Neue Auflage: Desitin Bildschirmschoner Kunstsammlung

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Epilepsie und Kunst im Jahre 2007 (III)

Erwin-Josef Speckmann: "Convulsion # 1 und # 2" (2007)

Die ‚normale’, ungestörte Funktion des Gehirns ist gebunden an ein rasches Wechselspiel von Erregungen und Hemmungen der Nervenzellen. Dieses scheinbare Chaos von stetigen Aktivitätsänderungen ist differenzierten Steuerungsvorgängen des Nervensystems unterworfen.

Bei einem epileptischen Geschehen ist dieses natürliche Wechselspiel diffus (beide Hirnhälften betreffend) oder punktuell (regional umschrieben, fokal) gestört – und zwar in der Art, dass es zu einem Gleichklang (Synchronie) der Erregungsvorgänge kommt; ein großer Teil der Nervenzellen wird gleichzeitig erregt. Es kommt gewissermaßen zu einer Bündelung, zu einer zeitgleichen gemeinsamen ‚elektro-chemischen Ausrichtung’ der Gehirnzellen, zu einer "Ordnung". Da diese ‚gleichgeschaltete’ Erregung zudem stärker als üblich ist (‚Hyper-Synchronie’), ist dieser gesamte Vorgang für das Gehirn in doppelter Weise unnormal und gefährlich; es ist dieser Überlastung nicht gewachsen und reagiert mit einem epileptischen Anfall, der – physiko-chemisch gesehen – einer gewaltigen gebündelten Entladung gleichkommt (ähnlich den elektrischen Entladungen [Blitze!] bei einem Gewitter in der Natur).


Convulsion orange

 

Die hier präsentierte künstlerische Arbeit E.-J. Speckmanns (eines zeitgenössischen renommierten Epilepsieforschers!) trägt diesen Vorgängen im Gehirn Rechnung, wobei folgende Interpretation möglich erscheint:

Auf der einen Seite jeder der beiden Tafeln (Öl auf Karton) sind mehrere Gebilde (auf der einen Tafel 4, auf der anderen 10) unterschiedlicher Form und Größe dargestellt, mit wechselnder Beziehung zueinander. Auf der jeweils anderen Seite ist dagegen eine sehr schematische Ordnung wiedergegeben, eine strenge Ausrichtung identischer Formen (Quadrate).

 


Convulsion weiss

 

Bei einer Übertragung auf das Thema ‚Gehirn – Epilepsie’ könnte dies bedeuten (wobei jede Tafel für sich eine der beiden Gehirnhälften repräsentieren mag): Die eine Seite der jeweiligen Tafel stellt das (normale) Wechselspiel der Nervenzellen dar, die andere dagegen steht für eine gemeinsame Ausrichtung, für die ‚Gleichschaltung’ der Zellen, für ihre ‚gefährliche Ordnung’ – Grundlage eines epileptischen Geschehens!

 


Convulsion zweifarbig