausatmen. Auf die Zusammensetzung des Urins hat sie praktisch keinen Einfluss. Dieser Irrtum entsteht möglicherweise durch eine Verwechslung mit zuckerhaltigen Softdrinks. Für Cola und gesüßte Limonaden ist ein erhöhtes Steinrisiko tatsächlich belegt. Verantwortlich sind dort aber der Fruchtzucker und die Phosphorsäure, nicht die Kohlensäure. Bicarbonat-reiche Mineralwässer können den pH-Wert des Urins sogar anheben und so die Bildung bestimmter steinhemmender Substanzen steigern.15,16
Richtig ist also: Sprudelwasser dürfen Sie bedenkenlos trinken, entscheidend ist die Menge, nicht die Bläschen. Meiden sollten Sie gezuckerte Limonaden.
Es klingt erst mal plausibel: Der Stein besteht aus Calcium-Oxalat, also weniger Calcium essen. Tatsächlich kann eine calciumarme Ernährung das Gegenteil bewirken. Der Grund: Calcium bindet Oxalat bereits im Darm zu einem unlöslichen Komplex, der einfach ausgeschieden wird. Fehlt das Calcium in der Nahrung, bleibt mehr freies Oxalat übrig, wird ins Blut aufgenommen und landet im Urin, wo es sich dann doch wieder mit Calcium verbindet, nur eben in der Niere. Zusätzlich kann eine calciumarme Kost langfristig den Knochen schaden.17
Bei seltenen Steinarten wie Cystinsteinen spielt Calcium keine ursächliche Rolle. Dennoch sollten etwa 1.000 mg Calcium pro Tag aufgenommen werden. Ein Verzicht ist auch hier nicht sinnvoll. Welche Ernährungsmaßnahmen stattdessen für Sie individuell relevant sind, hängt immer von Ihrer Steinart ab. Sprechen Sie darüber mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Richtig ist also: Normale Calcium-Mengen über die Nahrung beibehalten (Milchprodukte zu den Mahlzeiten, nicht zwischendurch). Reduzieren sollten Sie stattdessen Kochsalz und tierisches Eiweiß. Und noch ein Hinweis: Vor der Einnahme von hochdosierten Kalziumpräparaten (Nahrungsergänzungsmitteln) sollten Sie unbedingt mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt sprechen.
Vitamin C hat den Ruf, gegen alles Mögliche zu helfen. Bei Harnsteinen aus Calcium-Oxalat trifft eher das Gegenteil zu: Der Körper baut überschüssiges Vitamin C zu Oxalat ab, also genau zu dem Baustein, aus dem Calcium-Oxalat-Steine bestehen. Eine schwedische Studie fand für die regelmäßige Einnahme hochdosierter Vitamin-C-Präparate (rund 1.000 mg täglich) ein etwa verdoppeltes Risiko, erstmals einen solchen Nierenstein zu entwickeln. Für gewöhnliche Multivitaminpräparate mit niedrigerer Dosis fand sich aber kein erhöhtes Risiko, und für Vitamin C aus normalen Lebensmitteln ebenfalls nicht.18
Richtig ist also: Vitamin C aus Obst und Gemüse ist unbedenklich. Hochdosierte Vitamin-C-Präparate sollten Steinpatienten dagegen lieber meiden. Sie schützen nicht, sondern können das Risiko erhöhen.
Große Beobachtungsstudien finden bei Menschen, die regelmäßig Bier trinken, tatsächlich ein niedrigeres Risiko, überhaupt Steine zu entwickeln.19,29 Nur: Der „Wirkstoff“ dabei ist mit hoher Wahrscheinlichkeit schlicht Wasser. Bier besteht zu etwa 95 Prozent daraus. Wer viel Bier trinkt, hat ein hohes Urinvolumen. Denselben Effekt erreichen Sie jedoch auch mit Wasser – ohne Alkohol und ohne Kalorien.
Auch der zweite Mythos-Teil, das „Rausspülen“, ist nicht ganz richtig. Die aktuellen Leitlinien weisen in diesem Zusammenhang zwar darauf hin, dass besonders viel Trinken z. B. nach einer Extrakorporale Stoßwellenlithotripsie (ESWL) die Chance verbessern kann, dass die zertrümmerten Steine von selbst abgehen.
Studien zeigen aber auch, dass ein bereits vorhandener Stein durch besonders viel Trinken nicht schneller abgeht. Bei einem blockierten Harnleiter kann der zusätzliche Druck durch die Flüssigkeit die Kolik sogar verstärken.20 Zudem enthält Bier Substanzen, die den Harnsäurespiegel heben können. Für Menschen mit Harnsäuresteinen ist Bier damit ebenfalls ungünstig.
Richtig ist also: Bei einer akuten Kolik hilft Bier nicht. Zur Vorbeugung wirkt das Wasser im Bier. Aber kein(e) Mediziner(in) wird Ihnen Alkohol als Steinprophylaxe empfehlen. Und um Missverständnissen vorzubeugen: Insgesamt auf Flüssigkeit zu verzichten, also extra wenig zu trinken, ist ebenfalls keine gute Idee.
Ohne Vorbeugung erleidet tatsächlich etwa die Hälfte aller Betroffenen mindestens ein Rezidiv innerhalb von fünf bis zehn Jahren, je nach Steinart bis zu 89 Prozent. Aber genau das ist beeinflussbar. Mit einer auf die Steinart und auf das Rückfallrisiko ausgerichteten vorbeugenden Therapie lässt sich das Rückfallrisiko auf 10 bis 15 Prozent senken.6
Richtig ist also: Ein Steinereignis allein lässt keinen Rückschluss zu, dass das in der gesamten Lebenszeit wieder passieren muss. Entscheidend ist die Steinanalyse. Erst sie zeigt, welcher Mechanismus bei Ihnen wirkt und welche Gegenmaßnahmen helfen. Und diese können das Rückfallrisiko deutlich senken.
Hier finden Sie die wichtigsten Fragen und Antworten rund um das Thema Harnsteine – einfach und verständlich erklärt. Diese Informationen ersetzen allerdings keine professionelle medizinische Abklärung. Für weitere Fragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Ihre Ärztin!
Harnsteine sind feste Ablagerungen, die sich in den Nieren, den Harnleitern oder der Blase bilden. Sie bestehen meist aus Mineralien oder Salzen und können unterschiedlich groß sein – von winzig klein bis mehrere Zentimeter.
Harnsteine entstehen, wenn sich bestimmte Stoffe im Urin zu Kristallen verbinden. Ursachen können Flüssigkeitsmangel, Ernährung, Stoffwechselstörungen, genetische Erkrankungen (wie Zystinurie), Infektionen oder Engstellen in den Harnwegen sein.
Harnsteine sind sehr häufig: Weltweit sind 3 bis 11 % der Bevölkerung betroffen. In Deutschland erkranken jedes Jahr etwa 1,2 Millionen Menschen daran.2
Nicht jeder Harnstein macht Beschwerden. Häufige Symptome sind starke, wellenförmige Schmerzen im Rücken oder Bauch (Nierenkolik), Blut im Urin, Übelkeit oder Probleme beim Wasserlassen. Fieber und Schüttelfrost können auf eine Infektion hinweisen und sind ein Notfall.
Die Diagnose erfolgt meist durch Ultraschall oder Röntgen. Auch eine Urinuntersuchung kann Hinweise geben. Manchmal werden Harnsteine zufällig entdeckt, zum Beispiel bei einer Routineuntersuchung.
Kleine Steine gehen oft von selbst ab – viel trinken und Bewegung helfen. Bei Schmerzen oder größeren Steinen können Medikamente oder verschiedene Verfahren zur Entfernung nötig sein, zum Beispiel Stoßwellenbehandlung oder eine Operation.
Bei einer Harnsteinanalyse wird die Zusammensetzung des Steins im Labor untersucht. Das hilft, die Ursache zu erkennen und die Vorbeugung individuell anzupassen, um neue Steine zu verhindern.
Die wichtigste Maßnahme: viel trinken! Achten Sie außerdem auf eine ausgewogene, pflanzenreiche Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Getreideprodukten sowie maßvollem Fleisch-, Wurst und Fischkonsum. Lassen Sie sich regelmäßig ärztlich kontrollieren, besonders wenn Sie schon Harnsteine hatten. Für Menschen mit erhöhtem Risiko für wiederkehrende Harnsteine können weitere Maßnahmen oder Medikamente nötig sein.1,25
Ja, wiederkehrende oder unbehandelte Harnsteine können die Nieren auf Dauer schädigen und im schlimmsten Fall zu Nierenversagen führen. Deshalb sind eine gezielte Behandlung und Nachsorge sehr wichtig.
Harnsteine können meist gut behandelt werden. Mit der richtigen Vorbeugung und Nachsorge lässt sich das Risiko für neue Steine deutlich senken.6
Das lässt sich so pauschal nicht beantworten, weil zum einen nicht genug wissenschaftliche Daten vorliegen und zum anderen erhebliche Unterschiede zwischen einzelnen Patientinnen und Patienten bestehen. Vieles spricht jedoch dafür, dass vor allem zwei Faktoren darüber entscheiden, ob und wie schnell ein Harnstein von selbst abgeht: wie groß der Stein ist und wo er sich im Harnleiter befindet. Diese Verbindung zwischen Niere und Blase ist etwa 25 bis 30 Zentimeter lang. Je weiter ein Stein auf diesem Weg schon vorangekommen ist, desto besser stehen die Chancen. Steine unter 5 mm, das entspricht etwa einem Streichholzkopf, gehen in rund drei von vier Fällen von selbst ab. Ab 5 mm sinkt die Quote auf etwa sechs von zehn. Werden Lage und Größe zusammen betrachtet, ergibt sich folgende Prognose: ein kleiner Stein unter 5 Millimetern, der bereits kurz vor der Blase liegt, geht in etwa 89 % der Fälle von allein ab. Sitzt derselbe Stein aber noch oben in der Nähe der Niere, sind es nur noch 71 %. Grundsätzlich scheint zu gelten: Je größer der Stein, desto unwahrscheinlicher der spontane Abgang. Wie lange es bis dahin dauert, lässt sich ebenfalls nicht sehr gut vorhersagen. Im Schnitt vergehen etwa 17 Tage, üblicherweise zwischen 6 und 29 Tagen.25,30,31 Diese Wartezeit kann belastend sein. Sie bedeutet aber nicht, dass nichts geschieht. Mit einer Bildgebung (Ultraschall) kann Ihre Ärztin oder Ihr Arzt die Situation deutlich genauer einschätzen.
Wärme auf der schmerzenden Flanke, z. B. eine Wärmflasche, ein warmes Bad oder eine warme Dusche, entspannt die verkrampfte Harnleitermuskulatur und lindert spürbar. Auch entzündungshemmende Schmerzmittel wie z. B. Ibuprofen können helfen. Beachten Sie aber die Packungsbeilage und fragen Sie bei Vorerkrankungen Ihre Ärztin oder Ihren Arzt. Kommen Fieber, Schüttelfrost, anhaltendes Erbrechen oder ein Versiegen des Urins hinzu, ist das ein Notfall! Dann sofort die 112 rufen.
Die gute Nachricht zuerst: Die meisten Steine gehen auch in der Schwangerschaft von selbst ab. Die Angaben in der Fachliteratur schwanken jedoch erheblich, zwischen etwa der Hälfte und gut vier Fünfteln der Fälle. Zuverlässige wissenschaftliche Studien liegen eher bei zwei Dritteln. Entscheidend ist auch hier, wo der Stein sitzt: Steine im unteren Harnleiter gehen deutlich häufiger ab als solche direkt unterhalb der Niere.32,33,34 Deshalb sieht die aktuelle Leitlinie vor, zunächst abzuwarten und vermehrt zu kontrollieren, ob sich die Lage oder Größe des Steines verändert hat.1,25 Zur Bildgebung wird dann Ultraschall eingesetzt und Röntgen möglichst vermieden, besonders im ersten Drittel der Schwangerschaft. In etwa 20 bis 30 Prozent der Fälle wird dennoch eine Operation nötig, etwa bei sehr starken Schmerzen, komplettem Harnstau oder einer Infektion. Ist eine OP nötig, wird meist zunächst nur der Urinabfluss über eine Harnleiterschiene gesichert und der Stein nach der Geburt entfernt. Die sogenannte Stoßwellenlithotripsie (ESWL) ist in der Schwangerschaft absolut verboten.32,33,34
Nein, und das überrascht viele. Kaffee ist in großen Studien sogar mit einem niedrigeren Steinrisiko verbunden. In einer Auswertung von über 217.000 Teilnehmenden hatten Menschen mit der höchsten Koffeinzufuhr ein um 26 bis 31 Prozent geringeres Risiko. Koffein erhöht die Urinmenge und senkt die Oxalatkonzentration im Urin. Zwei Einschränkungen bleiben: Kaffee ersetzt kein Wasser, und stark gezuckerte Kaffeegetränke sind wegen des Zuckers ungünstig.21
Eine DJ-Schiene, auch Harnleiterschiene genannt, kann vor, während oder nach der Steinentfernung in Vollnarkose oder während einer kurzen Rückenmarksnarkose (Spinalanästhesie) eingesetzt werden . Es handelt sich dabei um einen dünnen, weichen Kunststoffschlauch, der vom Nierenbecken bis in die Blase reicht, den Harnleiter weitet und den Urinabfluss sichert. Entfernt wird sie ambulant in örtlicher Betäubung mit einer kurzen Blasenspiegelung. Der Vorgang selbst dauert nur Sekunden, der ganze Termin wenige Minuten, und Sie können danach sofort nach Hause. Unangenehm ist es kurz, aber die Beschwerden, die viele mit der liegenden Schiene hatten, hören danach meistens auf.
Ob Stress selbst Harnsteine verursacht, ist wissenschaftlich nicht geklärt. Eine kleinere Untersuchung fand bei stark belasteten Personen Veränderungen der Urinzusammensetzung, eine spätere Studie konnte diesen Zusammenhang jedoch nicht bestätigen.35,36 Die Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Urologie empfiehlt „Stressbegrenzung" dennoch als allgemeine Maßnahme. Vielleicht ist der Grund auch folgender: Wer unter Druck steht, trinkt weniger, lässt Pausen ausfallen und hält den Harndrang zurück. Dieses Verhalten kann die Bildung von Steinen fördern.1

Informationen zu Ursachen von Harn- und Nierensteinen, Entstehung, Risikofaktoren und Symptomen, bei denen Sie eine Ärztin oder einen Arzt aufsuchen sollten.
Leitung:
Privatdozentin Dr. med. Julia Heinzelbecker, Fachärztin für Urologie und Kinderurologie, leitende Oberärztin im Universitätsklinikum Homburg/Saar

Informationen über Therapiemöglichkeiten bei verschiedenen Arten von Harnsteinen sowie Vorsorge- und Nachsorgemaßnahmen.
Leitung:
Prof. Dr. Thomas Knoll. Facharzt für Urologie, Chefarzt Abt. Urologie, Klinik Sindelfingen
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1 DGU. S2k-Leitlinie zur Diagnostik, Therapie und Rezidivprophylaxe der Urolithiasis (AWMF Registernummer 043 - 025). Aktualisierung 2018. https://register.awmf.org/assets/guidelines/043-025l_S2k_Diagnostik_Therapie_Metaphylaxe_Urolithiasis_2019-07_1-abgelaufen.pdf (abgerufen am 04.09.2026).
2 Hesse A, Brändle E, Wilbert D, Köhrmann KU, Alken P. Study on the prevalence and incidence of urolithiasis in Germany comparing the years 1979 vs. 2000. Eur Urol. 2003 Dec;44(6):709-13. doi: 10.1016/s0302-2838(03)00415-9. PMID: 14644124.
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6 Fisang C, Anding R, Müller SC, Latz S, Laube N: Urolithiasis – interdisziplinäre Herausforderung in Diagnostik, Therapie und Metaphylaxe. Deutsches Ärzteblatt International 2015;112(6):83–91. DOI: 10.3238/arztebl.2015.0083
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11 Wang, J., Zhang, X., Zhang, T. et al. The role of solifenacin, as monotherapy or combination with tamsulosin in ureteral stent-related symptoms: a systematic review and meta-analysis. World J Urol 35, 1669–1680 (2017). https://doi.org/10.1007/s00345-017-2051-3
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30 Shah TT, Gao C, Peters M, Manning T, Cashman S, Nambiar A, Cumberbatch M, Lamb B, Peacock A, Van Son MJ, van Rossum PSN, Pickard R, Erotocritou P, Smith D, Kasivisvanathan V; British Urology Researchers in Surgical Training (BURST) Collaborative MIMIC Study Group. Factors associated with spontaneous stone passage in a contemporary cohort of patients presenting with acute ureteric colic: results from the Multi-centre cohort study evaluating the role of Inflammatory Markers In patients presenting with acute ureteric Colic (MIMIC) study. BJU Int. 2019 Sep;124(3):504-513. doi: 10.1111/bju.14777. Epub 2019 May 14. PMID: 31001912.
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DE-DES-260924
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