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Ernährung bei Morbus Parkinson – Zusammenhänge und Ernährungstipps

Es gibt keine spezielle Ernährung oder Diät, die bei Parkinson eine Heilung bewirken kann. Dennoch ist es mit einer zielgerichteten Kost und bestimmten Maßnahmen oft möglich, die Lebensqualität der Betroffenen zu steigern und auch den Genuss und die Freude am Essen wiederzufinden. Denn gerade für Parkinson-Patienten ist die Nahrungsaufnahme aufgrund von Schluckstörungen, Verdauungsstörungen und vermindertem Geruchs- und Geschmacksempfinden häufig problematisch.

Bei der Einnahme des Parkinson-Medikamentes L-Dopa ist außerdem Vorsicht beim Verzehr von Eiweiß geboten. Zwar ist Eiweiß ein wichtiger Nährstoff und Bestandteil einer gesunden Ernährung, da Proteine sättigen und gleichzeitig ein wichtiger Baustein für Zellen und Muskeln sind. Doch Eiweiß kann die Wirkung von L-Dopa beeinträchtigen, da es seine Aufnahme hemmt. Auch hierfür haben wir wichtige Ernährungstipps & Informationen für Sie zusammengestellt.

Wieso ist gesunde und ausgewogene Ernährung bei Parkinson wichtig?

Gesunde Ernährung ist vor allem entscheidend, um einer Mangelernährung vorzubeugen. Häufig verlieren Parkinson-Patienten an Körpergewicht. Sie haben weniger Appetit und Schwierigkeiten beim Essen, zum Beispiel aufgrund von Schluckstörungen und Verdauungsproblemen. Die Ausprägung der Parkinson-Erkrankung kann beim Überwiegen von Steifigkeit und Unbeweglichkeit zudem mit einer verminderten Kalorienaufnahme einhergehen, weshalb in jedem Fall eine Kontrolle des Körpergewichts erfolgen sollte. Patienten, deren Krankheitsbild durch starkes Zittern gekennzeichnet ist, weisen häufig einen erhöhten Stoffwechselumsatz auf und verlieren auch durch die ständige Muskelaktivität an Gewicht.1 Überbewegungen können ebenfalls zu Gewichtsverlust führen. Die Betroffenen müssen deshalb vielfach mehr Kalorien zu sich nehmen.

Eine gesunde und ausgewogene Kost ist auch nötig, damit der Körper mit Ballaststoffen, wichtigen Nährstoffen wie Vitaminen, Mineralstoffen und Proteinen versorgt wird. Das hilft nicht nur dabei, so weit wie möglich bei Kräften zu bleiben, sondern dient auch der Vermeidung von Begleiterkrankungen wie Osteoporose, die durch die körperliche Inaktivität begünstigt werden. Daher ist die Aufnahme von Vitamin D, K, Kalzium und Magnesium wichtig. Ballaststoffe verbessern außerdem die Verdauung und wirken so einer Verstopfung entgegen. Insgesamt beeinflusst die Ernährung das Wohlbefinden ganz erheblich und hat auch Auswirkungen auf den Effekt der Medikamente, insbesondere die Therapie mit L-Dopa1,2.

Parkinson-Frühsymptome – Auswirkungen auf Magen und Darm

Neben Riech- und Schlafstörungen gehört eine gestörte Magen-Darm-Motilität (Beweglichkeit), zu den Frühsymptomen von Parkinson. Jeder vierte Patient leidet bei Diagnosestellung an einer Verstopfung. In der Folge kommt es auch zu Symptomen im Bereich des gesamten Gastrointestinaltrakts3.

Wieso parkinsonbedingte Verdauungsstörungen zur Mangelernährung führen können

Aufgrund verschiedener Störungen im Verdauungsapparat ist die Nahrungsaufnahme für viele Patienten echte Schwerstarbeit. Daraus kann leicht eine Mangelernährung entstehen.

Zu diesen Verdauungsproblemen gehören vor allem:

  1. Speichelfluss
  2. Schluckstörungen
  3. Magenentleerungsstörungen
  4. Verstopfung (Obstipation)
  5. Verminderter Geruchs- und Geschmackssinn

Nun die wichtigsten Informationen und Ernährungstipps bei Verdauungsstörungen durch Morbus Parkinson.

PDF zu Störungen des Magen-Darm-Bereichs bei Morbus Parkinson
Infos und Tipps zum Umgang mit Verdauungsproblemen bei Morbus Parkinson
Autor: Prof. Dr. med. Wolfgang H. Jost

Tipps rund um die Ernährung bei Parkinson-bedingten Verdauungsproblemen

Speichelfluss

Menschen mit Morbus Parkinson verfügen in der Regel über genauso viel oder sogar weniger Speichel im Vergleich zu Gesunden. Da ein Parkinson-Patient jedoch seltener und weniger schluckt, sammelt sich häufig mehr Speichel im Mund.

Andersherum kann es bei Parkinson auch zum Phänomen der akuten Mundtrockenheit (Xerostomie) aufgrund verminderter Speichelproduktion kommen.

Ernährungstipps bei übermäßigem Speichelfluss:

  • Säurehaltige Lebensmittel regen die Speichelproduktion an
  • Salziges fördert den dünnflüssigen Speichel
  • Vermeiden Sie Süßigkeiten, Puddings und Milchprodukte, weil sie für dicken, zähen und schleimigen Speichel sorgen. Das gilt nicht für Joghurt oder Sauermilch
  • Lange und gründlich kauen
  • Pfefferminz- oder Salbeitee können das Abschlucken des Speichels fördern.
  • Bonbons lutschen wirkt gegen Mundtrockenheit

Schluckstörungen

Schluckprobleme (Dysphagie) beim Parkinson-Syndrom sind ein weit verbreitetes, lange bekanntes Symptom. Manchmal können die Schluckbeschwerden auch abhängig von der Parkinsonmedikation sein. Sie treten bei fester und flüssiger Nahrung auf und führen häufig zum Verschlucken.

Den Patienten kann eine spezielle Kost, eine sogenannte Dysphagie- oder Breikost empfohlen werden, bzw. die Vermeidung der Aufnahme großer Essensstücke. Manche Betroffene berichten wiederum, dass feste Nahrung besser geschluckt werden könne als flüssige. Als ungeeignet erweisen sich meist Speisen von körniger, trockener, faseriger oder harter Konsistenz – sie sind beim Kauen schwerer kontrollierbar bzw. schwer zu kauen. Es ist außerdem wichtig, alles vollständig herunterzuschlucken bevor getrunken wird.

Ernährungstipps bei Schluckstörungen:

  • Trockene Brötchen und Brot lassen sich durch Brei, Quark, Joghurt oder Shakes ersetzen.
  • Mahlzeiten aus verschiedenen Bestandteilen (Nudeln mit Soße oder Kartoffeln, Gemüse und Fleisch) können kleingehackt oder püriert werden.
  • Bei flüssigen Speisen kommt es häufig zum Verschlucken. Besonders ungünstig sind Mischkonsistenzen wie klare Suppe mit Einlagen, denn der flüssige Teil fließt schnell, die festen Teile bleiben hängen. Zum Eindicken können Verdickungsmittel eingesetzt oder alles cremig püriert werden.
  • Sämiger wird ein trockenes Gericht mit Soße oder Obstmus

Magenentleerungsstörungen

Häufig klagen Parkinson-Patienten über Sodbrennen oder Völlegefühl. Meist ist eine verzögerte Magenentleerung die Ursache, die bei Parkinson-Patienten typischerweise auftritt. Das bedeutet, dass es zwei und mehr Stunden dauern kann, bis der Mageninhalt weitertransportiert wird. Infolgedessen quält die Betroffenen nach den Mahlzeiten nicht selten ein Druckgefühl über dem Magen und ein frühes Sättigungsgefühl.

Ernährungstipps bei Magenentleerungsstörungen:

  • Den Magen mit lauwarmem Wasser anregen
  • Bevorzugen Sie magenschonende und leicht verdauliche Lebensmittel wie Kartoffelbrei, leichte Pasta- und Reisgerichte
  • Frischen Sie Ihren Ernährungsplan mit Fisch, Obst und Gemüse auf. Äpfel und anderes hartschaliges Obst besser schälen
  • Alle Nahrungsmittel gründlich kauen

Verstopfungen mit Ballaststoffen entgegenwirken

Die Verstopfung (Obstipation) gilt als ein sehr häufiges Symptom beim Parkinson-Syndrom. Die Verstopfung kann schon Jahre vor der Erkrankung auftreten. Bei Diagnosestellung haben etwa 25 Prozent, im Verlauf sogar ca. 75 Prozent der Betroffenen eine relevante Verstopfung. Zum einen spielt der verzögerte Transport des Darminhalts aufgrund der reduzierten Darmbewegung eine Rolle. Zum anderen werden die Medikation, verminderte Muskelspannung sowie degenerative Veränderungen in den Nervenzellen sowohl im Gehirn als auch in der Darmwand bei Parkinson-Patienten als Ursachen genannt. Mangelnde körperliche Aktivität, verminderte Flüssigkeitsaufnahme oder ballaststoffarme Nahrung können das Problem der Obstipation verstärken.

Mit zunehmendem Alter verlangsamen sich viele Funktionen des Körpers ohnehin schon. Dies trifft in besonderem Maße auf die Verdauungstätigkeit zu. Die Parkinson-Erkrankung verschärft das Beschwerdebild zusätzlich. Verstopfungen zeigen sich übrigens nicht nur durch einen schweren Stuhlgang, sondern auch bereits durch eine verminderte Stuhlfrequenz. Die Spanne für einen gesunden Stuhlgang ist allerdings sehr groß und individuell. Gehen Sie jedoch weniger als drei Mal pro Woche oder häufiger als drei mal pro Tag zur Toilette, könnten Verdauungsprobleme die Ursache sein.

Um den Verstopfungen entgegenzuwirken, ist die Aufnahme einer ballaststoffreichen Ernährung sinnvoll. Ballaststoffe werden vom Körper nicht verdaut, nehmen aber im Darm durch Wasseraufnahme an Volumen zu und erhöhen somit den Druck auf die Darmwände – was wiederum für eine beschleunigte Verdauung sorgt. Dies trifft insbesondere für faserreiche pflanzliche Nahrungsmittel zu. Dazu zählen Gemüse, Getreide und Obst, die einen unterschiedlich hohen Anteil an Faserstoffen enthalten. Besonders faserreich sind Vollkornprodukte, die die faserreiche
Hülle des Getreides beinhalten.

Damit Ballaststoffe ihre beabsichtigte Wirkung entfalten, ist die gleichzeitige Aufnahme von Wasser erforderlich. Ausreichende Trinkmengen sind sehr wichtig, zumal im Alter das Durstgefühl als Indikator des Flüssigkeitshaushaltes wegfällt. Als Grundregel kann hierbei die Aufnahme von 2,5 l am Tag gelten, wobei im Einzelfall, z.B. bei Herzerkrankungen, davon abgewichen werden muss

Ernährungstipps bei Verstopfungen:

  • Kleine Mahlzeiten über den Tag verteilt sind meist leichter verdaulich.
  • Auf ausreichende Flüssigkeitszufuhr achten – 1,5 bis 2 Liter sind empfehlenswert, aber kein schwarzer Tee oder kohlensäurehaltige Getränke.
  • Sorgen Sie dafür, dass Sie genügend Ballaststoffe zu sich nehmen, z. B. in löslicher Form wie Flohsamen oder geschrotetem Leinsamen. Außerdem eignen sich Müsli, Trockenfrüchte in Wasser eingeweicht, Sauerkrautsaft und Vollkornprodukte. Pro Tag sollten außerdem etwa 200 g Gemüse und zwei Stück Obst auf den Teller kommen.
  • Möglichst immer in Ruhe und ganz entspannt essen, kleine Bissen bevorzugen und diese gut kauen.
  • Stopfende Lebensmittel wie Schokolade, Weißmehlprodukte oder Bananen besser meiden.

Ballaststoffreiche Lebensmittel:

  • Rote Grütze (Rote Beeren punkten durch viele Ballaststoffe und sekundäre Pflanzenstoffe)
  • Vollkornnudeln, Vollkornreis, Vollkornbrot, Vollkornkekse
  • Haferflocken
  • Leinsamenbrot
  • Tomaten
  • Gurken
  • Quinoa
  • Pilze
  • Äpfel
  • Kartoffeln
  • Karotten
  • Hülsenfrüchte (z.B. Linsen und Bohnen)
  • Kohlgemüse
  • Sauerkraut

Ballaststoffarme Lebensmittel meiden oder reduzieren:

  • Eis
  • Pudding
  • Kuchen und Torten
  • Weißbrot
  • Fleisch, Wurst und Käse (300g – 600g Fleisch und Wurst pro Woche genügen)
  • Cornflakes
  • Polierter Reis

Verminderter Geruchs- und Geschmackssinn

Dass Riechen und Schmecken zusammengehören, haben die meisten Menschen selbst schon einmal erfahren, wenn etwa im Zuge einer Erkältung plötzlich alle Speisen fade schmecken. Parkinson-Patienten leiden aufgrund ihrer Krankheit häufig unter vermindertem Geruchs- und Geschmackssinn. Das schmälert den Appetit und den Genuss am Essen. Um der Mangelernährung vorzubeugen, ist hier geschmackliche Anregung gefragt.

Ernährungstipps bei vermindertem Geruchs- und Geschmackssinn:

  • Gemüse dämpfen, um Geschmack und Vitamine zu erhalten
  • Verwenden Sie möglichst frische Zutaten
  • Gewürze und Kräuter in einem Mörser fein zermahlen – das regt den Geruchssinn an. Zu grobe Gewürze können außerdem den Rachen reizen und Verschlucken fördern
  • Hacken Sie die verschiedenen Komponenten eines Gerichts, wie Reis, Gemüse und Fisch klein und würzen sie jeweils separat
  • Geben Sie einen kleinen Schuss Olivenöl zu zerkleinerten oder pürierten Speisen. Das verbessert den Geschmack und sorgt für ein angenehmes Mundgefühl
  • Kräuter und Gewürze erst kurz vor dem Anrichten zum Essen geben, damit sich die feinen Aromen nicht verflüchtigen

Mangelernährung bei Parkinson-Patienten hat schwerwiegende Folgen

Wenn es aufgrund der aufgeführten Beschwerden zu einem Gewichtsverlust und einer Mangelernährung kommt, bleibt dies nicht folgenlos. So ist ein vermindertes Körpergewicht assoziiert mit einer Verminderung der Knochendichte, woraus dann vermehrte Knochenbrüche und Krankenhausaufenthalte resultieren 4,5.

Häufig tritt Gewichtsverlust vor allem bei älteren Patienten auf 6. Dabei wird beobachtet, dass eine Abnahme der kognitiven Leistungsfähigkeit bei Parkinson-Patienten mit Gewichtsverlust einhergeht – im Gegensatz zu Betroffenen ohne Gewichtsverlust. Darüber hinaus zeigte sich die Parkinson-Symptomatik bei Patienten mit Gewichtsverlust verstärkt, d. h. auch hier besteht ein Zusammenhang zwischen Fortschreiten der Krankheit und Gewichtsverlust.7

Was tun gegen Mangelernährung?

Bei ihrer Ernährung sollten Parkinson-Patienten darauf achten, dass ihr Essen energiereich ist, um ihre Kräfte und Fähigkeiten weitestgehend zu erhalten. Auch Süßes ist hier durchaus erlaubt, zumindest in Maßen. Wichtig ist, dass s zu einer Versorgung mit Energie kommt und ggf. eine Gewichtszunahme erfolgt.

Tipps für energiereiche Ernährung:

  • Häufig und regelmäßig essen: Nehmen Sie zwischen den Hauptmahlzeiten abwechslungsreiche, sowohl süße als auch herzhafte Zwischenmahlzeiten zu sich
  • Greifen Sie öfter zu Obst und ruhig auch zu einem Stück Kuchen oder Schokolade
  • Wenn es herzhaft sein soll: Geeignet sind etwa Käsewürfel, Gemüse mit Quarkdip, eine Tasse Gemüsecremesuppe
  • Über den Tag verteilt Obstsäfte trinken
  • Gemüse und Beilagen mit Butter anreichern
  • Soßen mit Sahne verfeinern
  • Zwischen vollfetten und mageren Produkten wechseln (Joghurt, Pudding, Quark, Eiscreme, Käse, Aufschnitt)
  • Setzen Sie auf Abwechslung: Einen Tag kommt Fleisch auf den Teller, am nächsten Fisch, Geflügel, Eier oder vegane Speisen. Wechseln Sie zwischen Nudeln, Reis und Kartoffeln, zwischen deftigen Eintöpfen, Pfannkuchen oder Salat mit cremigem Dressing
  • Nachtisch am besten eine halbe Stunde nach der Mahlzeit genießen

Die Einnahme der Parkinson-Medikamente mit der Ernährung abstimmen

Die Aufnahme der Parkinson-Medikation geschieht in aller Regel über den Magen und wird daher durch die Nahrungsaufnahme beeinflusst. Das gilt insbesondere für die Therapie mit L-Dopa, da dies selbst eine Aminosäure ist. L-Dopa wird durch die Darmwand transportiert und konkurriert dabei mit anderen Aminosäuren aus der Nahrung. Eine eiweißreiche Ernährung hat aus diesem Grund einen negativen Effekt auf die Aufnahme des L-Dopa. Denn auch Eiweiß wird über die selben Transportkanäle aufgenommen wie L-Dopa. Der Darm kann über eine bestimmte Zeiteinheit auch nur eine bestimmte Menge an Nährstoffen aus der Nahrung an das Blut weiterleiten. Wird diese begrenzte Menge bereits durch eine große Menge Eiweiß belegt, besonders nach der Aufnahme besonders eiweißreicher Mahlzeiten wie Fleisch oder Fisch, kann weniger L-Dopa aufgenommen werden, wodurch die Wirksamkeit verringert wird.

Aufgrund der Wechselwirkungen zwischen Nahrungsproteinen und der Pharmakokinetik Aufnahme von Levodopa wird den Patienten unter L-Dopa-Therapie empfohlen, das Medikament auf leeren Magen einzunehmen2. Im Idealfall eine halbe Stunde vor oder eine Stunde nach dem Essen. Zusätzlich sollte die notwendige Eiweißmenge in kleinen Portionen über den Tag verteilt aufgenommen werden und nicht in einer großen Mahlzeit. Eine abwechslungsreiche und ausgewogene Kost, die auf viel leicht verdauliches Gemüse und Ballaststoffe setzt, unterstützt dies ohnehin. Auf Eiweiß verzichten sollten Parkinson-Patienten aber auf keinen Fall.

Checkliste: Zusammenfassende Ernährungstipps bei Parkinson

  • Ausgewogene, abwechslungsreiche Kost
  • Wenig (gesättigte) Fette – bei drohender Mangelernährung darf es auch mal etwas mehr sein
  • Ausreichend Ballaststoffe und dazu ausreichend trinken (2 bis 2 1/2 Liter pro Tag). Gerne täglich Kartoffeln. Vollkornbrot und Vollkornnudeln, unpolierter Reis, Vollkornhaferflocken bieten sich ebenso an. So nehmen Sie nicht nur ausreichend Ballaststoffe gegen eventuelle Verdauungsprobleme zu sich, sondern auch weitere wichtige Nährstoffe wie Vitamine, Mineralien und Spurenelemente.
  • Genügend Vitamine (D und K), Spurenelemente, Mineralien (Kalzium und Magnesium) und Proteine
  • Einnahme der Medikamente (insbesondere L-Dopa) 30 Minuten vor dem Essen oder mindestens 60 Minuten nach dem Essen, vor allem vor oder nach eiweißreichen Mahlzeiten.
  • Nimm fünf (nicht zwei): Süßes nur in Maßen konsumieren, stattdessen lieber fünf gesunde Portion Obst & Gemüse pro Tag. Sowohl zu jeder Hauptmahlzeit und zwei mal als Snack zwischendurch, z.B. rote Beeren, Tomaten oder Gurken. Am besten frisch, möglichst unverarbeitet und ggf. nur kurz gegart. Auch Säfte sind zu empfehlen. So wird eine ausreichende Menge an wichtigen Vitaminen, Mineral- und Ballaststoffen, sowie pflanzlichen Stoffen wie Carotinoide oder Flavonoide zugeführt.
  • Spinat enthält ein wenig Protein und zusätzlich jede Menge wichtige Nährstoffe wie Flavonoide, Mineralstoffe, Vitamin C, Vitamin K, Eisen, Folsäure und Calcium. Ein echter Alleskönner, der auf jeden Fall auf den Speiseplan gehört.
  • Ausreichend Flüssigkeitszufuhr, aber nur selten koffeinhaltige oder alkoholische Getränke
  • Fleisch, Eier Wurst und Fisch nur ein bis zwei mal pro Woche (300 – 600 g). Diese Lebensmittel enthalten wichtige Nährstoffe, z.B. Omega-3-Fettsäuren (vor allem in fetten Kaltwasserfischen wie Lachs, Forelle, Hering, Heilbutt, Thunfisch oder Kabeljau). Fleisch enthält außerdem viel Eisen und Vitamin B1, B6 und B12. Hier ist besonders fettarmes Fleisch wie Rind oder Huhn zu empfehlen.
  • Täglich Milchprodukte, um ausreichend Calcium aufzunehmen. Hier aber auf fettarme und ungesüßte Varianten zurückgreifen, also z.B. fettarmen Naturjoghur oder fettarme Milch. Calcium ist ein wichtiger Baustein für die Knochen, ebenso wie Vitamin D. Beide sind in Milch enthalten.
  • Die Aufnahme von Calcium und Vitamin D ist wichtig, um dem erhöhten Osteoporose-Risiko von Parkinson-Patienten vorzubeugen. Calcium ist in Spinat und Milchprodukten enthalten. Milch enthält zudem Vitamin D, welches aber vor allem in fettreichen Lebensmitteln wie Fleisch, Ei und Avocados, aber auch in Pilzen enthalten ist. Vitamin D wird jedoch kaum in ausreichender Menge über die Nahrung aufgenommen, sondern vor allem bildet der Körper es durch Sonneneinstrahlung selbst. Die Sonneneinstrahlung in unseren Breitengraden ist dazu jedoch ungenügend. Hinzu kommt der Bewegungsmangel bei fortgeschrittener Parkinson-Erkrankung. Deshalb wird empfohlen, Vitamin D über Tabletten oder Tropen aufzunehmen. Die Menge sollte dabei mit dem Arzt abgesprochen werden.
  • Leichte körperliche Aktivität oder Ruhepause nach dem Essen
  • Regelmäßige Gewichtskontrolle
  • Schonend garen: So bleibt der natürliche Geschmack erhalten und die Nährstoffe werden geschont.
  • Mit Kräutern und Gewürzen arbeiten, aber nur mit wenig Salz. Kurkuma, Ingwer, Kresse und Petersilie sind nicht nur schmackhaft, sondern auch reich an wichtigen Nährstoffen. Sie enthalten außerdem Calcium, was ebenso wie Milch dem erhöhten Osteoporose-Risiko entgegenwirkt.
  • Salz nur in geringen Mengen und ausschließlich als jodiertes Speisesalz verwenden

Parkinson und Osteoporose

Sowohl die motorischen als auch die nicht-motorischen kognitiven Parkinson-Symptome führen mit der Zeit häufig zu signifikantem Bewegungsmangel. Dieser erhöht die Anfälligkeit für Osteoporose, also die Degeneration der Knochen. Doppelt gefährlich, weil Parkinson-Patienten zudem häufig an Problemen mit den Halte- und Stellreflexen leiden, was zu erhöhter Sturzgefahr und – zusammen mit Osteoporose – zu einem erhöhten Risiko von Knochenbrüchen führt. Wie bereits bei den Enrährungstipps erwähnt, kann die richtige Ernährung die Knochen stärken und das Risiko für Frakturen und Osteoporose reduzieren.

Calcium spielt hierbei eine Schlüsselrolle, ebenso wie Vitamin D. Im Schnitt verliert ein Mensch 300 mg Calcium täglich, durch Schweiß und Ausscheidungen (Stuhl und Urin). Bei Parkinson-Patienten kann diese Menge sogar noch erhöht sein, da auch das vegetative Nervensystem betroffen ist. Dadurch kann es – vor allem in der Nacht und anfallsartig – zu vermehrter Schweißbildung kommen. Auch Inkontinenz und häufiger nächtlicher Harndrang (nächtliche Pollakisurie) sind vegetative Störungen bei Morbus Parkinson. Da das in der Nahrung enthaltene Calcium nur zu etwa einem Drittel durch den Körper aufgenommen werden kann, sollte man mindestens 900 – 1000 mg Calcium pro Tag durch die Nahrung aufnehmen.

Lebensmittel mit viel Calcium:

  • Milch und Joghurt enthalten ca. 120 mg Calcium je 100 ml
  • Käse enthält (je nach Sorte) sogar 400 – 900 mg je 100 g.
  • Drei Esslöfel Parmesan (ca. 30 g) enthalten rund 350 mg Calcium
  • Besonders reich an Calcium ist z.B. Emmentaler, mit etwa 400 mg Calcium je Scheibe (30 g)
  • 200 g gegarter Grünkohl enthält ca. 360 mg Calcium
  • 200 g gegarter Spinat enthalten ca. 280 mg Calcium
  • 200 g gekochter Brokkoli enthält ca. 170 mg Calcium
  • Ab 150 mg Calcium je Liter gilt Mineralwasser als calciumreich (Der Calciumgehalt wird auf dem Ettikett vermerkt). So kann man die Flüssigkeits- und Calciumaufnahme kombinieren
  • Das Würzen von Speisen mit frischen Kräutern statt Salz ist ebenfalls empfehlenswert, da auch sie Calcium enthalten, obgleich nur in geringen Mengen

Caciumaufnahme mit Laktoseintoleranz:

  • Gereifter Hart- und Schnittkäse wie Emmentaler, Parmesan und Gouda wird auch mit Laktoseintoleranz oft gut vertragen.
  • Entsprechende Produkte dann am besten durch kleine und über den Tag verteilte Portionen aufnehmen.
  • Ansonsten auf caciumreiches Gemüse wie Brokkoli, Grünkohl, Ruccola oder Spinat ausweichen.
  • Auch Haselnüsse und Paranüsse, sowie calciumreiches Mineralwasser bieten sich an.

Auch Vitamin D ist für die Knochen wichtig, weshalb man auf ausreichende Aufnahme achten sollte. Vitamin D wird vor allem bei Sonneneinstrahlung über die Haut produziert. Ein ausreichender Aufenthalt im Freien ist jedoch für Parkinson-Patienten nicht immer möglich. Auch reicht die Sonneneinstrahlung in unseren Breitengraden oft nicht aus, vor allem im Winter nicht. Hier wird die Einnahme über Tabletten oder Tropen empfohlen, was jedoch mit dem behandelnden Arzt abgesprochen werden sollte. Gute Vitamin D Lieferanten sind außerdem Eier, Avocados, Fisch und Fleisch. Zudem unterstützt Vitamin D die Aufnahme von Calcium.

PDF Merkblatt zur Ernährung bei Morbus Parkinson als Download
Infos und Tipps zur optimalen Ernährung und Essgewohnheiten bei Morbus Parkinson
Autor: Prof. Dr. med. Dirk Woitalla


1 https://www.desitin.de/wp-content/uploads/2019/09/Parkinson_Ernaehrung.pdf?bereich=patientenbereich – Prof. Dr. med. Dirk Woitalla
2 Wang L et al. (2017) Protein-Restricted Diets for Ameliorating Motor Fluctuations in Parkinson’s Disease. Front. Aging Neurosci. 9:206. doi: 10.3389/fnagi.2017.00206
3 https://www.desitin.de/wp-content/uploads/2019/09/Magen-Darm-Bereichs.pdf?bereich=patientenbereich – Prof. Dr. med. Wolfgang H. Jost
4 Abou-Raya, S., Helmii, M. & Abou-Raya, A.: Bone and mineral metabolism in
older adults with Parkinson’s disease. Age Ageing 38: 675–80 (2009).
5 Invernizzi, M., Carda, S., Viscontini, G. S. & Cisari, C.: Osteoporosis in Parkinson’s
disease. Parkinsonism Relat Disord 15: 339–46 (2009).
6 25. Chen, H., Zhang, S. M., Herna, M. A., Willett, W. C. & Ascherio, A.: Weight Loss in
Parkinson’s Disease. Ann Neurol 676–679 (2003).
7 Dissertation Denise Bernhardt, Medizinische Fakultät der Universität Ulm, 2016

Weitere Quellen:

  • http://www.parkinson-selbsthilfe.at/fachbeitraege/ernaehrungstherapie-bei-morbus-parkinson/
    HF Hammer, GE Steyer, D Volc – Journal für Ernährungsmedizin, 2001 – kup.at

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