Epilepsie

Was ist Epilepsie und wie werden epileptische Anfälle unterschieden?

Epilepsien sind eine Gruppe ganz unterschiedlicher Erkrankungen. Allen ist gemeinsam, dass von Zeit zu Zeit epileptische Anfälle auftreten, meist ohne erkennbaren Anlass.

 

Ein epileptischer Anfall ist eine Störung des Gehirns aufgrund kurz dauernder, vermehrter Entladungen von Nervenzellen. Es gibt mehr als 30 Formen von Epilepsien. Jeder betroffene Patient hat in der Regel nur eine Epilepsieform mit ein bis drei verschiedenen Anfallsformen. Die zeitlichen Abstände zwischen den einzelnen Krampfanfällen können sehr stark schwanken und liegen zwischen Sekunden und mehreren Jahren.

 

Epileptischer Anfall - Definition

 

Aufgrund der Vielfalt der Erscheinungsformen epileptischer Anfälle ist eine allgemeine Definition schwierig. Eine für alle Anfallsformen gültige Definition könnte lauten:

Epileptische Anfälle sind relativ kurz dauernde, plötzliche Änderungen des Bewusstseins, Denkens, Verhaltens, Gedächtnisses, Fühlens oder Empfindens oder der Anspannung der Muskulatur aufgrund einer vorübergehenden Funktionsstörung von Nervenzellen im Gehirn in Form vermehrter und einander gegenseitig aufschaukelnder elektrischer Entladungen.

Diese Definition ist zwar richtig, aber viel zu lang, um sie sich zu merken und im Alltag zu verwenden. Man kann epileptische Anfälle deswegen vereinfachend auch als Ausdruck einer vorübergehenden Funktionsstörung von Nervenzellen definieren, wobei die Auswirkungen davon abhängen, welche Funktion die beteiligten Nervenzellen normalerweise haben.

 

Aufgrund der Vielzahl an Anfallsformen gibt es verschiedene Ansätze, epileptische Anfälle zu klassifizieren. Dabei wird heute meist die Definition der Internationalen Liga gegen Epilepsie (International League Against Epilepsy - ILAE) genutzt.

 

Fokale Anfälle

 

Fokale Anfälle werden auch als partielle oder lokalisationsbezogene epileptische Anfälle bezeichnet. Diese Anfälle gehen immer von einem bestimmten Bereich des Gehirns aus und betreffen in der Regel nur eine Gehirnhälfte. Man unterscheidet fokale Anfälle mit Bewusstseinseinschränkung (früher auch komplex fokal genannt) und fokale Anfälle ohne Bewusstseinseinschränkung (früher: einfach fokale Anfälle). Im ersten Fall nimmt der Patient den epileptischen Anfall nicht bewusst wahr und kann sich später an nichts erinnern. Bei Erwachsenen ist dies die am häufigsten beobachtete Anfallsform. Während eines solchen epileptischen Anfalls werden vom Körper bestimmte Bewegungsabläufe oder Verhaltensweisen durchlaufen. Diese können ganz unterschiedlich aussehen. Einige Beispiele hierfür sind zielloses Herumlaufen, Schmatzen, An- und Ausziehen oder das Wiederholen einer bestimmten Wortfolge (Fragen oder ganze Sätze).

Fokale epileptische Anfälle, vor allem solche mit Bewusstseinsstörung, können in einen so genannten sekundär generalisierten Anfall übergehen, der dann beide Gehirnhälften betrifft. 

 

Generalisierte Anfälle

 

Generalisierten Anfällen lässt sich keine bestimmte Hirnregion zuordnen, in der der epileptische Anfall entsteht. Während eines Anfalls kann die Ausbreitung unterschiedlich verlaufen und das gesamte Hirnareal betreffen. Generalisierte epileptische Anfälle treten in verschiedenen Unterformen auf:

 

1. Absencen (früher auch Petit mal)

2. Myoklonische Anfälle

3. Klonische Anfälle

4. Tonische Anfälle

5. Tonisch-klonische Anfälle (Grand mal)

6. Atonische Anfälle

 

Absencen gehen häufig mit einer Bewusstseinsstörung einher, die nur wenige Sekunden andauert. Die Betroffenen starren bei dieser Form eines epileptischen Anfalls oft ins Leere und unterbrechen sämtliche Aktivitäten. Besonders Kinder sind von dieser Anfallsform betroffen. Es kann zu wenigen Anfällen innerhalb eines Jahres, bis hin zu mehrenden Hundert am Tag kommen. Wie oft epileptische Anfälle dieser Art auftreten, hängt vom individuellen Krankheitsbild ab.

 

Ein myoklonischer Anfall verursacht keine Bewusstseinsstörungen und ist ein epileptischer Anfall, der sich in Muskelzuckungen äußert. Die Zuckungen betreffen häufig Kopf und Arme, es können aber auch die Beine beteiligt sein.

 

Bei einem klonischen Anfall treten länger anhaltende rhythmische Zuckungen auf. Tonische Anfälle kennzeichnen sich durch andauernde Muskelkontraktionen, die länger anhalten können.

Verliert man die Muskelkraft, spricht man von einem atonischen Anfall. Diese epileptischen Anfälle resultieren häufig in Stürzen.

 

Der tonisch-klonische-Anfall oder auch Grand-mal-Anfall ist die Anfallsform, die am häufigsten mit

der Krankheit Epilepsie in Verbindung gebracht wird. Ein Grand-mal-Anfall verläuft in verschiedenen Phasen. Er beginnt mit der tonischen Phase, die dann in eine klonische Phase übergeht. Im Anschluss an einen Grand-mal-Anfall sind die meisten Patienten sehr erschöpft und brauchen eine Erholungsphase.

 

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