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Das Epilepsiemotiv in der christlichen Kunst

Für Hippokrates, den ‚Ahnvater aller Ärzte’ (um 460-370 v. Chr.), standen Ursachen und Heilung von Krankheit nicht unter dem unmittelbaren Einfluss der Götter (Priester- oder Tempelmedizin), sondern waren in erster Linie naturgegeben (Säftelehre, Humoralpathologie). Dieses ‚aufklärerische’ Denken bestimmte die griechische, römische und byzantinische Antike und wurde auch für die persisch-arabischen Ärzte rationale Basis. Diese wiederum waren es dann in erster Linie (z. B. Rhazes und Avicenna), die das europäische Mittelalter mit diesem hippokratischen Denken beeinflussten. Hier hatte inzwischen allerdings das religiöse (christliche) Moment wieder deutlich an Boden gewonnen (monastische oder Mönchs-Medizin).

So erschöpfte sich im christlichen Mittelalter die Behandlung von Krankheit und Behinderung keineswegs in der Verabreichung von (meist pflanzlichen) Heilmitteln und anderen medizinischen Maßnahmen (z. B. Diätetik) – im Gegenteil: Die Kunst der Ärzte stand bei den Patienten und ihren Angehörigen keineswegs in hohem Ansehen. Andere Behandlungsstrategien rangierten in der allgemeinen Anerkennung oft vor den ärztlichen Bemühungen, insbesondere die Anrufung überirdischer Mächte – dies hieß für den mittelalterlichen Christen: Bitte um den Beistand Gottes. Diese Beziehung, nämlich Krankheit/Heilung und Gottesmacht, ist auch sehr deutlich in der christlichen Kunst nachzuvollziehen.